Delir - nicht nur bei Alkoholkranken eine gefährliche Bewusstseinstrübung

Wenn man das Wort "Delir" oder "Delirium" hört, denkt man meist automatisch an ein Krankheitsbild, das man fälschlicherweise dem Alkoholmissbrauch zuordnet. Doch ein Delir kommt bei bis zu 50% aller stationären Patienten vor – und bei weitem nicht nur bei Alkoholkranken.

Was ist ein Delir?

Unter einem Delir versteht man ein Krankheitsbild, bei dem neben einer Einschränkung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit noch verschiedene weitere Symptome vorliegen müssen:

  • Zum einen muss die Wahrnehmung gestört sein, was sich oft durch optische Halluzinationen äußert (am bekanntesten sind die sprichwörtlichen weißen Mäuse, die man im Delirium sieht, aber wesentlich öfter werden Schatten oder Ungeziefer gesehen, das durch die Ecken huscht), aber auch Wahnideen, Gedächtnislücken und eine zeitliche Desorientierung sind möglich.
  • Des weiteren müssen psychomotorische Störungen bestehen – oft kann man beobachten, wie der Betroffene an seiner Bettdecke nestelt, sehr unruhig ist, nicht im Bett bleiben möchte oder wesentlich mehr oder weniger redet als sonst.
  • Der Schlaf-Wach-Rhythmus gerät durcheinander. Ein Delirkranker kann nachts oft nicht schlafen, seine Delir-Symptome verschlechtern sich; tagsüber hingegen ist der Betroffene sehr schläfrig und wirkt benommen.
  • Der Affekt ist beeinträchtigt: Angst, Weinerlichkeit, aber auch Euphorie und Aggressivität treten auf.

Ein Delir entwickelt sich oft innerhalb von Stunden: Erst wirkt der Betroffene ein bisschen verwirrt, nach kurzer Zeit zeigen sich mehrere der o.g. Symptome. Insgesamt tritt bei ca. 20% aller stationären Patienten ein Delir auf und bei den über 65-jährigen Krankenhauspatienten entwickelt fast die Hälfte einen deliranten Zustand.

 

Wann kommt es zu einem Delir?

Es gibt Patienten, die wesentlich anfälliger für einen deliranten Zustand sind als andere. Dabei ist sowohl hohes als auch sehr geringes Alter ein Risikofaktor für die Delirentwicklung, daneben eine vorbestehende Hirnschädigung, eine Alkoholabhängigkeit, eine Stoffwechselerkrankung wie beispielsweise Diabetes, Fieber, eine schwere körperliche Erkrankung, z.B. eine Krebserkrankung, und die Einnahme von mehreren unterschiedlichen Medikamenten. Wenn einer der Risikofaktoren vorliegt und der Betroffene dann akut zusätzlich entweder eine Erkrankung des Gehirns, eine weitere schwere Erkrankung, z.B. eine Infektion oder eine Herzrhythmusstörung, oder eine schwere Organerkrankung wie ein zunehmendes Nieren- oder Leberversagen entwickelt, kann sich sehr schnell ein deliranter Zustand ausbilden.

Wenn man sich sowohl die Risikofaktoren als auch die Ursachen für ein Delir genau anschaut, verwundert es nicht, dass so viele Menschen nach ihrem 65. Lebensjahr im Krankenhaus ein Delir entwickeln – immerhin erfüllen sehr viele ältere Menschen die Voraussetzungen: Alter, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Stoffwechselprobleme und multiple Medikamenteneinnahme!

Bei bestimmten Erkrankungen tritt besonders häufig ein Delir auf: in Folge von ungeplanten Hüftgelenksoperationen nach einem Beinbruch, bei Verbrennungen und offenen Herzoperationen. Häufig entsteht jedoch ein Delir wegen einer Vergiftung oder eines Entzugs von Substanzen, die auf das Gehirn einwirken – neben Alkohol sind dort vor allem Amphetamine, aber auch Medikamente wie Antidepressiva oder Parkinsonmittel die Übeltäter.

 
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