Darmverschluss: Untersuchung und Behandlung

Ein Darmverschluss kann sich plötzlich und dramatisch äußern (wenn z.B. ein Darmstück in einem Bruchsack eingeklemmt wird) oder sich schleichend und diskret ausbilden (z.B. bei einem langsam wachsenden, einengenden Tumor) - medizinisch heißen die Krankheitsbilder "akutes Abdomen" und "Subileus".

Symptome bei einem Darmverschluss

  • Der Darminhalt staut sich bis in den Magen, was zum Erbrechen von Kot führt (der Fachausdruck dafür lautet Miserere).
  • Schmerzen entstehen durch krampfartige Darmkontraktionen (deutlich vermehrte Darmperistaltik bei mechanischem Ileus) oder eine gleichzeitig bestehende Bauchfellentzündung.
  • Stuhl- und Windverhalt tritt besonders beim paralytischen Ileus auf.
  • Als Folge der Darmerweiterung ist der Bauch aufgetrieben (Meteorismus).

Oftmals entwickelt sich ein Ileus jedoch schmerzfrei und über Wochen bis Monate. Beim mechanischen Darmverschluss kann bei hoher Verschlusslokalisation im Bereich des Dünndarms durchaus normaler Stuhlgang abgesetzt werden, da in diesem Darmabschnitt der Stuhlgang noch flüssig ist und die Flüssigkeit gut den eingeengten Darmabschnitt passieren kann. Ist ein Mesenterialinfarkt Ursache eines Ileus, weisen immer wieder nach dem Essen auftretende Bauchschmerzen auf eine verminderte Durchblutung der Mesenterialarterien hin.

Darmverschluss: Diagnose

Wenn es der Zustand des Patienten zulässt, erfolgt eine ausführliche Erhebung der Krankenvorgeschichte (Anamnese). Hinweise auf wiederholte Magengeschwüre, krampfartige Schmerzen, die unmittelbar nach dem Essen auftreten (Hinweis auf einen Mesenterialinfarkt) oder Schmerzen im rechten Unterbauch (z.B. durch eine Blinddarmentzündung) können hilfreich sein, die verschiedenen Ursachen einzugrenzen und die notwendigen Untersuchungen einzuleiten.

Die Befragung nach der Art der Schmerzen gibt Aufschluss darüber, welches Organ betroffen sein könnte. Plötzlich auftretende, heftige und stechende Schmerzen im rechten Oberbauch weisen eher auf eine Gallenblasenentzündung oder auf ein Zwölffingerdarmgeschwür hin. Strahlen diese Schmerzen in den rechten Rücken aus, dann kann es sich um eine Gallenblasenentzündung handeln. Daher ist die genaue Beschreibung der Schmerzausdehnung ebenso wichtig wie die Beschreibung der Art der Schmerzen.

Untersuchung durch den Arzt

Nach der Krankengeschichte folgt der körperliche Untersuchungsbefund. Oft wirkt ein von einem Darmverschluss Betroffener unruhig, seine Beine können angewinkelt sein, um die Spannung im Bauch zu verringern und eine Entlastung zu ermöglichen. Bei der Untersuchung lässt sich eine Abwehrspannung des Bauches feststellen. Diese tritt entweder an einem bestimmten Punkt auf oder ist über den ganzen Bauch verteilt. Der Bauch ist oft allgemein druckschmerzhaft.

Mit dem Stethoskop lassen sich die Darmgeräusche beurteilen. Metallisch klingende Darmgeräusche weisen auf einen mechanischen Ileus hin. Fehlende Darmgeräusche (absolute Stille im Bauch) weisen dagegen auf einen lähmenden Darmverschluss hin (paralytischer Ileus). Die rektale Untersuchung (Abtastung des Enddarms mit dem Finger) kann schmerzhaft sein, insbesondere dann, wenn eine Blinddarmentzündung zu einer Reizung des Bauchfells geführt hat.

Weitere Untersuchungen

Zur Beurteilung des Bauches werden Röntgenaufnahmen im Stehen oder in Linksseitenlage gemacht. Bei einem Darmverschluss lassen sich sichelförmige Luft- und Flüssigkeitsansammlungen erkennen. Je nach Beteiligung werden sie als Dünn- oder Dickdarmspiegel bezeichnet. Freie Luft unter dem Zwerchfell ist ein Zeichen für ein "Leck" im Magen-Darm-Trakt, oft tritt die Luft durch einen entzündeten und undichten Schleimhautbereich aus.

Mit der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) lässt sich die Ursache des Darmverschlusses eingrenzen. Pendelperistaltik (Darminhalt wird nicht mehr transportiert) spricht für einen mechanischen Darmverschluss und fehlende Peristaltik für einen lähmenden Darmverschluss. Die Computertomographie wird als ergänzende Untersuchung zur Beurteilung der inneren Organe durchgeführt.

Je nach Ursache des Darmverschlusses können viele Blutwerte krankhaft verändert sein. Das Blutbild ermöglicht die Bestimmung weißer (Leukozyten) und roter (Erythrozyten) Blutkörperchen, des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und der Blutplättchen (Thrombozyten). Blutverlust führt zu einer Verringerung des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Eine Entzündung dagegen verursacht einen deutlichen Anstieg der weißen Blutkörperchen. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit, das C-reaktive Protein und die Laktatdehydrogenase (LDH) sind erhöht.

Außerdem können die Leberwerte und Bauchspeicheldrüsenwerte krankhaft ansteigen. Bei Fortschreiten der Erkrankung verschlechtern sich auch die Gerinnungswerte.