Aloe Vera mobilisiert Abwehrkräfte

Aloe Vera - ein uraltes Naturheilmittel ist seit einigen Jahren zu größtem Ruhm gelangt. Mittlerweile enthalten viele medizinische und kosmetische Produkte Aloe Vera. Äußerlich wie innerlich wird Aloe Vera zur Nahrungsergänzung eingesetzt und ihr werden wahre Heilkräfte zugesprochen: Immunstärkend und schmerzlindernd soll sie sein, ein Balsam für den dünnhäutigen umweltbelasteten Menschen. Was ist dran am Mythos dieser Wunderpflanze?

Aloe Vera - die Wüstenlilie

Die Pflanze Aloe Vera ist zäh und wenig biegsam, ihre Blätter sind von einer Wachsschicht umhüllt und haben sich am Rand mit dünnen Dornen wie mit Zähnen bewaffnet. Die Pflanze ist unauffällig und nicht gerade schön, so als wollte sie ihr Wesen nicht leichtfertig preisgeben. Sie erinnert an eine Kaktuspflanze, sieht aus wie eine Agave und doch gehört sie zur Familie der Liliengewächse - genau wie Zwiebel oder Knoblauch.

Aloe Vera stammt aus den subtropischen Wüstenregionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, wo sie in den Tausenden von Jahren ihrer Entwicklung gelernt hat, ihr kostbares Inneres vor Umwelteinflüssen zu schützen. Die Pflanze bildet ihre Nährstoffe selbst und speichert das Wasser, das sie zum Überleben braucht. Von den etwa 300 Pflanzenarten gilt die "Aloe Vera barbadensis miller" als die wirkungsvollste. Als Aloe Vera wird neben der gesamten Pflanze übrigens auch das gelartige Innere der Pflanze bezeichnet.

Wirkstoffe von Aloe Vera

Die gut geschützten Wirkstoffe der Pflanze liegen im Blattinnern, eingebettet in ein Gel, das zum großen Teil aus Wasser besteht. Der wichtigste Wirkstoff ist das Polysaccharid Acemannan. Es ist eine langkettige Zuckerform, ein lebensnotwendiges Kohlenhydrat - auch für den Menschen. Der produziert Acemannan nämlich nur bis zur Pubertät, danach muss es über die Nahrung zugeführt werden.

Acemannan wird in die Zellmembranen eingelagert und stärkt den gesamten Organismus gegen Parasiten wie Pilze, Bakterien und Viren. Es ist immunstärkend, denn es aktiviert und stimuliert die für die Abwehr zuständigen Zellen. Durch Aloe Vera wird die Anzahl der T-Killerzellen, der Monozyten, Lymphozyten und der roten Blutzellen vermehrt und ihre Aktivität wird gesteigert.

Aloe Vera: Wirkung und Anwendung

Das Blattmark der Aloe Vera enthält an die 200 Wirkstoffe, darunter zahlreiche Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe, Aminosäuren, ätherische Öle sowie die schmerzstillende Salicylsäure. Das zähflüssige, schleimige Gel aus dem Frischblatt wird sehr schnell von der Haut aufgenommen. Es kühlt Sonnenbrand und Insektenstiche und heilt dank seiner antibakteriellen Wirkung Wunden, was schon die Krieger der Antike wussten. Das Gel der Aloe Vera soll zudem bei Strahlenschäden durch Radiotherapie bei der Zellerneuerung helfen.

Als Lebensmittel wird der Wüstenlilie eine positive Beeinflussung vieler Zivilisationskrankheiten nachgesagt: Aloe Vera soll bei Verdauungsstörungen, Allergien, Asthma, Pilzerkrankungen und Diabetes wirken. Zudem wird sie in der Krebs und AIDS-Therapie als Nahrungsmittelergänzung eingesetzt, weil sie die Abwehrkräfte mobilisieren soll. Außerdem soll sie die Darmflora regenerieren, das stärkste Abwehrorgan des Menschen überhaupt.

Nebenwirkungen von Aloe Vera

Ist Aloe Vera also ein Wundermittel? Aus pharmazeutischer Sicht sieht das Ganze ein wenig anders aus. Denn in der Blattrinde der Wüstenlilie ist Aloin enthalten, ein bitterer Stoff, den die Pflanze zum Schutz einsetzt und der eine abführende Wirkung hat. Eine Überdosis Aloin kann schwerwiegende Folgen haben.

Eine Dokumentation zu unerwünschten Wirkungen ist auf den Internetseiten der amerikanischen Lebensmittel- und Gesundheitsbehörde FDA zu finden. Hier werden etwa 30 Fälle aufgelistet, bei denen im Zusammenhang mit Aloe Vera schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind. Dazu zählen u.a. Blutdruckschwankungen und Panikattacken. In Kombination mit anderen pflanzlichen Bestandteilen und Vitaminen wurden außerdem Nebenwirkungen wie Pankreatitis - eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse - und Nierenversagen beobachtet.

Aloe Vera wird als Wunderwaffe gegen Krankheiten gehandelt, doch den Versprechungen sollte man besonders bei ernsten Erkrankungen mit Skepsis begegnen. Im Tierversuch konnten die heilenden Wirkungen der Aloe Vera zwar mehrfach nachgewiesen werden, verschiedene klinische Anwendungen am Menschen belegen bislang aber lediglich eine positive Wirkung bei Hautkrankheiten. Dies gilt vor allem bei Sonnenbrand und Verletzungen der Haut.

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Produkte im Handel mit Aloe Vera

Der Mythos Aloe Vera ist in der Menschheitsgeschichte fest verankert, schon die Ägypter schätzten die Pflanze als Schönheitsmittel und setzten das Gel in Salben und Ölen ein. Seit einigen Jahren blüht der Handel mit Aloe-Vera-Produkten auch in Deutschland, mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Zahl von Anbietern auf dem Markt.

Die heilsamen Wirkstoffe des Aloe-Vera-Gels erhält man am ehesten aus dem Frischblatt, das man mittlerweile in Deutschland bei verschiedenen Anbietern kaufen kann. Kühl gelagert hält es sich ohne Probleme einige Monate: Bei Bedarf schneidet man sich ein Stück des Blattes ab, filetiert das Mark vorsichtig heraus und vermischt es z.B. mit Obst püriert in Fruchtsäften. In dieser Form bleiben die Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe zu 100 Prozent erhalten. Fertige Aloe-Vera-Produkte wie Salben oder Säfte deklarieren zwar oft "100 Prozent Aloe Vera" - doch diese Angabe bietet keine Informationen darüber, ob das Blattgel getrocknet, zu Pulver verarbeitet oder als Konzentrat hinzugefügt wurde.

Die Etiketten der Aloe-Vera-Produkte sollten alle Inhaltsstoffe vollständig erläutern, bei einem Hinweis auf den Zusatz "Wasser" (lat. "aqua") handelt es sich um ein Extrakt. Zusatzstoffe und Konservierungsmittel sollten in den Produkten möglichst nicht enthalten sein. Viele Produkte haben ein Gütesiegel des International Aloe Science Council (IASC), das die Reinheit und Menge des in jedem Produkt enthaltenen Aloe-Vera-Gels untersucht.