Verstopfung (Obstipation)

Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist individuell verschieden und von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von Alter und Ernährung. Stuhlgang dreimal am Tag ist genauso normal wie einmal alle drei Tage. Bei Kind variiert sie zwischen mehrfach täglich beim voll gestillten Säugling bis zu einmal wöchentlich. Beim älteren Kind liegt sie bei mehrfach täglich bis zu dreimal wöchentlich (wie beim Erwachsenen). Von Verstopfung (Obstipation) spricht man erst bei weniger als 3 Stuhlgängen pro Woche, wenn es also zu selten zu einer Stuhlentleerung kommt oder diese unvollständig erfolgt. Bei zu seltener Stuhlentleerung wird der Nahrungsbrei durch Wasserentzug immer mehr eingedickt und der Stuhl wird hart und trocken. Dies kann zu Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Blähungen führen.

Ursachen von Verstopfung

  • eine einseitige Ernährung, die zu wenig Ballaststoffe enthält
  • eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Bewegungsarmut
  • Hektik, Stress oder seelische Belastungen
  • Ernährungsumstellung während oder nach einer Reise
  • Abführmittelmissbrauch
  • Arzneimittel, z.B. Eisenpräparate, einige Antidepressiva, Schmerzmittel
  • Schwangerschaft
  • bestimmte Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus

Behandlung: Ballaststoffe gegen Verstopfung

Wenn der Darm träge wird, kann in vielen Fällen durch eine ballaststoffreiche Kost, eine ausreichende Trinkmenge und tägliche Bewegung Abhilfe geschaffen werden. Stellen Sie Ihre Ernährung schrittweise auf eine ballaststoffreiche Kost mit mind. 30 g Ballaststoffen pro Tag um.

Die Umstellung sollte langsam über mehrere Tage bzw. Wochen erfolgen, damit sich Ihr Darm an die neue Situation gewöhnen kann. Zu Anfang wird er vielleicht mit Blähungen und Missempfindungen reagieren. Diese Begleiteffekte verschwinden aber in der Regel nach einer Eingewöhnungszeit von ca. ein bis zwei Wochen.

  • Steigern Sie den Verzehr von Vollkornbrot (200 g/Tag), vorzugsweise aus feingemahlenem Vollkornmehl.
  • Ersetzen Sie beim Backen nach und nach Weißmehl durch Vollkornmehl.
  • Steigern Sie den Verzehr sonstiger Vollkornprodukte (ungeschälter Reis, Vollkornnudeln).
  • Essen Sie zum Frühstück oder zwischendurch Zerealien auf Vollkornbasis (50 g/Tag).
  • Essen Sie häufiger Obst und Gemüse. Versuchen Sie dabei den Empfehlungen 2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse pro Tag zu folgen.
  • Essen Sie öfter Gerichte mit Hülsenfrüchten.
  • Essen Sie zwischendurch eingeweichtes Backobst. Bei Bedarf können Sie dieses fein pürieren.
  • Hilfreich können auch reine Ballaststoffzulagen sein, z. B. Weizen- oder Haferkleie und Leinsamenschrot.

Denken Sie daran, ausreichend zu trinken, d. h. mindestens 1,5 Liter pro Tag. Ballaststoffe können Ihre Funktion nur ausüben, wenn ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist.

7 Tipps zur Unterstützung der Stuhlregulation

Unterstützen Sie die Stuhlregulation zusätzlich durch folgende Maßnahmen:

