Was blockiert ein Beta-Blocker?

Bluthochdruck - Hypertonie, wie der Mediziner sagt - ist der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfall, Herzschwäche und Herzinfarkt. Derzeit leiden in Deutschland mehr als 25 Millionen Menschen unter Bluthochdruck. Nach Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Blutdruck-Werte von 140/90 mmHg als normal. Höhere Werte müssen behandelt werden. Dabei hängt die Behandlung von der Schwere des Hochdrucks wie auch von Alter des Betroffenen ab.

Ein leichter Bluthochdruck muss nicht gleich mit Medikamenten behandelt werden. Oft reicht es aus, die Lebensweise zu ändern:

  • Normalgewicht anstreben
  • den Alkoholkonsum einschränken
  • Kochsalz durch Gewürze und Kräuter ersetzen
  • Rauchen einstellen
  • für mehr körperliche Bewegung sorgen

Schlüssel-Schloss-Prinzip

Wenn eine medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks nötig ist, werden unter anderem so genannte Beta-Blocker eingesetzt. Ihre Bezeichnung leiten die Beta-Blocker von den Beta-Rezeptoren ab. Man kann sich diese Rezeptoren gut als "Andockstellen" für Hormone und andere "Botenstoffe" an den Zellen vorstellen. Sie funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Jeder Rezeptor ist ein Schloss, das mit bestimmten "Schlüsseln", also bestimmten Hormonen, aufgeschlossen werden kann. Die Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin, die zum Beispiel bei Stress vermehrt im Körper zu finden sind, erhöhen den Blutdruck über zwei Mechanismen:

Am Herzen binden sie Beta-1-Rezeptoren und bewirken dort eine Erhöhung der Herzfrequenz und der Schlagkraft des Herzens. So kann das Herz in kürzerer Zeit mehr Blut in den Kreislauf pumpen, wodurch der Körper in der Stresssituation mehr Leistung erbringen kann. Dies erhöht den Blutdruck kurzzeitig – wenn die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin nachlässt, sinkt auch der Blutdruck wieder.

Eine längerfristige Blutdruckerhöhung erreichen die Stresshormone über Beta-1-Rezeptoren an der Niere. Binden sie dort, werden bestimmte Stoffe freigesetzt, die zu einer vermehrten Bildung des Hormons Angiotensin-II führen. Dieses Hormon verursacht eine Verengung der Gefäße und lässt so den Blutdruck ansteigen.

Beta-Blocker gegen Bluthochdruck und Herzschwäche

Betablocker blockieren die Beta-Rezeptoren und verhindern so, dass Adrenalin und Noradrenalin binden können. Durch die ausbleibende Wirkung der Hormone sinken der Blutdruck und die Herzfrequenz.

Neben der Anwendung gegen Bluthochdruck können Beta-Blocker auch in der Therapie von Herzschwäche eingesetzt werden. Früher ging man zwar davon aus, dass es bei einem schwachen Herzen nicht sinnvoll ist, die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin zu unterdrücken. Trotzdem wurden schon in den 60er Jahren Betablocker bei Patienten mit Herzschwäche angewandt. Inzwischen haben Studien bewiesen, dass die Betablocker auch bei Patienten mit Herzschwäche zu einer Verbesserung der Krankheitssymptome und einer verbesserten Herzleistung führen.

Die Erklärung für die Wirksamkeit von Beta-Blockern bei Herzschwäche ist, dass das Herz durch die Senkung von Blutdruck und Herzfrequenz weniger arbeiten muss und so die Möglichkeit bekommt, sich zu erholen. Auch eine Abnahme der Herzgröße wurde beobachtet. Dadurch wird das Herz wieder leistungsfähiger und kann pro Herzschlag mehr Blut auswerfen. Der Erholungsfaktor für das Herz ist so groß, dass auch Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz davon profitieren.