Tabak - Tödlich in jeder Form

Den aktuellsten Repräsentativbefragungen zum Tabakkonsum in Deutschland zufolge rauchten im Jahr 2003 rund 33 Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter von über 18 Jahren, der überwiegende Anteil davon täglich (74 Prozent).
Wissenschaftlich steht jedoch fest: Tabakprodukte sind die einzigen frei verfügbaren Handelsprodukte, die bei bestimmungsgemäßem Konsum in großem Maßstab zu Krankheit und Tod führen. Rauchen ist somit der wichtigste vermeidbare einzelne Risikofaktor für Krankheit und Tod. Zwar liegt Nichtrauchen mehr und mehr im Trend. Gründe sind das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Menschen und die inzwischen hohen Kosten, die das Rauchen verursacht. Auch Jugendliche entscheiden sich verstärkt dafür, nicht zu rauchen. Zwischen 2001 und 2005 ging die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen von 28 auf 20 Prozent zurück. Dennoch greifen immer noch viel zu viele Menschen zu den Glimmstängeln und gefährden damit sich selber und andere Menschen.
Gefahr: Passivrauchen
Passivrauchen ist gesundheitsschädlich und kann zu Erkrankungen und in der Folge sogar zu Todesfällen führen, diese Tatsachen sind inzwischen wissenschaftlich erwiesen.
Einer neuen Studie zufolge werden jährlich über 170 000 Neugeborene bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt, schätzungsweise über 8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. In der erwachsenen Bevölkerung werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit mit den Schadstoffen des Passivrauchs belastet. Allein am Arbeitsplatz sind noch immer etwa 8.5 Millionen Nichtraucher dem Passivrauch ausgesetzt.
Passivrauchen verursacht eine Reihe von akuten und chronischen Krankheiten. Passivrauch reizt akut die Atemwege und kann zu Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, erhöhter Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen. Diese Symptome können bereits bei kurzzeitiger Belastung auftreten. Jedoch ist Passivrauch auch mitverantwortlich für die Entwicklung chronischer Krankheiten mit Todesfolge, wie z. B. Lungenkrebs und die koronare Herzkrankheit.
Für Kinder ist das Passivrauchen aufgrund ihres noch unausgereiften Organismus besonders gefährlich. Kinder, die in einem Haushalt mit Rauchern aufwachsen, leiden häufiger als ihre in Nichtraucher-Haushalten wohnenden Altersgenossen an Atemwegserkrankungen.
Eine für viele sehr überraschende Tatsache ist die massive Feinstaubbelastung, die mit glimmenden Zigaretten einhergeht. In einem Experiment konnte gezeigt werden, dass diese sogar die Feinstaubemissionen eines Dieselmotors um ein Vielfaches übertreffen.
Wirksam: Rauchfreie öffentliche Einrichtungen
Im Gegensatz zu Deutschland bestehen in vielen anderen Ländern der europäischen Gemeinschaft oder der Europaregion der Weltgesundheitsorganisation rauchfreie Einrichtungen und zunehmend auch rauchfreie Gastronomie. Rund 80 Prozent der Nicht-Raucher, mehr als 70 Prozent der Ex-Raucher und 25 Prozent der aktiven Raucher sprechen sich für komplett rauchfreie Gaststätten in Deutschland aus. Insgesamt sind dies rund 60 Prozent der Bevölkerung. Dieses Ergebnis einer bundesweiten Repräsentativbefragung hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg im März bekannt gegeben.
Befragt wurden mehr als 2.000 Männer und Frauen ab 16 Jahren. Die gleichen Fragen wurden bereits ein Jahr zuvor im Auftrag der Dieter Mennekes Umweltstiftung in Zusammenarbeit mit der Nichtraucher Initiative Deutschland e.V. gestellt. Ein Vergleich der Ergebnisse beider Jahre macht laut DKFZ deutlich, dass in allen gesellschaftlichen Gruppen die Akzeptanz rauchfreier Gaststätten weiter ansteigt, zuletzt von 53 auf rund 60 Prozent. Deshalb sind auch keine Umsatzeinbußen zu erwarten, wenn Deutschland den Beispielen anderer europäischer Länder wie Italien, Spanien, Irland, England, Schottland und den skandinavischen Ländern folgen und rauchfreie Gaststätten ermöglichen würde.
Länger leben ohne Zigarette
"Das Rauchen aufzugeben zählt zu den einfachsten Dingen überhaupt - ich muss es wissen denn ich habe es tausend Mal getan." Mit Ironie kommentierte der Schriftsteller Mark Twain seine unzähligen vergeblichen Versuche, vom Rauchen loszukommen. Tatsächlich schaffen dies nur wenige Menschen ohne Unterstützung. Die Gründe sind u. a. in den Wirkungen des Nikotins zu finden:
- Nikotin führt zu einer Toleranzentwicklung (Dosissteigerung oder verminderte Wirkung).
- Es entsteht ein starker Wunsch oder Drang zum Rauchen, wird dieser nicht gestillt, so können sich Entzugserscheinungen einstellen.
- Der Rauchkonsum kann nicht in jeder Situation kontrolliert werden. Dies kann bis zur Vernachlässigung oder gar der Aufgabe von Aktivitäten zugunsten des Rauchens führen.
- Trotz des Wissens um die schädlichen Folgen des Rauchens wird weitergeraucht.
Killer Nummer eins
Rauchen stellt nach wie vor das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache frühzeitiger Sterblichkeit dar. Kein anderes Genussmittel und kein anderer Umweltschadstoff verursachen so viele Krankheits- und Todesfälle wie das Rauchen!
- Schon beim Rauchen von ein bis zehn Zigaretten täglich ist das Lungenkrebsrisiko im Vergleich zu Nichtrauchern zehnmal höher.
- Raucher sind außerdem gefährdeter, eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zu bekommen sowie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.
- Tabakabhängigkeit kann bereits nach kurzfristigem unregelmäßigem Rauchen entstehen, bereits im Kindes- und Jugendalter.
- Die Hälfte aller lebenslangen Raucher stirbt an den Folgen des Tabakkonsums.
- Im Durchschnitt verliert ein Raucher ca. 8 Jahre seines Lebens.
- Jedes Jahr sterben in Deutschland über 350 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.
- Rauchen während der Schwangerschaft kann zu Fehlgeburten und Säuglingen mit zu niedrigem Geburtsgewicht führen.
Aufhören – aber wie?
Es gibt also viele Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber allein der feste Wille des Noch-Rauchers reicht hier oftmals nicht aus. Mehr als 40 Prozent der deutschen Raucher haben bereits einen ernsthaften Aufhörversuch hinter sich, aber nur drei bis fünf Prozent schaffen es schließlich ohne Unterstützung. Die Entzugserscheinungen und das Verlangen nach Nikotin lassen die meisten scheitern. Häufigste Rückfallgründe aus Sicht der Betroffenen waren Stresssituationen und im Umfeld Rauchende. Nur etwa 5% gaben eine Entzugsproblematik als Rückfallursache an. Auch die häufig ins Feld geführte Gewichtszunahme hat als Rückfallursache keine bedeutende Rolle gespielt.
Um starken Rauchern den Nikotinentzug zu erleichtern, gibt es heute verschiedene Möglichkeiten. Wirksam erweisen sich bestimmte Formen von Selbsthilfematerialien, professionelle Beratung und Behandlung sowie pharmakologische Therapien.
Autor/Quelle: Quellen: BzGA, Deutsches Krebsforschungszentrum, WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
