Ginseng: Die kraftspendende Wurzel stärkt Abwehrkräfte

Ginseng gehört mit zu den beliebtesten frei verkäuflichen Arzneiprodukten auf rein pflanzlicher Basis. Erstaunlich lang ist die Liste der guten Wirkungen, die dem Mittel zugeschrieben werden: die Ginseng-Wurzel steigert die Leistung und Konzentration, hilft bei Diabetes, Stress, Müdigkeit und Schwächezuständen, lindert Altersbeschwerden, unterstützt Herz, Kreislauf und Abwehrkräfte. Aber steigert sie auch die Potenz, wie vielfach angepriesen wird?
"Jen-Shen" sagen die Chinesen respektvoll, wenn sie von Ginseng sprechen. Dies bedeutet soviel wie Menschenwurzel, und das nicht nur, weil Ginseng mit viel Phantasie an eine Menschengestalt erinnert. In Asien, wo Ginseng seit über 2000 Jahren kultiviert wird, erzählt man, dass die Ginseng-Wurzel tief unter der Erde schlummert und auf den richtigen Moment wartet, um sich dem Menschen zu zeigen und ihre Hilfe anzubieten. Einst, so eine Sage, lebte ein großer Geist allein auf einem Berg, der die Sorgen und die Krankheiten der Menschen lindern wollte. So schickte er den Menschen einen Knaben, der die Gestalt einer Wurzel annahm. Dies sei der Grund für die menschenähnliche Form der Ginsengwurzel. Wer sie aß, lebte ein langes, glückliches und gesundes Leben.
Wirkungen und Nebenwirkungen
Professor Reinhard Saller von der Abteilung Naturheilkunde und Komplementärmedizin an der Universität Zürich probierte unterschiedliche Naturheilmittel selber aus, so auch Ginseng. Die Ginseng-Wurzel sieht er als eine Art leichtes "Doping-Mittel zur Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit". Er empfiehlt es vor allem Patienten in der Rekonvaleszenz. Professor Saller weist auch auf neuere Untersuchungen im Zusammenhang mit Krebs in Tierversuchen hin – mit vielversprechenden Ergebnissen: Krebszellen wurden reduziert und die Lebenszeit der Tiere verlängert. Auch gegen Virusinfektionen scheint Ginseng zumindest im Tierversuch zu wirken.
Tests an Sportlern zeigten, dass maximale Sauerstoffaufnahme, maximaler Sauerstoffpuls, Höchstleistung und Regenerationsgeschwindigkeit durch Ginseng erheblich gesteigert wurden.
Die Hauptwirkstoffe des Ginseng sind die Ginsenoside: sie gehören chemisch gesehen zu der Stoffgruppe der Saponine. Saponine wiederum haben eine ähnliche Funktion wie Seifen, denn sie "putzen" den Körper von innen. Das ist für die Pflanzen wie für Menschen ein wichtiger Schutz gegen Infektionen. Hinzu kommen Vitamine und Mineralstoffe, die sich positiv auf das menschliche Leistungsvermögen und den Organismus auswirken.
Ginseng-Fertigpräparate sind sehr unterschiedlich in der Zusammensetzung
Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest stellte sich heraus, dass die meisten Ginsengpräparate nur wenig Ginsenoside enthalten. Ihr Gehalt an den in Deutschland angebotenen Produkten liegt zwischen 0,05 und 15 Prozent pro 100 Gramm Trockenwurzel. Soll Ginseng jedoch für medizinische Zwecke verwendet werden, schreibt das Deutsche Arzneibuch (DAB) einen Mindestwirkstoffgehalt von 1,5 Prozent Ginsenosiden pro 100 Gramm Trockenwurzel vor. Dieser Wert ist sehr niedrig angesetzt und wird von hochwertigen Produkten, die es vor allem in Apotheken zu kaufen gibt, immer überschritten. Ideal sind laut dem DAB 15-30 Milligramm Ginsenoside täglich. Hochwertiger Ginseng sollte frei von Alkohol, Farb- oder Aromastoffen sein. Zugefügte Vitamine oder Mineralstoffe sind überflüssig.
Die Stiftung Warentest empfiehlt, nicht mehr als 400 Milligramm reinen Ginsengextrakt, als Tee, Dragees oder Saft, am Tag zu sich zu nehmen, dann spürt man keine Nebenwirkungen. Bei deutlich höheren Dosen jedoch kann man nervös und übererregbar reagieren und es drohen Schlafstörungen. Kombiniert mit Koffein lässt Ginseng sogar den Blutdruck steigen.
Ginseng bei Diabetes
War bisher nur die medizinische Wirksamkeit der Ginseng-Wurzel bekannt, gibt es interessante neuere Erkenntnisse: Sogar ihre Beeren können bei Diabetes helfen und möglicherweise auch noch, Übergewicht abzubauen. Das Magazin "Diabetes" berichtete bereits 2002 über Versuche von amerikanischen Forschern von der Universität Chicago an Mäusen. Sie spritzen den Tieren, die aufgrund eines Gendefektes an Diabetes und Übergewicht litten, einen Extrakt aus Ginsengbeeren. Der Blutzuckerspiegel der Mäuse, der wie bei unbehandelten Diabetikern erhöht war, sank bei den Tieren auf normale Werte. Gleichzeitig waren die Mäuse deutlich aktiver und weniger hungrig als nicht behandelte Tiere. Der Wirkstoff, der den Blutzuckerspiegel bei Diabetes senkt, nicht aber auch das Übergewicht reduziert, wurde bereits isoliert. Weitere Versuche an "Ginsenosid Re" sollen durchgeführt werden.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich über Ginseng nur Gutes berichten: er wirkt sich positiv auf die Antriebskraft aus, steigert Konzentration und stärkt die Immunabwehr. Potenzsteigerungen, wie häufig angepriesen, konnten bisher nicht nachgewiesen werden.
Autor/Quelle: bo
