Risiko Nahrungsmittel - Wechselwirkungen mit Medikamenten

Eine Reihe von Medikamenten verträgt sich nicht mit bestimmten Nahrungsmitteln. Werden zum Beispiel Antibiotika gleichzeitig mit Milchprodukten eingenommen, verlieren sie an Wirkung. Mehr als 300 Arzneimittel können weniger effektiv oder sogar giftig werden, wenn sie mit gewissen Lebensmitteln zusammen eingenommen werden.

Jeder Deutsche schluckt durchschnittlich 1.250 Tabletten und andere Medikamente pro Jahr – und das fast immer, ohne darüber nachzudenken, womit er sie herunterschluckt, mal mit Milch, mal mit Kaffee, mal gar mit Bier und nicht selten zusammen mit einer kompletten Mahlzeit. Nach Angaben des deutschen Apothekerverbandes reagieren mehr als 315 Arzneistoffe auf Lebensmittel.

Diese Substanzen stecken in über 5.000 gängigen Medikamenten. Das bedeutet: bei 12,5 Prozent der Medikamente kann es in Verbindung mit Lebensmitteln zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Viel zu selten, so beklagt die AOK, geben Ärzte ihren Patienten zusammen mit dem Rezept auch Ernährungsempfehlungen, die bei der Einnahme des Medikaments zu beachten sind.

Häufige Wechselwirkungen

Meist jedoch ist die Wechselwirkung nicht allzu dramatisch, wenn man z.B. nur gelegentlich ein Kopfschmerzmittel schluckt. Als gefährdet gelten Patienten und chronisch Kranke, die bis zu zehn verschiedene Medikamente täglich verabreicht bekommen. Damit steigt das Risikopotenzial immens an, berichtet das unabhängige britische Committee on Toxicity.

Manchmal wirkt ein Medikament einfach nicht mehr so gut, wenn es zusammen mit bestimmten Nahrungsmitteln in den Körper gelangt. Gelegentlich blockieren Arzneien im Darm die Aufnahme von wichtigen Substanzen, wie beispielsweise Calcium, Fluor oder Jod. In seltenen Fällen drohen durch die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrung sogar Schlafstörungen und Herzrasen.

Hier sind die häufigsten Wirkungen der gebräuchlichsten Medikamente aufgelistet:

  • Antibiotika und Milchprodukte: Milch, Quark, Jogurt und Käse und Antibiotika passen nicht zusammen. Die wichtige Medikamentengruppe der tetrazyklischen Antibiotika wie Doxycyclin können mit dem Kalzium aus Milchprodukten Verbindungen eingehen, die der Körper nicht mehr aufschließen kann. Damit wird die Wirkung des Medikaments sozusagen ausgebremst. Kalziumhaltige Lebensmittel wie Milch und Joghurt & Co. sollten daher frühestens zwei Stunden nach der Einnahme dieser Antibiotika verzehrt werden.
  • Antibiotika und Koffein: Häufig werden bei Blasen- oder Niereninfektionen Antibiotika verschrieben, die Gryasehemmer enthalten. Mit Koffein, wie es in Kaffee, Cola oder Tee enthalten ist, kann es zu Erregungszuständen, Herzrasen und Schlafstörungen kommen, denn das Medikament hemmt den Abbau des Koffeins. Deshalb während der Einnahme lieber komplett auf Koffein verzichten.
  • Eisentabletten und Koffein: Medikamente gegen Blutarmut sind nutzlos, wenn sie zusammen mit Kaffee oder Tee geschluckt werden. Die Gerbsäure der Getränke bindet die Eisenionen im Magen an sich. So wird das Eisen ausgeschieden, statt über die Darmwand im Blutkreislauf zu landen. Schwangere z.B., die ihr Eisenpräparat zum Frühstück zu sich nehmen, sollten mindestens zwei Stunden vor und nach der Einnahme der Tabletten keinen Tee oder Kaffee trinken.
  • Grapefruitsaft und Schmerzmittel, Schlafmittel, Antihistaminika, Bluthochdruckmittel: Ganz verzichten sollte man bei der Einnahme von Medikamenten auf Grapefruitsaft, auch wenn einige der Symptome eher selten sind. Die in ihm enthaltenen Flavonoide, das sind die in den Pflanzen enthaltenen Farbstoffe, verstärken die Wirkung zahlreicher Medikamente um rund 30 Prozent und können z.B. Bluthochdruck auslösen. Dies gilt auch für Bitterorangen, die in manchen Orangenkonfitüren und -marmeladen enthalten sind. Vorsicht ist besonders bei Herztabletten mit dem Wirkstoff Nifedipin geboten. Zusammen mit Pampelmuse drohen Blutdruckabfall, Herzrasen und Kopfschmerz. In Kombination mit Schmerzmitteln kann das Herz aus dem Takt geraten: Herzrhythmusstörungen sind die Folge. Zusammen mit Schlafmitteln kann es zu vollrauschartigen Symptomen kommen. Einige Antihistaminika führen in Kombination mit Grapefruit im schlimmsten Fall ebenfalls zu Herz-Rhythmus-Störungen.
  • Lakritze und Diuretika: Diuretika sind Mittel, die den Körper entwässern. Dabei schwemmen sie gleichzeitig Vitamine und Mineralstoffe aus. Nehmen Lakritzliebhaber entwässernde Arzneien über einen längeren Zeitraum, kommt es zu einem verstärkten Kaliumverlust. Die Symptome: Muskelschwäche, Schläfrigkeit, schwächere Reflexe und ein erhöhter Blutdruck.
  • Asthmamittel mit Theophyllin und schwarzer Pfeffer: Der Pharmahersteller Madaus warnt: Wer gerne mit schwarzem Pfeffer scharf würzt, sollte besonders vorsichtig sein, denn das darin enthaltene Piperin hemmt den Abbau von Theophyllin, das hauptsächlich bei schwerem Asthma bronchiale verordnet wird. Eine Studie fand nämlich heraus, dass Piperin den Theophyllinspiegel erhöhen kann. Diese Patienten sollten ebenfalls auf tanninhaltige Lebensmittel oder Arzneimittel verzichten. Tanninhaltig sind z.B. Schwarztee, Grüntee, Walnuss, Himbeere, Eiche und Hamamelis.
  • Antidepressiva und Wein bzw. Käse: Antidepressiva enthalten häufig sogenannte MAO-Hemmer. Diese hemmen das Enzym Monoaminoxidase (MAO), das bestimmte Botenstoffe abbaut. MAO-Hemmer erhöhen auf diese Weise vereinfacht gesagt die Konzentration verschiedener Botenstoffe im Gehirn: So sorgen sie dafür, dass mehr der glücklich machenden Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn zur Verfügung stehen. Die Stimmungsaufheller geraten in Konflikt mit protein- und tyraminhaltigen Lebensmitteln, die längere Zeit lagern. Dazu gehören auch Sauerkraut, Käse, weiße Bohnen sowie Salzheringe. Das Eiweißprodukt Tyramin kann im Körper während der Einnahme nicht abgebaut werden, da das für diesen Prozess unentbehrliche Enzym nicht wirkt. Werden nun Käse und Wein – besonders Chianti - zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen, kann dies lebensgefährliche Bluthochdruckkrisen und Hirnblutungen auslösen. Als möglicherweise gefährlich gelten auch Bananen und Ananas, Muskatnuss, Feigen, Rosinen, Joghurt, Soja-Soße und Sauerkraut.

