Glomerulonephritis - die Entzündung der Nierenkörperchen

Gut eine Million Nierenkörperchen (Glomeruli) sind in jeder Niere dafür zuständig, aus dem Liter Blut, das sie pro Minute durchströmt, Tag für Tag etwa 180 Liter Primärharn zu filtrieren, aus denen knapp 2 Liter Endharn mitsamt Stoffwechselschlacken konzentriert werden. Neben der Entgiftung ist die Niere wichtig für die Regulation des Wasser- und Salzhaushaltes, Blutdruckregulation, Bildung der roten Blutkörperchen und den Knochenstoffwechsel. Entzündungsprozesse können die gesamte Nierenfunktion massiv beeinträchtigen.

Was ist eine Glomerulonephritis?

Als Glomerulonephritis wird eine Entzündung des Nierengewebes bezeichnet, die beide Nieren betrifft und zunächst an den Nierenkörperchen abläuft, dann aber auch auf das übrige Nierengewebe übergreifen kann. Sie kann kurz und heftig (akute Glomerulonephritis), rasch fortschreitend (rapid progressiv) oder langsam und schleichend (chronische Glomerulonephritis) verlaufen.

Meist ist das Immunsystem beteiligt. Vermutet wird, dass der ständige Kontakt der Gefäßknäuel in den Nierenkörperchen mit den Schadstoffen im Blut zu einer Entzündungsreaktion führt – warum dies bei manchen Menschen der Fall ist, bei anderen dagegen nicht, ist bisher weitgehend unklar. Allerdings gehen Wissenschaftler davon aus, dass Erbfaktoren eine Rolle spielen.

Welche Formen gibt es?

Durch die Vielzahl verschiedener Entzündungsformen ist die Krankheit sehr vielgestaltig und kann nur vom Nierenspezialisten beurteilt werden. Es ist wichtig, die Formen voneinander abzugrenzen, da sie unterschiedlich verlaufen und behandelt werden und sich auch hinsichtlich ihrer Prognose unterscheiden. Die Einteilung kann anhand der Symptome, der Ursachen, dem Entstehungsmechanismus und der Art der Gewebsveränderungen vorgenommen werden, die Fachbezeichnung der einzelnen Formen richtet sich meist nach dem Verlauf und dem Ort der primären Schädigung (z.B. extrakapilläre oder membranöse Glomerulonephritis).

  • Ein Kriterium ist, in welcher Form das Immunsystem beteiligt ist. Bei einer großen Gruppe werden Immunkomplexe gebildet, also Verbindungen von Antigenen und Antikörpern. Diese können als Folge anderer Krankheiten (z.B. nach einer Halsentzündung mit Streptokokken) durch gegen Bakterienantigene gebildete Antikörper entstehen, die zunächst im Blut zirkulieren und sich dann an verschiedenen Stellen der Nierenkörperchen ablagern und diese schädigen. Bei anderen Formen bildet der Organismus Autoantikörper gegen die innere Schicht der Nierenkörperchen, die sich dort ablagern. Doch auch andere Zellen des Immunsystems (z.B. T-Zellen, Komplement) können Entzündungsreaktionen auslösen.
  • Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, ob die Entzündung zunächst nur an der Niere abläuft (primäre Form) oder im Rahmen von Systemerkrankungen auftritt, die auch andere Organe betrifft (z.B. das Bindegewebe bei Kollagenosen oder die Lunge beim Goodpasture-Syndrom), Krebserkrankungen, Infektionen oder bei bestimmten Medikamenten (sekundäre Form).

Symptome und Diagnostik

Ob, wie und wann sich die Erkrankung zeigt, hängt von der Art der Entzündung ab. In sehr vielen Fällen spüren die Betroffenen über eine lange Zeit gar keine Beschwerden, obwohl die Schädigung der Niere bereits vonstatten geht. Später zeigen sich dann die Symptome des fortschreitenden Nierenversagens, z.B. Leistungsabfall und Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Wassereinlagerungen, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, aber auch Übelkeit, Mundgeruch, Juckreiz und gelbliche Hautverfärbungen.

Es kann zu Knochenerweichung, erhöhter Infektanfälligkeit, Blutarmut, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen kommen. Manche Patienten klagen auch über Nierenschmerzen. Im Urin lassen sich Blut, Eiweiß und sog. Harnzylinder, im Blut veränderte Nierenwerte (Kreatinin) nachweisen. Weitere Untersuchungen sind Ultraschall der Nieren und Nierenfunktionstests.

Für die Diagnose und Zuordnung der Entzündungsform ist letztlich die Entnahme von Gewebsproben aus der Niere nötig. Um möglichst frühzeitig die Diagnose stellen und eine Therapie beginnen zu können, ist es wichtig, bei potentiellen Risikogruppen Urintests durchzuführen. So sollte 1–3 Wochen nach einer Halsentzündung mit Streptokokken eine Urinkontrolle erfolgen. Auch bei Systemerkrankungen, die zu einer sekundären G. führen können, sollte in regelmäßigen Abständen nach Blut und Eiweiß im Urin gefahndet werden.

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Therapie und Behandlung

Die Therapie hängt von der Art der Entzündung ab. Liegt eine Grunderkrankung vor, wird diese therapiert, z.B. eine Mandelentzündung mit Antibiotika. Ansonsten stehen blutdrucksenkende Medikamente, Kortison und Immunsuppressiva zur Verfügung. Je nach Ausmaß des Nierenversagens muss sich der Betroffene einer "Blutwäsche" (Dialyse) unterziehen und seine Ernährung und Flüssigkeitszufuhr umstellen.

Der Verlauf variiert von Formen mit spontaner Genesung, über solche mit folgenloser Heilung bei frühzeitiger Therapie bis zu Formen, bei denen innerhalb von 5 Jahren oder auch wenigen Monaten ein dialysepflichtiges Nierenversagen eintritt.