Verbreitung von Übergewicht

Als Übergewicht bezeichnet man ein durch zu viel Fettgewebe erhöhtes Körpergewicht. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1997 waren Mitte der 90er Jahre in den Industrieländern 50 bis 60 Prozent aller Erwachsenen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren entweder übergewichtig (BMI von 25 bis 30 kg/m2) oder adipös (d.h. fettleibig mit einem BMI > 30 kg/m2). In der Schweiz bringt fast jede dritte Person zu viel Gewicht auf die Waage. Laut dem vierten Schweizer Ernährungsbericht (1998), weisen ungefähr 30 Prozent aller Bürger - 39 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen - ein zu hohes Körpergewicht (BMI > 25 kg/m2) auf. Und die Tendenz ist steigend. So erhöhte sich der Anteil an deutlich bis stark Übergewichtigen (BMI > 30 kg/m2) in der Altersgruppe der 25- bis 74-Jährigen zwischen 1985 und 1993 von 11,4 auf 14,6 Prozent. Trotzdem wird Übergewicht vorwiegend als kosmetisches Problem gesehen statt als Krankheit mit erheblichen Gesundheitsrisiken und -kosten. Gemäss einer Berechnung der Infostelle für Adipositas betragen die gesamten Kosten der Adipositas in der Schweiz 3,9 Milliarden Franken pro Jahr, wobei das öffentliche Gesundheitswesen mit 2,3 Milliarden belastet wird.

Energiehaushalt

Was in unserem Verdauungstrakt nach dem Essen passiert, kann vereinfacht wie folgt beschrieben werden: Die Hauptnährstoffe werden durch Verdauungsenzyme in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt, Kohlenhydrate in Zuckerbausteine, Eiweisse in Aminosäuren und Fette in Fettsäuren. Diese gelangen über Magen und Darm ins Blut und landen schliesslich in unseren Zellen, wo sie als Bau- und Ersatzstoffe oder als Energielieferanten dienen.

Energiegewinnung und -speicherung

Die Bereitstellung der von unserem Körper benötigten Energie erfolgt durch Verbrennung (Oxydation) der Nährstoffe und unterliegt einer strengen Rangordnung. Alkohol wird zuerst verbrannt, weil der Körper für Alkoholkalorien keinen Speichermechanismus besitzt. Kohlenhydrate werden an zweiter Stelle verbrannt. Sie sind als Glukose der wichtigste Treibstoff unseres Körpers, insbesondere unseres Gehirns. Essen wir kohlenhydratreiche Speisen, steigt der Glukosespiegel (Blutzuckerspiegel) je nach Länge der Kohlenhydrat-Kette (schnell verwertbare Einfach- oder Zweifachzucker und komplexe Kohlenhydrate) mehr oder weniger schnell an. Die Bauchspeicheldrüse, die den Blutzucker kontrolliert, schickt das Hormon Insulin ins Blut um den Zuckerspiegel zu normalisieren. Die überschüssige Glukose wird in die Vorratsspeicher von Muskeln und Leber (totale Speicherkapazität zirka 500 g) transportiert und als Stärke (Glykogen) gespeichert. Von hier kann sie bei Bedarf, d.h. bei einem zu tiefen Glukosespiegel sehr leicht abgerufen werden. Bei zu hohem Kohlenhydratangebot wandelt unser Körper den Überschuss in Fett um. Wir können also auch dick werden, ohne Fett zu essen. Die Eiweissverwertung ist relativ konstant. Zur Deckung des täglichen Bedarfs ist 1 g Protein pro kg Körpergewicht empfohlen. Wird im Rahmen einer Diät weniger als 50 bis 60 g gegessen, greift der Körper auf eigene Eiweisse zurück. Das kann eine Reduktion der Muskelmasse bewirken. Die Fettverbrennung ist die letzte Stufe in der energieliefernden Oxyidations-Hierarchie. Sie wird erst dann notwendig, wenn die Versorgung mit Kohlenhydraten (Glukose) allein nicht ausreicht. Ist der Energiebedarf des Körpers durch Kohlenhydratoxydation gedeckt, wird das aufgenommene Fett vollständig in Körperfett umgewandelt und gespeichert. Die Speicherkapazität für Fett ist sehr hoch. Sie beträgt selbst bei Normalgewichtigen das 150-fache der täglichen Aufnahme. Wenn die verzehrten Kohlenhydrate nicht ausreichen, um den Energiebedarf zu decken, wird Nahrungsfett oxydiert. Die Fettdepots werden erst angegriffen wenn der Energieverbrauch höher ist als das Angebot aus der Nahrung. Das zugeführte Fett bestimmt also lediglich die gespeicherten Fettkalorien und nicht die verbrannten. Jeder Energieüberschuss geht als Depot in unsere Fettzellen. Ein tägliches Zuviel von nur 22 kcal (entspricht z.B. 1/13 Hamburger) führt innerhalb eines Jahres zu einem Überschuss an 7?700 kcal und einer Gewichtszunahme von einem Kilogramm.

Gewichtsverlust

Um Ihr Körpergewicht zu halten , müssen Sie Ihre Energieaufnahme Ihrem Bedarf anpassen. Wollen Sie abnehmen, müssen Sie Ihrem Körper weniger Energie zuführen, als er verbraucht. So wird der Organismus gezwungen, auf seine Reserven zurück zu greifen. In seiner "Hungersnot" bedient er sich zuerst der leicht zugänglichen Glukose-Reserven. Er holt sich die fehlenden Kalorien aus den Glycogenspeichern von Muskeln und Leber. Da jede Glycogeneinheit an mehrere Moleküle Wasser gebunden ist, verliert der Körper beim Verbrennen viel Wasser. Dann beginnt er mit dem Abbau von wertvollem Körpereiweiss. Am Anfang einer Diät verlieren Sie zwar Gewicht, jedoch kein Fett. Es handelt sich also nicht um einen echten Gewichtsverlust. Der Abbau des Fetts aus dem Fettgewebe beginnt erst nach ungefähr einer Woche Diät. Das Gewicht nimmt nun langsamer ab als in den ersten Tagen.