Blutvergiftung (Sepsis)

Der Volksmund spricht von Blutvergiftung - eine recht treffende Bezeichnung für das Krankheitsbild der Sepsis. Am Anfang steht immer eine lokale Infektion meist mit Bakterien. Von diesem Krankheitsherd zum Beispiel am Bein, an einer Zahnwurzel oder einer Lungenentzündung breiten sich die Erreger und ihre Gifte über die Blutbahn in den gesamten Körper aus. Der Organismus reagiert mit einer Entzündung, die nach und nach alle Organe erfasst. Der Verlauf ist meist akut, kann aber auch chronisch sein.

Blutvergiftung (Sepsis)

Der menschliche Organismus verfügt über ein ganzes Arsenal an Strategien, um gefährlichen Situationen gegenüberzutreten. Manchmal allerdings sind die schädigenden Wirkungen so groß, dass die Abwehrmaßnahmen nicht nur versagen, sondern sich ins Gegenteil verkehren und gegen den Körper selbst richten. Auch heute noch endet das zum Beispiel bei einer Blutvergiftung (Sepsis) in vielen Fällen tödlich.

Blutvergiftung: Ursachen einer Sepsis

Meist gelingt es dem Körper, eine Infektion auf ihren Ursprungsort zu begrenzen. Dazu dient die Entzündungsreaktion, ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Reaktionen von Gefäßen und Gewebe, Ausschüttung körpereigener Stoffe und Einwanderung bestimmter Zellen. Das führt zu den klassischen Entzündungszeichen Rötung, Überwärmung, Schwellung und Schmerz.

Ist der Körper aber geschwächt, z.B. im Rahmen einer anderen Erkrankung, oder sind die Erreger besonders aggressiv, kann sich die Infektion und damit die Entzündungsreaktion auf den ganzen Organismus ausbreiten. Nacheinander werden die Organe befallen und deshalb nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Je mehr lebenswichtige Funktionen ausfallen, desto schwerer fällt es dem Körper, die Krankheit aufzuhalten. Wie bei einer Kettenreaktion können so innerhalb weniger Stunden Kreislauf, Nieren, Lunge, Leber und die anderen Körperorgane versagen ("septischer Schock"), was bis zum Tod führt.

Wie häufig ist die Sepsis?

Die Blutvergiftung ist häufiger als Brustkrebs, Aids oder Darmkrebs. Man schätzt, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen an den Folgen stirbt, vergleichbar also mit der Sterblichkeitsrate beim akuten Herzinfarkt. Auf chirurgischen Intensivstationen ist die Sepsis die häufigste Todesursache.

Blutvergiftung-Anzeichen bzw. Sepsis-Symptome

Am Infektionsherd - sofern äußerlich sichtbar - zeigen sich die Entzündungszeichen Rötung, Überwärmung, Schwellung und Schmerz. Breitet sich die Entzündung auch über eine oberflächliche Vene aus, kann ein roter, schmerzhafter, fortschreitender Strang zu sehen sein. Die Blutvergiftung selbst ist vor allem am Anfang nicht leicht zu erkennen, da die Krankheitszeichen nicht sehr spezifisch sind, also auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Dazu gehören hohes Fieber oder Fieberschübe mit Schüttelfrost, Verwirrtheit, Beschleunigung von Atmung und Herzschlag sowie Blutdruckabfall.

Blutvergiftung: Diagnose und Diagnostik

Im Blut zeigen sich Entzündungszeichen und ein Abfall der roten Blutkörperchen und Gerinnungsstörungen. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis von Erregern in der Blutkultur. Im Ultraschall sind meist eine Vergrößerung von Leber und Milz sichtbar. Derzeit versuchen Forscher, Gene zu identifizieren, deren Aktivität zur Diagnose- oder Prognosestellung benutzt werden können. Bis zur Praxisreife wird allerdings sicher noch einige Zeit vergehen.

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Blutvergiftung: Behandlung und Therapie einer Sepsis

Da der Betroffene schwer krank ist, erfolgt die Behandlung auf der Intensivstation. Wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall sind die Heilungsaussichten für den Patienten besser, je früher sie einsetzt. Im Zentrum steht die Therapie mit Antibiotika. Je nach Krankheitsstadium sollte - wenn möglich - der Infektionsherd entfernt werden (z.B. die Gallenblase).

Daneben wird versucht, durch die Behandlung die Schocksituation zu bessern und das Organversagen aufzuhalten bzw. rückgängig zu machen. Dazu gehören Infusionstherapie, künstliche Beatmung, Nierenersatzverfahren, künstliche Ernährung sowie der Ersatz körpereigener Zellen (z.B. rote Blutkörperchen) und Stoffe wie Insulin und Kortison. In letzter Zeit gibt es die Entwicklung spezifischer Medikamente, die die Immunantwort des Patienten stärken sollen und in verschiedenen Studien die Sterblichkeitsrate gesenkt haben.