Sport bei Arthrose

Arthrose ist eine häufige Erkrankung des Alters. Doch auch immer mehr junge Menschen sind betroffen: Die Gelenke schmerzen, sind geschwollen und schränken die Bewegungsfähigkeit ein – deswegen vergeht den meisten Betroffenen schnell die Lust auf sportliche Betätigungen. Doch gerade bei Arthrose ist Sport wichtig: Denn mit den richtigen Sportarten können die Beschwerden bei Arthrose gelindert werden.

Arthrose: schleichender Gelenkverschleiß

Unser ganzes Leben lang beanspruchen wir unsere Gelenke. Treppensteigen, Gegenstände heben, Aufstehen, Hinsetzen – und unser eigenes Körpergewicht ist auch immer dabei. Da ist es verständlich, dass mit dem Alter Abnutzungserscheinungen auftreten. Der weiche Knorpel, der unsere Knochen umgibt, wird poröser und dünner, bis er schließlich gar nicht mehr da ist: Dann reibt Knochen auf Knochen. Dieser Vorgang bereitet Schmerzen und führt außerdem zu einem schleichenden Gelenkverschleiß, der Arthrose.

Die Arthrose gehört neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz zu den drei bedeutendsten Erkrankungen im Alter. Doch auch immer mehr junge Menschen sind betroffen: Ein Unfall, eine angeborene Fehlstellung, Übergewicht, Gelenkentzündungen sowie bestimmte Stoffwechselerkrankungen können Ursachen einer Arthrose darstellen.

Vor allem die großen Gelenke des Körpers wie Knie, Hüfte, Schulter, Ellenbogen und Handgelenk zeigen dann die für eine Arthrose typischen Symptome. Schmerzen und Funktionseinschränkungen führen dazu, dass Betroffene sich kaum noch bewegen oder sportlich aktiv werden. Doch genau das sollten sie tun: Denn Sport bei Arthrose lindert nicht nur die Symptome, sondern kann den Verschleiß im besten Fall sogar aufhalten.

Sport als Prävention bei Arthrose?

Wenn wir uns bewegen, produzieren unsere Gelenke eine Schmiersubstanz, die sogenannte Synovialflüssigkeit. Sie wirkt dämpfend, sozusagen als Gleitmittel, und sorgt so für eine reibungslose Beweglichkeit. Außerdem enthält sie Nährstoffe, die den Knorpel versorgen, und erhält diesen Schutzmantel der Gelenkflächen somit am Leben.

Durch regelmäßiges Training stärken wir auch unsere Muskeln und somit den Halteapparat, der unsere Gelenke umgibt und stabilisiert. Daher ist Sport wichtig, um Arthrose vorzubeugen. Doch auch bereits Erkrankten ist Sport auf jeden Fall zu empfehlen.

Sportarten bei Arthrose

Für Arthrose-Patienten ist jedoch nicht jede Sportart geeignet. Schnelles Anlaufen und Abstoppen, wie beispielsweise beim Tennis, sollten vermieden werden. Auch andere Ballsportarten sind generell nicht zu empfehlen, da hier oft schnelle Richtungsänderungen und abrupte Bewegungen nötig sind.

Bei Arthrose sollten die Gelenke mit wenig bis gar keinem Gewicht belastet werden, daher verbieten sich Sportarten wie zum Beispiel Skifahren oder übermäßiges Krafttraining. Allgemein lässt sich sagen, dass von Extremsport, Leistungssport und Wettkämpfen Abstand genommen werden sollte.

Schwimmen bei Arthrose

Schwimmen gilt als Allheilmittel gegen jede Form der Arthrose. Ob Knie-, Hüft-, Schulter- oder Sprunggelenksarthrose – durch die Schwerelosigkeit im Wasser werden die Gelenke entlastet und das Körpergewicht, das auf ihnen lastet, reduziert. Zusätzlich erfährt man bei Bewegung im Wasser einen angenehmen Massageeffekt und die Herzfrequenz wird durch den Wasserdruck gesenkt. Schwimmen fördert die Koordination, die Ausdauer und den Muskelaufbau. Letzterer wird durch den Wasserwiderstand noch verstärkt. Ideal bei Arthrose sind Kraul- und Rückenschwimmen. Denn bei einer Knie- oder Hüftgelenksarthrose belastet Brustschwimmen die Gelenke auf ungünstige Art und Weise.

Eine interessante Abwechslung zum Schwimmen bietet das Aquajogging. Durch diese Sportart verbrennt man circa 400 Kalorien in 30 Minuten und eine Gewichtsreduktion stellt sich bei Übergewicht somit schnell ein. Allerdings sollte man auf die richtige Technik achten:

  1. Bauch anspannen
  2. Ellenbogen-Beugung im 90 Grad Winkel
  3. aufrechte Haltung
  4. gegensinnige Arm- und Beinbewegungen

Radfahren bei Arthrose

Auf Platz zwei der besten Sportarten bei Arthrose steht das Radfahren: Sowohl Ausflüge mit dem Rad als auch das Radfahren auf dem Home-Trainer (Ergometer) sind gut geeignet. In beiden Fällen ist es extrem wichtig, das Rad individuell richtig einzustellen:

  • Beim aufrechten Sitzen auf dem Sattel sollte das gestreckte Bein das Pedal erreichen.
  • Der Lenker muss höher eingestellt sein als der Sattel.
  • Der Kontakt mit dem Pedal findet zwischen Ballen und Mittelfuß statt.
  • Bei Handarthrose hilft eine Griffgang- oder Tretlagerschaltung.
  • Der Kniewinkel sollte mehr als 90 Grad betragen. Dabei ist der Kniewinkel der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel, der erreicht wird, wenn man gerade beginnt das Pedal herunterzudrücken.