Unproblematisch: Blutgerinnungshemmer und grünblättriges Gemüse

Als unproblematisch gelten nach neueren Untersuchungen und entgegen vieler Informationen häufig verordnete Mittel zur Blutverdünnung, sogenannte Antikoagulantien wie Marcumar, um zum Beispiel einer Thrombose vorzubeugen. Vitamin K ist in grünblättrigem Gemüse (Kohl, Spinat, Kohlrabi, Kopfsalat, Sauerkraut ) sowie in Leber, Fleisch und Ei enthalten.

Solche Vitamin-K-haltigen Lebensmittel braucht man nicht zu meiden, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): "In einer Reihe von klinischen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass selbst durch Verzehr größerer Mengen an Vitamin-K-reichen Lebensmitteln der Quick-Wert nicht oder nur unwesentlich beeinflusst wird. Für Patienten unter Antikoagulationstherapie mit Vitamin-K-Antagonisten gibt es daher keinen Grund, auf Vitamin-K-reiche Lebensmittel, wie Leber, Spinat, Brokkoli, Weiß-, Rot-, Grün- und Blumenkohl, zu verzichten."

Sinnvoll aber ist es auf entsprechende Multivitaminpräparate zu verzichten bzw. deren Einnahme ist mit dem behandelnden Arzt zu klären.

Tipps zur Einnahme vom Arzneimitteln

Auf den Beipackzetteln finden sich die Hinweise, wann die Medikamente eingenommen werden sollen. Heißt es "Einnahme vor dem Essen", dann sollte die Arznei 60 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden. "Einnahme während des Essens" bedeutet, Einnahme innerhalb von fünf Minuten nach der Mahlzeit. "Einnahme nach dem Essen": zwischen Mahlzeit und Einnahme sollte ein Abstand von 30 bis 60 Minuten liegen.

Medikamente sollten immer mit ausreichend Flüssigkeit, am besten reinem Wasser, eingenommen werden. Alkoholische Getränke sollte man grundsätzlich meiden, wenn man Medikamente verordnet bekommen hat. Bei Beruhigungsmitteln oder Blutdruckmedikamenten kann die Wirkung verstärkt werden: Alkohol fördert auch die Aufnahme der Medikamente und erhöht deren Wirksamkeit. Warnhinweise auf den Arzneimittel-Beipackzetteln sind daher unbedingt zu beachten, da z.B. das Reaktionsvermögen schon bei geringem Alkoholkonsum stark reduziert sein kann.

Fruchtsäfte und Limonaden trink man am besten erst eine halbe Stunde nach Medikamenteneinnahme. Bei Antibiotika sollten zwischen Einnahme und dem Genuss von Milch mindestens zwei Stunden liegen. Auch bei Eisenpräparaten sollten weder Milch, Sahne, noch Rhabarber oder eiweißreiche Produkte verzehrt werden.

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Fragen Sie den Arzt oder Apotheker

Die meisten Menschen müssen sich allerdings kaum bei ihrer Diät umstellen, wenn sie Arzneimittel einnehmen, bilanziert der Bericht des Committee on Toxicity. Zahlreiche Wechselwirkungen wie etwa die verminderte Wirkung von Antibiotika bei gleichzeitigem Genuss von Milchprodukten sind auf den meisten Gebrauchsanweisungen der Medikamente beschrieben.

Die Experten raten jedoch dringend, vor dem Einnehmen von Arzneimitteln die Gebrauchsinformationen unter dem Stichwort "Wechselwirkungen" genau zu lesen. Im Zweifel sollte vor allem bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten der Apotheker konsultiert werden. Ärzte sollten sich genau über die Ernährungsgewohnheiten ihrer Patienten informieren, ehe sie Arzneimittel verschreiben.