Schleudertrauma erkennen und behandeln

Wenn der Hintermann nicht mehr abbremsen kann und mit seinem Wagen auffährt, dann wirkt durch den Aufprall plötzlich eine starke Kraft auf die Nacken der Fahrzeuginsassen ein. Der Bereich der Halswirbelsäule (HWS) wird dabei kurzzeitig sehr stark überstreckt. Wie der Schlag einer Peitsche fährt der Nacken vor und zurück. "Eine solche, reine Weichteilverletzung an der Halswirbelsäule wird im Volksmund Schleudertrauma genannt", sagt Dr. Frank Reibe, Chirurg beim AOK-Bundesverband. "Diese Verletzung kann auch durch andere Unfälle, etwa beim Tauchen, passieren."
Folgen eines Schleudertraumas
Das akute Schleudertrauma (die medizinische Bezeichnung lautet: Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule) ist jedoch oft die Folge eines Auffahrunfalls. Die häufigsten Symptome dieser Zerrung der HWS sind Schmerzen im Nacken, Kopfschmerzen und Muskelsteifheit im Nackenbereich. "Diese Beschwerden treten oft erst nach einer kurzen beschwerdefreien Zeit auf", so Reibe. Normalerweise vergehen die Schmerzen und die Steifheit im Nacken nach wenigen Tagen oder Wochen. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass Nackenschmerzen ein paar Monate andauern. Nur wenige Patienten leiden jedoch unter Spätfolgen eines Schleudertraumas.
Ärztliche Untersuchung schafft Klarheit
Wer nach einem Unfall unter Übelkeit und Erbrechen, Schluckbeschwerden, Seh-, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen, starken Kopf- oder Nackenschmerzen, Schmerzen in Schultern oder Armen mit prickelndem oder schwerem Gefühl leidet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Auch wenn Unfallopfer bewusstlos werden oder sich an den Vorfall nicht erinnern können, muss eine ärztliche Untersuchung Klarheit schaffen.
Kühlung lindert die Schmerzen
Kühlung lindert die Schmerzen bei einem Schleudertrauma und lässt die Schwellung zurückgehen. Dr. Frank Reibe: "Legen Sie sich in den ersten 24 Stunden einen Eisbeutel auf die schmerzende Stelle. Kühlen Sie etwa 20 Minuten lang und machen Sie danach ein Pause. Am besten legen Sie sich auf den Rücken ins Bett mit einem Kissen und dem Eisbeutel unter dem Kopf. Vermeiden Sie jedoch den direkten Kontakt zwischen Haut und Eisbeutel, weil es sonst zu Erfrierungen kommen kann."
Gymnastik unter Anleitung
Helfen können auch Schmerzmittel, die jedoch nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden dürfen. Eine Ruhigstellung ist in der Regel nicht erforderlich. Gymnastische Übungen lockern zudem die verspannte Muskulatur. Diese Übungen sollten anfangs unter professioneller Anleitung erfolgen. "Der Patient sollte möglichst schnell zu den alltäglichen Aktivitäten zurückkehren und kann seine Genesung durch spezielle Übungen unterstützen", so AOK-Experte Reibe. "Wissenschaftliche Studien zeigten, dass Patienten mit einem Schleudertrauma weniger Schmerzen hatten, wenn sie sich bewegten, als jene Patienten, die eine so genannte Halskrause bekamen und sich längere Zeit schonten."
Kopfstütze richtig einstellen
Einem Schleudertrauma oder einer schwerwiegenderen HWS-Verletzung kann vorgebeugt werden. "Das Risiko schwerer Verletzungen verringert, wer seine Kopfstütze im Auto richtig einstellt. Das ist besonders für große Menschen wichtig", rät AOK-Experte Reibe. Die Kopfstützenoberkante muss mit der Schädeldecke abschließen. Der Abstand zum Kopf sollte etwa zwei Zentimeter betragen, daher sollte die Rückenlehne des Sitzes nicht zu weit nach hinten geneigt werden. Das Lenkrad muss mit leicht angewinkelten Armen gut erreicht werden können. Wenn das Lenkrad in 12-Uhr-Position angefasst wird, muss der Schulterkontakt zur Lehne erhalten bleiben. Ist die Kopfstütze beispielsweise zu tief eingestellt, kann der Fahrer einen Genickbruch erleiden.
Hoher Erklärungsbedarf
Richtig eingestellte Kopfstützen und angelegte Sicherheitsgurte – beides kann bei einem Unfall Leben retten. Doch in Sachen Kopfstütze besteht wohl noch ein hoher Erklärungsbedarf, wie Ergebnisse einer Zählung des Vereins Unfallopfer-Netz aus dem Jahr 2001 zeigen: Von 776 erfassten Fahrern hatten nur 1,55 Prozent die Kopfstützen in ihren Wagen richtig eingestellt. Gefährlich falsch eingestellt waren die Kopfstützen dagegen in mehr als der Hälfte der Autos.
Autor/Quelle: (psg)
