Was ist die Englische Krankheit?

Die "Englische Krankheit", besser bekannt als Rachitis, ist auf eine Störung des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels, bedingt durch einen Vitamin D Mangel, zurückzuführen. Ihr Name beruht auf der erstmaligen Entdeckung Mitte des 16. Jahrhunderts in Großbritannien. Verbreitet war die "Englische Krankheit" im Zeitalter der Industriellen Revolution allerdings in ganz Europa, die Leidtragenden waren in erster Linie Kinder.

Vitamin D-Mangel als Ursache

Von Hunger und Arbeitslosigkeit in die rasch wachsenden Industriestädte getrieben, erhoffte sich die arme Landbevölkerung dort eine Verbesserung ihrer miserablen Lebensumstände. Ihre Kinder, die in der schornsteinverpesteten Luft der Städte aufwuchsen und später als Gruben- oder Fabrikarbeiter nahezu rund um die Uhr ausgebeutet wurden, bekamen kein oder nur wenig Tages- bzw. Sonnenlicht zu Gesicht.

Als Folge davon und zudem begünstigt durch die Dauer-Mangelernährung, war ihr Organismus nicht dazu in der Lage das lebensnotwendige Vitamin D, dessen Vorstufe der Körper selbst synthetisieren kann und das durch UV-Strahlung aktiviert wird, zu bilden. Da nur mit Hilfe dieses Vitamins u.a. das im Kindesalter wachstumswichtige Kalzium gelöst und in die Knochen transportiert werden kann, war das optische Krankheitsbild symptomatisch: Knochenerweichung, auch des Schädelknochens, Hühnerbrust, O- oder X-Beine und allgemein schwere Wachstumsstörungen. Dieser akute Kalziummangel führte nicht selten zum Tod.

Rachitisprophylaxe

Eine Rachitisprophylaxe gehört heute selbstverständlich in die medizinische Säuglingsversorgung. Da die Muttermilch möglicherweise nicht genügend Vitamin D3 enthält, müssen Babys oft ab der zweiten Lebenswoche bis zum ersten Jahr zusätzliche und ärztlich kontrollierte Vitamin-D-Gaben, meist in Form von Tröpfchen, bekommen. Überdosierungen können gefährlich sein!