Estragon - der "Kleine Drache"

Der mit dem gemeinen Beifuß und dem Wermut verwandte Estragon (Artemisia dracunculus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, vermutlich stammt er aus Sibirien, Nordamerika und China. Ab dem frühen Mittelalter würzten auch die Araber ihre Speisen mit Estragon. Wahrscheinlich liegt der Ursprung der Bezeichnung "Estragon" in einem Lehnwort aus der griechischen Sprache, hier bedeutet drakon "Drache" oder "Schlange". Auch die botanische Benennung des Estragons in Form des lateinischen "dracunculus" (kleiner Drache) weist darauf hin. Anscheinend wurde der Estragon dank seines verschlungen wachsenden Wurzelstocks mit Drachen assoziiert. 

 

Anbau von Estragon

Im Garten liebt Estragon einen sonnigen bis halbschattigen Platz in einem humusreichen, feuchten Boden. Der Russische Estragon kann im April ausgesät werden, der Deutsche Estragon wird durch Wurzelausläufer vermehrt. An den verästelten Stängeln wachsen schmale, längliche Blätter. Im Juli erscheinen die rispenförmigen Blütenstände mit kleinen, grün-gelben Blütenköpfchen. Der Geschmack und Geruch der Pflanze erinnert an Anis, Fenchel und Süßdolde oder Süßholz. Der Russische Estragon hingegen ist fast geruchlos und schmeckt leicht herb. Leider ist der Russische Estragon die einzige Sorte, welche winterhart ist und durch Samen vermehrt werden kann, weshalb er  in Gärtnereien bevorzugt angeboten wird.

 

Estragon: Wirkstoffe

Solange die Blütenknospen noch geschlossen sind, werden die oberen Zweige des Estragons abgeschnitten und zum Trocknen aufgehängt. Estragon wird heute überwiegend als Würzmittel genutzt, denn in der Schulmedizin wird er nicht mehr zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Dies ist auf den Inhaltsstoff  Estragol zurückzuführen, von dem man vermutet, dass er erbgutschädigend und krebserzeugend ist. In der Volksheilkunde findet Estragon aber weiterhin Anwendung. Estragol ist im Estragon zusammen mit Anethol für den unverwechselbaren, anisartigen Geschmack verantwortlich. Insgesamt enthält der Deutsche bzw. Französische Estragon drei Prozent ätherische Öle, außer den bereits erwähnten noch Terpene wie Ocimen und Terpineol. Daneben sind im Estragon auch noch Zimtsäurederivate, Phellandren, Pinen, Camphen, Eugenol und Limonen vorhanden. Im Russischen Estragon sind dagegen nur ein Prozent ätherische Öle enthalten. Das Estragol fehlt hier völlig, dafür kommen  Sabinen und Elemicin sowie Ocimen- und Eugenolderivate vor. Für den herben Geschmack des Estragons sind Flavonoide wie Quercetin oder Patuletin verantwortlich.

 

Die Heilwirkung des Estragons

In der Volksheilkunde wird Estragon eine heilende Wirkung auf die Verdauung nachgesagt. Da er viele Bitterstoffe enthält, die die Produktion von Magensaft anregen, hilft er die Verdauung zu stärken. Deswegen ist er bei den verschiedensten Verdauungsproblemen wie beispielsweise Blähungen oder Darmstörungen hilfreich. Darüber hinaus hat das Gewürz auch eine lindernde Wirkung bei Magenkrämpfen, da Estragon krampflösend wirkt. Außerdem wirken die ätherischen Öle des Estragon erwärmend und durchblutungsfördernd, wenn sie äußerlich aufgetragen werden. So kann Estragon gemeinsam mit anderen Ölen auch Abhilfe bei rheumatischen Schmerzen schaffen. Darüber hinaus sollten nach mittelalterlichem Aberglauben  auch Schlangenbisse mittels Estragon geheilt werden. Diese Theorie hat sich jedoch nicht bestätigt. Deutsche Bezeichnungen für Estragon wie zum Beispiel Schlangenkraut erinnern aber noch an diese Funktion.

 

Estragon als Küchenkraut

Die jungen Triebe des Estragons können sparsam dosiert zur Aromatisierung von Essig und Senf verwendet werden. Darüber hinaus eignen sie sich auch zum Würzen von Geflügel, Kartoffel- und Nudelgerichten, Reis, gekochtem Fisch und eingelegten Gurken. In Salaten kommt der bekannte Estragon-Essig zur Anwendung. Estragon ist außerdem zur Verfeinerung vieler Soßen unentbehrlich. So verfeinert er in der französischen Küche zum Beispiel den Geschmack der Sauce Bérnaise, Sauce Hollandaise und der Vinaigrette.