  • Essen Sie täglich Lebensmittel mit abführender Wirkung, z.B. Sauermilchprodukte (Joghurt, Quark, Dickmilch) und Sauerkraut
  • Schränken Sie den Verzehr ballaststoffarmer Lebensmittel wie Feinmehlbackwaren und -teigwaren, Zucker, Schokolade usw. ein.
  • Nutzen Sie den natürlichen Entleerungsreiz, der insbesondere morgens durch ein ausreichendes Frühstück oder ein Glas kalten Fruchtsaft ausgelöst werden kann.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig - Radfahren oder Spazieren gehen sind dabei vollkommen ausreichend. Während Bewegungsmangel die Darmträgheit fördert, stimulieren Bewegungsreize die Darmpassage der Nahrung und damit auch den Stuhlgang.
  • Es gibt übrigens auch diverse Yoga-Übungen, die bei Verstopfung helfen können. Vielleicht wäre ein Yoga-Kurs mal eine nette Abwechslung? Auch andere Entspannungstechniken wie autogenes Training sind hilfreich.
  • Ansteigende und wechselwarme Fußbäder regen die Darmtätigkeit an. Auch kalte Wasserreize fördern die Verdauung. Für ein ansteigendes Fußbad halten Sie Ihre Füße in ca. 33 ° C warmes Wasser, dem Sie innerhalb von 10 Minuten immer wieder wärmeres Wasser zugeben, bis die Temperatur 40 Grad beträgt.
  • Überlegen Sie, ob Sie nicht eine Fastenwoche einlegen können. Fasten regt den Stoffwechsel an und reguliert die Darmtätigkeit oft auch langfristig.

In vielen Fällen lässt sich eine Verstopfung durch Umstellung der Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und mehr Bewegung innerhalb kurzer Zeit wieder beheben. Wenn Sie trotz dieser Maßnahmen immer noch unter Verstopfung leiden, sollten Sie auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Unbedingt ärztlicher Rat ist einzuholen, wenn zusätzlich andere Beschwerden auftreten, bei starken Schmerzen oder wenn Blut im Stuhl erscheint.

Abführmittel gegen Verstopfung

Eine weitere Möglichkeit, Verstopfung zu beheben, ist der Gebrauch von Abführmitteln. Sie sollten allerdings nicht zu früh und nur kurzfristig eingesetzt werden. Bei Dauergebrauch verursachen die meisten Abführmittel schwere gesundheitliche Schäden. Der Grund liegt in der vermehrten Ausscheidung von Wasser und Salzen. Dadurch verringert sich die Darmtätigkeit noch weiter, und es kann zu chronischen Darmerkrankungen kommen.

Vor allem der Mangel an Kalium macht den Darm träge. Der erneute Griff zu Abführmitteln verstärkt den Kaliummangel noch weiter und es kommt zu einem regelrechten Teufelskreis. Sehr schnell führt das zu einer Abhängigkeit von Abführmitteln.

  • Quell- und Füllstoffe, z.B. Flohsamen, Weizenkleie oder Leinsamen enthalten unverdauliche Ballaststoffe, die Wasser aufnehmen. Wie ein zusammengedrückter Schwamm quellen diese Stoffe mit Wasser auf und vergrößern dabei ihr Volumen auch im Darm. Dadurch wird die Darmtätigkeit angeregt. Wichtig ist die genügende Flüssigkeitsaufnahme (viel trinken!), damit die Präparate gut aufquellen können.
  • Osmotische Abführmittel sind Salze, schwer resorbierbare Zucker oder Zuckeralkohole, die Wasser im Darm binden. Das Stuhlvolumen wird dadurch größer, der Stuhl wird weicher. Hierzu zählen z.B. Bittersalz, Glaubersalz, Milchzucker, Laktulose oder Sorbit. Auch hier muss ausreichend viel Flüssigkeit getrunken werden. Milchzucker ist auch für Babys und Kleinkinder als gelegentlich verwendetes Abführmittel geeignet.
  • Synthetische Abführmittel, z.B. Bisacodyl, Natriumpicosulfat, und pflanzliche Abführmittel, z.B. Sennesblätter, Rhabarber, Faulbaumrinde, verhindern in unterschiedlichem Ausmaß die Eindickung des Stuhls im Dickdarm und fördern die Eigenbewegungen des Darmes. Diese Präparate eignen sich nur für den kurzfristigen Gebrauch.