Majoran - der "anspruchsvollere Bruder" des Oreganos

Obwohl Majoran (Origanum majorana) zur gleichen Gattung wie der Oregano gehört, gibt es erhebliche Unterschiede im Gebrauch dieser beiden Kräuter. Der aromatisch-süße, wohlriechende Geruch und Geschmack des Majorans steht im starken Kontrast zum eher herben Aroma des als "Pizzagewürz" bekannten Oreganos.Der ursprünglich aus Vorderindien stammende Majoran wurde von den Arabern in die Mittelmeerregion gebracht und war dort bei den alten Griechen neben Thymian und Rosmarin der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Ab dem späten Mittelalter war dieses Kraut auch in den Klostergärten Mitteleuropas bekannt, doch konnte sich der Majoran nördlich der Alpen wegen des kälteren Klimas nie einbürgern, denn er ist nicht frostresistent. Daher wird Majoran in unseren Gärten nur als einjährige Pflanze genutzt, während er in wärmeren Ländern mehrjährig und weitaus aromatischer ist.
Majoran wird bis zu einem halben Meter hoch und trägt an seinen verzweigten, vierkantigen Ästchen spatelförmige, kleine, flaumig behaarte Blätter. Ab Juni sind die blass-lila bis weißen Blüten als kugelig zusammengedrängte Blütenstände in den Blattachseln des Majorans zu finden.
Dieses Kraut stellt in unseren Gärten hohe Ansprüche an Klima und Bodenbeschaffenheit. Erst ab Mai können die Samen an sonnigen, geschützten Stellen ausgesät werden. Die Erde sollte locker, humos- und nährstoffreich sein. Majoran verträgt sich nicht mit anderen Lippenblütlern und muss wegen der Unverträglichkeit mit sich selbst im Folgejahr an einen anderen Standort gepflanzt werden.

Wirkstoffe und Heilwirkung von Majoran

Die ganze oberirdische Pflanze sollte als Heilpflanze am besten kurz vor der Blüte geerntet und vorsichtig getrocknet werden. Je sonniger und wärmer eine Majoranpflanze steht, umso mehr ätherische Öle kann die frische Pflanze enthalten (0,7 bis 3,5%). Als weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Glycoside und Ascorbinsäure bekannt.
Obwohl das Bundesgesundheitsamt vor einer Anwendung des Majorans warnt, gibt es noch einige Ärzte, die Majoran bei Magen-, Darm- und Gallebeschwerden verordnen. Weiterhin soll dieses Kraut bei Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Blähungen und Durchfallerkrankungen helfen.

Anwendung und Herstellung der Majoransalbe

Die schon von alters her bekannte Majoransalbe kann als Schnupfensalbe, bei Nervenschmerzen, Wunden, Verrenkungen und Geschwüren verwendet werden. Falls wegen der zu hohen Trinkmenge bei Säuglingen nicht auf Fenchel- oder Kümmeltee zurückgegriffen werden soll, kann gegen Magendruck und Blähungen die Nabelgegend mit einer Majoransalbe eingerieben werden.
Majoransalbe ist in der Apotheke vorrätig, doch weisen Kräuterkundige der selbst hergestellten Salbe eine größere Wirksamkeit zu. Zur Herstellung der Salbe wird 1 Teelöffel gepulverter Majoran mit 1 Teelöffel Weingeist übergossen und einige Stunden stehen gelassen. Danach gibt man 1 Teelöffel ungesalzene Butter hinzu und erwärmt dieses Gemisch in einem Wasserbad für etwa 10 Minuten. Zuletzt wird alles durch ein Tuch geseiht und abgekühlt. Wegen der geringen Haltbarkeit sollte man jedoch nur eine kleine Menge dieser Salbe herstellen.

Majoran als Küchenkraut

Obwohl Majoran im getrockneten Zustand erheblich an Würze verliert, sollte man es trotzdem sparsam dosieren. Aufgrund seiner verdauungsfördernden Wirkung wird Majoran bei fetten Speisen empfohlen, aber auch Kartoffel- und Gemüsegerichte schmecken mit Majoran hervorragend. Der deutsche Name "Wurstkraut" weist darauf hin, dass Majoran eine gängige Gewürzmischung für Würste darstellt. Gemeinsam mit Wacholder eignet sich Majoran gut zum Würzen von Fleisch- und Wildragouts.