Höhenkrankheit: Atem beraubend - Atem raubend

Mit zunehmender Höhe wird die Luft dünner; etwa ab 2.500 Metern droht die Höhenkrankheit. Schon in 3.000 Meter Höhe hat man 40 Prozent weniger Sauerstoff zum Atmen. Kopfschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Atemnot und Schwindel gehören zu den ersten Warnzeichen der Höhenkrankheit. Die wichtigste Regel lautet: Langsam aufsteigen. Alljährlich zieht es eine halbe Million Höhentouristen in den Himalaya, die Andenländer, auf den Elbrus im Kauskasus oder auf den Kilimandscharo.

Die Höhenkrankheit

So erhaben man sich in der Höhe fühlen kann, so hat das extreme Bergsteigen auch seine Schattenseiten: „Auf jeden zehnten >Gipfelsieger< kommt ein Toter", schreibt Reinhold Messner über den Tourismus am Mount Everest im Explorer Magazin.

"Ganz oben schwindet nicht nur unser Urteilsvermögen, zuletzt auch die Übersicht. Willensschwäche, Blutleere und Apathie bremsen den Geist in der Todeszone." "Die Steuerung unserer Atmung ist nicht für extreme Höhe ausgelegt", sagt Klaus Mees, Münchner Professor an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke am Klinikum Großhadern. Er muss es wissen, denn Mees erforschte bereits mehrfach in der Todeszone des Mount Everest über 7.000 m die Höhenkrankheit – ein Leiden, das mehr Bergsteiger das Leben kostet als Steinschlag, Stürme und Lawinen zusammen.

Dünne Luft und wenig Sauerstoff

Die Höhenkrankheit hat zahlreiche Facetten. Schon beim Besteigen hoher Berge ab etwa 2.000 m können erste Anzeichen auftreten. Kopfschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Atemnot, Schwindel, Ohrensausen, Schlafschwierigkeiten, Ödeme, verminderte Wasser- und Salzausscheidung sind die Hauptsymptome.

Urlauber, die aus dem Flachland ins Gebirge reisen und schon am ersten Tag große Touren unternehmen, klagen häufiger darüber. Wenn diese Symptome nicht nach einiger Zeit und bei Ruhepausen verschwinden, sollte man umkehren, denn je höher man steigt, desto stärker wird das Unwohlsein.

Die Ursache der Beschwerden

Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab, damit auch der Sauerstoffpartialdruck (d.h. der anteilige Sauerstoffdruck). Auf 5.500 m ist der Sauerstoffpartialdruck bereits um 50 Prozent reduziert und auf 8.000 m beträgt er nur etwa 35 Prozent. Bis zum höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest (8.850 m) fällt der Luftdruck um zwei Drittel. Dadurch nimmt die Lunge weniger Sauerstoff auf und es tritt eine Sauerstoffunterversorgung, die so genannte Hypotoxie, ein.

Die Folge: Oberhalb von 7.000 m werden rund 80 %, auf Everesthöhe praktisch 100 % der Menschen innerhalb von 2–3 Minuten bewusstlos und sterben kurz darauf, wenn sie nicht zusätzlich Sauerstoff bekommen.

Die körpereigene Atemregelung richtet sich vor allem nach dem Kohlendioxidgehalt des Blutes, der bei abnehmendem Luftdruck nicht steigt – der Körper kann sich durch eine Erhöhung der Anzahl roter Blutkörperchen an diese Situation anpassen. Um aber den höchsten Berg der Erde besteigen zu können, braucht man etwa fünf Wochen, um den Körper langsam an die Höhe zu gewöhnen.

Gefahren in dünner Luft

Die Hauptgefahr des geringen Luftdruckes besteht in Flüssigkeitsansammlungen (Ödem) in der Lunge und in anderen Körpergeweben (z.B. dem Gehirn). Sie entstehen infolge einer Erhöhung des Blutdrucks.

Bemerkt man beim Bergaufstieg akute Symptome der Höhenkrankheit, sollte man den Abstieg beginnen; treten nur 1–2 Symptome auf, wird von vielen auch eine Akklimatisation auf gleicher Höhe für ausreichend erachtet.

In schweren Fällen muss der Betroffene in geringere Höhen evakuiert werden. Ein weiterer Anstieg ist lebensgefährlich, und selbst beim Verweilen auf gleicher Höhe verstärken sich die Symptome meist noch und führen im Extremfall zum Tod.