Hüftgelenk - eine schwer belastete Körperstelle

Der aufrechte Gang ist uns in
die Wiege gelegt. Doch um uns aufrichten zu können, brauchen wir starke Gelenke, vor allem im Bereich der Hüften und der Knie. Gelenkarthose und Verschleiß der Knorpelschicht nehmen in unserer Gesellschaft aber immer mehr zu. Das liegt zum Teil daran, dass wir immer älter werden und dass sich oft solche Erkrankungen mit dem Alter einstellen.



Aber auch immer mehr junge Menschen leben mit einem künstlichen Hüftgelenk. Im Schnitt halten die Implantate zehn bis 15 Jahre, bevor sie erneuert werden müssen. Für junge Patienten eignen sich am besten Keramikprothesen, wie eine Studie aus den USA bewiesen hat.

Krankheitsursache liegt in den Genen

Die Hüftgelenke des Menschen sind unglaublichen Belastungen ausgesetzt. Beim Rennen oder Lasten tragen müssen sie ein Vielfaches unseres Körpergewichts abfangen. Erkrankungen dieser wichtigen Angelpunkte in unserem Körper sind daher nicht selten. Die Arthrose zum Beispiel kann schon junge Menschen betreffen und ist keine einfache Alterserscheinung.
Laut der Deutschen Rheumaliga leiden alleine in Berlin 3000 Kinder an Arthrose. Und fast jeder zweite Deutsche über 60 klagt über arthrotische Gelenke, allen voran die Hüft- und Kniegelenke. Die Ursache liegt vermutlich in den Genen. Fortgeschrittenes Alter, Unfälle, andauernde starke Belastung und hormonelle Einflüsse werden auch diskutiert.
Eines ist aber sicher:
Die Arthrose ist keine einfache Verschleißerkrankung, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit. Aufhalten lässt sich der langsame Abbau des Gelenkknorpels bislang zwar nicht. Doch die Begleitsymptome wie Schmerz und Schwellung vermag der Arzt zu lindern.

Probleme im Gelenkstoffwechsel

Im Verlauf der Arthrose geraten die Auf- und Abbauprozesse im Gelenkknorpel aus dem Gleichgewicht. Der Knorpel verliert seine Funktion als Stoßdämpfer und federt das betroffene Gelenk nicht mehr ausreichend ab. Der umliegende Knochen wird überlastet und versucht, sich durch unregelmäßiges Wachstum zu verstärken. Dabei wird der Gelenkkopf durch die überschießende Knochenproduktion regelrecht eingemauert.
Übergewicht ist nicht ursächlich für Probleme im Bereich der Hüften und der Knie. Wohl aber ist es für das erkrankte Gelenk viel leichter seine Funktion zu erfüllen, wenn es möglichst wenig Gewicht zu verkraften hat. Eine Reduzierung des Übergewichts kann daher in vielen Fällen helfen, um die Symptome wie Schmerzen beim Gehen und Aufstehen zu lindern. Als letztes Mittel gegen ein verschlissenes Hüftgelenk bleibt immer nur eins: Die Endoprothese - das künstliche Gelenk.

Für jeden Patienten das richtige Material

Auch künstliche Hüftgelenke müssen viel aushalten. Vor allem bei jüngeren, aktiven Patienten. Während bei älteren Patienten oft Erkrankungen wie die Gelenkarthose Ursache eines geschädigten Hüftgelenks sind, wird bei jüngeren Menschen dieses wichtige Gelenk vor allem durch schwere Unfälle beim Sport oder in Straßenverkehr geschädigt. Auch eine Krebserkrankung kann dazu führen, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muss.
Bewährte Implantate bestehen aus Kunststoffen und/oder Metallen. Sie halten im Schnitt 15 Jahre, bevor sie sich lockern und eine neue Operation nötig wird. Besonders geeignet für junge Patienten scheint aber der Werkstoff Keramik zu sein. In einer fünfjährigen Studie beobachteten US-amerikanische Forscher aus Chicago die Kunstgelenke von über 1000 Hüftgelenkspatienten.
Ihre Messungen ergaben, dass die Keramikhüften bis zu 400 mal belastbarer sind als Implantate auf Kunststoff-Metall-Basis. Bei Gelenkpfannen aus Kunststoff reiben sich stetig kleinste Mengen des Material ab, was zu Entzündungen rund um das Implantat und damit zu Lockerungen führt. Keramik dagegen ist abriebfest.

Die richtige Diagnose führt zur richtigen Therapie

Wer befürchtet, unter Gelenkarthrose zu leiden, sollte sich von seinem Hausarzt zu einem Orthopäden überweisen lassen. Dieser kann mit Hilfe von Blutuntersuchungen und Röntgenbildern erkennen, ob und um welche Gelenkerkrankung es sich handelt. Denn auch Gicht und Rheumatismus sind nicht selten in unserer Gesellschaft. Um Schäden an den Weichteilen wie Knorpel und Muskeln zu erkennen, dient der Kernspintomograph (auch Magnetresonanztomograf MRT).
Bei dieser Untersuchung wird anhand des Wassergehalts auch weiches Gewebe auf dem Monitor sichtbar gemacht. Die Strahlungsbelastung liegt bei dieser Untersuchungsmethode auch deutlich niedriger als beim Röntgen oder im Computertomographen (CT).Die typische Gelenkarthrose kann mit Hilfe von Bewegung eine Weile in Schach gehalten werden.
Durch gezielte krankengymnastische Übungen können Gelenkblockaden verringert und die Beweglichkeit des Gelenks erhalten oder sogar deutlich verbessert werden. Der Patient muss hierbei zunächst die Zähne zusammenbeißen, denn die ersten Übungsstunden können überaus unangenehm sein. Wer den ersten Schmerz aber überwunden hat, wird rasch eine deutliche Besserung seiner Beschwerden feststellen können.

Bewegung auch nach der OP der beste Weg zur dauerhaften Mobilität

Muss das kranke Gelenk doch ersetzt werden, kann der Patient schon wenige Tage nach der Operation wieder alleine gehen. Menschen, die jahrelang unter Schmerzen gelitten haben, berichten von unglaublichen Glücksgefühlen bei diesen ersten Schritten mit dem Kunstgelenk, so gering erscheint der Wundschmerz im Vergleich zum vorherigen Zustand.
Anschließend lernt der Patient in der Reha, mit der neuen Beweglichkeit umzugehen. Wichtig ist hierbei der gezielte Muskelaufbau rund um das neue Gelenk, damit das neue Gelenk ausreichend gestützt wird. Ob das Implantat richtig sitzt, wird bei regelmäßigen Untersuchungen beim Orthopäden festgestellt. Röntgenbilder zeigen schon die kleinste Veränderung rund um das Kunstgelenk und oft kann bei frühzeitigem Eingreifen die Lebensdauer der künstlichen Hüfte erheblich verlängert werden.
Susanne E. Kaiser