Schizophrenie - Wenn die Sinne verrückt spielen

Ufos aus dem All, Arbeit für den Geheimdienst und Stimmen, die einen auffordern, das sinnlose Leben zu beenden: Das sind häufige Wahnideen. Doch wann kommt es zu einem Wahn und wie ausgeliefert ist man diesem?

Was ist ein Wahn?

"Du spinnst wohl" oder "Was Du Dir nur wieder zurechtreimst" sind nur zwei von vielen Redewendungen, die zum Ausdruck bringen sollen, dass der Gegenüber offensichtlich eine Situation anders wahrnimmt als man selbst. Doch die abweichende Wahrnehmung eines Sachverhalts bedeutet nicht automatisch, dass Wahnvorstellungen vorliegen: Nur im Wahn wird die Realität krankhaft und unkorrigierbar falsch beurteilt - ein Standpunktwechsel ("vielleicht ist meine Meinung nicht richtig"), der in der Diskussion zwischen gesunden Menschen möglich ist, wird unmöglich; der Wahn ist eine starre und inhaltlich falsche Überzeugung.

Definition der Wahnvorstellungen

Wahnvorstellungen gehören zu den Denkstörungen und sind häufig in eine komplexe, sich nur dem Erkrankten erschließende Wahnwirklichkeit gebettet. Diese Wahnwirklichkeit kann neben der eigentlichen Realität existieren oder das Denken des Erkrankten vollständig beherrschen. Im Wahn werden Personen, Erinnerungen, Ideen und Stimmungen falsch beurteilt und die Wahnwahrnehmung wird oft lebensbestimmend. Für den Betroffenen ist diese Wirklichkeit unkorrigierbar richtig – er ist nicht in der Lage, seine Vorstellungen kritisch zu hinterfragen. Das führt dazu, dass er in seinem Wahn isoliert wird, was wiederum die im Wahn auftretende krankhafte Ich-Bezogenheit unterstützt. Einem Wahn geht oft eine Wahnstimmung voraus, in der dem Betroffenen die Welt bedrohlich erscheint.

Schizophrenie: Wahnideen und Wahnsystem

Die Wahnwahrnehmung führt dazu, dass tagtägliche Begebenheiten "umgedeutet" werden. Wenn das mit Ereignissen aus früheren Zeiten passiert, spricht man von Wahnerinnerungen. Wahnideen, von denen die Arbeit für einen Geheimdienst eine der bekanntesten ist, werden in ein Wahnsystem eingebettet – die Wahnarbeit, die dabei geleistet wird, dient unter anderem der Erklärung aller Wahneinfälle (sog. Erklärungswahn). Häufige Themen für Wahnvorstellungen sind Verfolgungsgedanken, Schuld- und Versündigungsgedanken, eine massive Konzentration auf die eigene Person (Beziehungswahn, "alles passiert nur meinetwegen" und Beeinträchtigungswahn, "alles soll mir schaden") oder Liebe und Eifersucht.

Formen der Schizophrenie

Daneben gibt es den Größen- und umgekehrt den Kleinheits- oder Nichtigkeitswahn; weiterhin den Dermatozoenwahn, bei dem der Betroffene überzeugt ist, dass tierische Erreger durch seine Haut eingedrungen sind, und den Verarmungswahn. Einige Wahnthemen treten typischerweise bei bestimmten Erkrankungen auf - bei der Schizophrenie z.B. der Beziehungs-, der Beeinträchtigungs-, der Verfolgungs-, der Dermatozoen- und der Größenwahn. Um sich ein umfassenden Bild von der Ausprägung des Wahns zu machen, bedient sich der behandelnde Arzt des so genannten psychopathologischen Befundes. Der Betroffene ist meist nicht in der Lage, die Wahnvorstellungen wahrzunehmen, den Ablauf seiner Denkprozesse mit dem gesunder Lebensphasen zu vergleichen und die teilweise sehr belastenden Veränderungen zu benennen.

Wann treten Wahnvorstellungen auf?

Zwar treten Wahnideen auch bei Hirntumoren oder einer Hirninfektion, nach der Einnahme von Medikamenten oder Drogen auf, doch das sind eher seltene Ursachen. Der Eifersuchtswahn bei einer chronischen Alkoholabhängigkeit oder die wahnhafte Verkennung von Personen bei einer Demenz kommen ebenso vor wie wahnhafte Depressionen. Dort treten meist Wahninhalte auf, die gut zur depressiven Stimmungslage passen, wie Verarmungs- oder Versündigungswahn, hypochondrischer Wahn und Kleinheits- bzw. Nichtigkeitswahn. Hier ist also die zugrundeliegende Erkrankung die Ursache für den Wahn. Am häufigsten jedoch sind Wahnvorstellungen bei der Schizophrenie zu finden, einer der häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal an einer Schizophrenie zu erkranken, beträgt weltweit 1%.

Symptome bei Schizophrenie

Man spricht von einer Schizophrenie, wenn über mindestens einen Monat eins der folgenden Symptome besteht:

  • Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung (so genannte Ich-Störungen)
  • Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, Wahnwahrnehmungen (so genannte inhaltliche Denkstörungen)
  • kommentierende, dialogische oder andere Stimmen, die aus einem Teil des Körpers kommen (so genannte akustische Halluzinationen)
  • anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer (bizarrer) Wahn (z.B. das Wetter kontrollieren zu können oder in Kontakt mit Außerirdischen zu sein)
    oder zwei der folgenden Symptome:
  • anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität
  • Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Wortneubildungen führt (so genannte formale Denkstörungen)
  • Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit, Negativismus (es wird nach Aufforderung Gegenteiliges getan), Mutismus (Schweigen) und Stupor (so genannte katatone Symptome)
  • auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekt, zumeist mit sozialem Rückzug und verminderter sozialer Leistungsfähigkeit (so genannte "negative" Symptome)
  • sehr eindeutige und durchgängige Veränderungen bestimmter umfassender Aspekte des Verhaltens, die sich in Ziellosigkeit, Trägheit, einer "in sich selbst verlorenen Haltung" und sozialem Rückzug manifestiert
 
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