Außerdem sollte das Rad möglichst viele Gänge haben, damit man den Widerstand optimal an die jeweiligen Anforderungen anpassen kann. Generell sollte man beim Fahren die niedrigeren Gänge bevorzugen. Die Trittfrequenz liegt im Idealfall zwischen 80 und 100 Pedalumdrehungen pro Minute, wobei die Beine zu keinem Zeitpunkt ganz durchgedrückt sind. Für das Ergometer gilt das gleiche: Niedrige Wattzahl (25-50 Watt) bei hoher Trittfrequenz.

Joggen bei Arthrose

Prinzipiell ist bei Arthrose nichts gegen Joggen einzuwenden, wenn einige Punkte beachtet werden. Wichtigste Voraussetzung sind gut gedämpfte Schuhe, die das Gewicht abfedern. Denn beim schnelleren Laufen muten wir unseren Hüft-, Knie- und Fußgelenken das 2,5 – 3-fache unseres Körpergewichtes zu. Strecken, die bergauf oder -ab führen, sowie asphaltierte Wege sollten umgangen werden. Besser ist das Laufen auf einem ebenen Waldweg, denn dabei werden die Gelenke geschont.

Nordic Walking bei Arthrose

Besser als Joggen ist bei Arthrose Nordic Walking, denn bei dieser Sportart werden spezielle Stöcke zur Unterstützung eingesetzt. So wird das Körpergewicht verteilt und die Belastung ist nur halb so groß wie beim Joggen. Auch die Oberkörpermuskulatur wird gefordert, ein Vorteil, den das Nordic Walking gegenüber dem normalem Walken hat. Für Arthrose-Patienten ist es beim Nordic Walking besonders wichtig, auf die richtige Technik zu achten – die sogenannte ALFA-Technik:

  • A: aufrechte Haltung
  • L: langer Arm
  • F: flacher Stock
  • A: angepasste Schrittlänge

Medizinische Trainingstherapie bei Arthrose

Dieses Trainingsprogramm, das von einem Arzt überwacht wird, vereint mehrere Sportübungen in sich. Elemente aus dem Kraft- und Ausdauersport sowie Koordinations- und Dehnungsübungen finden unter professioneller Anleitung Anwendung. Der Körper wird in seiner Gesamtheit gefordert, denn der ganzheitliche Trainingsansatz berücksichtigt auch die individuelle Atmung und das Herz-Kreislauf-System. Als Faustregel für die ideale Pulsfrequenz gilt:

  • 180 minus Lebensalter

Die erlernten Bewegungsabläufe können auch gut zu Hause durchgeführt werden.

Weitere sinnvolle Sportarten bei Arthrose

Im Winter ist Ski-Langlauf für Arthrose-Patienten eine Option, da diese Sportart besonders viele Gelenke im Körper beansprucht. Wer statt im Freien lieber zu Hause trainieren möchte, sollte Gymnastik ausprobieren. Vorteil dieses Sports ist, dass keine Belastung auf die Gelenke ausgeübt wird, sondern die Bänder und Sehnen gedehnt werden. Dies wirkt sich positiv auf die Beweglichkeit aus und trägt auch zur Entspannung der Muskulatur bei. Eine Dehnübungseinheit sollte prinzipiell auch nach jedem anderen Training durchgeführt werden.

Allgemeine Tipps zum Sporttreiben bei Arthrose

Um effektiv zu trainieren und seinem Körper auch wirklich etwas Gutes zu tun, sollte ein sportliches Training individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Das bedeutet, dass das Pensum an die persönliche Kondition und den Trainingszustand angepasst werden muss. Denn Arthrose entsteht zwar unter anderem durch zu wenig Bewegung - unter Umständen aber auch durch zu viel.

Suchen Sie sich deswegen zu Beginn Übungen aus, die Ihnen leicht fallen. Auf diesen Übungen können Sie dann langsam aufbauen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Belastung nicht zu einseitig ist und am besten der ganze Körper in das Training einbezogen wird. Ganz wichtig ist, dass man beim Training schmerzfrei ist. Das heißt, dass man sich in Phasen, in denen die Beschwerden stärker sind, schonen sollte. Um eine gewisse Regelmäßigkeit zu erzielen, suchen Sie sich mindestens drei Tage in der Woche aus, die Sie zum Trainieren nutzen. Alternativ sind auch 30 Minuten pro Tag eine gute Lösung.

Das Training können Sie gut mit Ihrer Freizeitgestaltung kombinieren, denn Sport ist wohl die einzige Therapie gegen Arthrose, die Spaß machen kann. Falls Sie Probleme haben, sich alleine zu motivieren, suchen Sie sich eine Sportgruppe, denn zusammen fällt alles leichter. Durch Sport bei Arthrose können Sie selber etwas tun und im besten Fall sogar eine Operation vermeiden. Daneben können Sie auch anderen Erkrankungen durch ein regelmäßiges sportliches Training vorbeugen. Besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt und fangen Sie am besten noch heute mit dem Training an.