Depression: Hilfe ist möglich!

Die Depression ist eine weit verbreitete Krankheit wie viele andere auch, aber mit einigen Besonderheiten. Ihre Bedeutung vor allem für Betroffene und Angehörige, aber auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen Kosten, wird erheblich unterschätzt. Dabei sind Depressionen mittlerweile Volkskrankheit Nummer eins, noch vor Herzinfarkt und Diabetes. Jeder fünfte Bundesbürger bekommt mindestens einmal in seinem Leben eine Depression.
Über die Ursachen gibt es zahlreiche Missverständnisse, die sich zum Beispiel in dem Rat ausdrücken, man müsse sich "nur zusammen reißen". Dadurch werden Menschen mit Depressionen weiter stigmatisiert, ausgegrenzt. Zu den fatalsten Vorurteilen gehört, dass gegen Depressionen "kein Kraut gewachsen" sei. Dabei können über 80 Prozent der Depressionen erfolgreich behandelt werden.

Bei Depressionen rechtzeitig Hilfe suchen

Die erste Maßnahme ist: WISSEN! Das Berliner Bündnis gegen Depression hat es sich zur Aufgabe gemacht, wie auch die anderen regionalen Einrichtungen dieser Art, über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Es gibt zahlreiche seelisch-soziale, aber auch biologische Faktoren, die eine Depression verursachen oder auslösen können. Allerdings ist es nicht immer einfach, eine momentane Verstimmung von einer leichteren Depression - die sich verschlimmern kann - zu unterscheiden. Denn eine Depression kann sich zum Beispiel auch hinter körperlichen Beschwerden verstecken.

Das Ausschalten depressionsfördernder Faktoren ("primäre Prävention") ist zugegebenermaßen der schwierigste Teil der Vorbeugung. Denn der Verlust eines nahen Angehörigen zum Beispiel lässt sich ja nicht einfach "weg reden". Aber immerhin gibt es Einiges, das helfen kann. Dazu gehören Aktivitäten (etwa: Hobbys) und die Pflege sozialer Kontakte sowie besonders auch Sport. Und das Wichtigste: Rechtzeitig Scham überwinden und professionelle Hilfe suchen! Denn eine möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie ("sekundäre Prävention") ist entscheidend, um die Krankheit bestmöglich "in den Griff zu kriegen". Und eine genaue Beobachtung und Wahrnehmung früher Krankheitsanzeichen hilft auch zur "tertiären Prävention", der Vermeidung von Rückfällen.

 

Depression: Was können Angehörige tun?

Wer unter Depressionen leidet, für den ist es besonders wichtig, dass Freunde und Angehörige in dieser Zeit für ihn da sind. Sie können ihm Zuhören, sich Zeit für ihn nehmen und vor allem dem Freund/Angehörigen Zeit lassen - aber nicht zuviel Zeit, bis der/die Betroffene eine(n) Therapeuten/in aufsucht. Daneben sollten Freunde und Angehörige auch die folgenden Ratschläge berücksichtigen: 

  • Bedingungsfrei akzeptieren, was und wie es von Depressiven dargestellt wird, auch wenn es dem eigenen Verständnis mitunter zuwider läuft; dem Betroffenen eine feste Bezugsperson sein. Die emotionale Zuwendung sollte an keinerlei Bedingungen oder Leistungen gebunden sein.
  • Nicht nur das depressive Verhalten wahrnehmen, sondern auch positive Verhaltensweisen und Äußerungen gezielt aufgreifen und verstärken und damit ihr/sein Vertrauen in eigene Fähigkeiten stärken.
  • Gut gemeinte, aber dann doch oberflächliche "Versprechungen" vermeiden, die den ratlosen Kranken eher verunsichern wie: "Das vergeht schon wieder" oder "Du musst Dich nur zusammenreißen".
  • Ein ausreichendes Maß an Aufgaben mit dem Betreffenden festlegen, das nicht in Überforderung, vor allem aber nicht in Unterforderung münden darf. Auch kleine Erfolge positiv bewerten und diese verstärken. Wichtig sind überschaubare und erreichbare Zwischenziele.
  • Trotz allem können typische Ermüdungserscheinungen oder Einwände auftreten, die Angehörige und Freunde in ihrer Beharrlichkeit entmutigen. Aussagen wie etwa "Ich kann/will nicht mehr" dürfen nicht als Widerstand oder Faulheit abgetan werden, denn Erschöpfung, Kraft- und Mutlosigkeit sind typische Anzeichen der Krankheit selbst.
  • Geduld aufbringen, wenn man den Betroffenen aufheitern oder ablenken möchte, zum Beispiel durch gemeinsame Aktivitäten. Aber auch Reizüberflutung vermeiden und daran denken, dass der Heilungsprozess langwierig ist.
 

Depressionen: Was kann man selber tun?

Depressionen sind immer mit Ängsten verbunden, egal, ob man selbst dies merkt oder nicht. Und Menschen mit Ängsten denken verständlicherweise negativ. Deshalb sollte man sich bemühen, bestimtme Dinge auch wieder positiv zu sehen. Wenn man unter Depressionen leidet, sollte man außerdem so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen. Dabei ist die Suche nach einem fachkundigen Arzt/Therapeuten von entscheidender Bedeutung. Hilfe bei dieser Suche bieten das Berliner Bündnis gegen Depression" (ebenso wie die Bündnisse gegen Depression in andere Städten) und zum Beispiel auch der Lotsendienst der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krisendienst oder die Telefonseelsorge.

Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen gehören verschiedene Formen der Psychotherapie sowie Medikamente. Lassen Sie sich, wenn ihr Therapeut/ihre Therapeutin die Einnahme von Antidepressiva empfiehlt, nicht durch völlig überholte Behauptungen zum Beispiel über Suchtpotential oder Nebenwirkungen verunsichern. Moderne Antidepressiva sind wirksam. Allerdings ist die individuelle Wahl des richtigen Arzneimittels entscheidend. Deshalb ist es wichtig, einen Facharzt/eine Fachärztin (für Psychiatrie) zu Rate zu ziehen. Neben edikamenten stärkt vor allem körperliche Aktivität das Selbstwertgefühl und die Bereitschaft, sich seiner Angst und Depression zu stellen.

Am wichtigsten ist jedoch, dass Sie ihre eigene Krankheit akzeptieren.  Versuchen Sie aber trotzdem immer wieder, sich ihrer Stärken und der positiven Seiten ihres Lebens bewusst zu werden, auch wenn es Ihnen manchmal unmöglich erscheint. Tun Sie sich Gutes. Erhalten Sie Ihre Freundschaften. Lassen Sie sich von Freunden und Angehörigen zu Aktivitäten bewegen, die Ihnen früher Freude gemacht haben. Setzen Sie sich zum Ziel, besser mit belastenden Situationen umgehen und manchmal auch "nein" sagen zu können. Streben Sie an, wichtige Entscheidungen selbst zu treffen, aber tun Sie dies erst, wenn Sie sich wirklich wieder etwas besser und dazu in der Lage fühlen.