Andrologie - die Männerheilkunde

Wissenschaftlich gibt es die Andrologie schon lange - als eigenständiges Aufgabengebiet von ärztlich-medizinischer Seite hat sich die Männerheilkunde erst in den letzten Jahrzehnten etabliert. Mediziner und Wissenschaftler haben vor 30 Jahren die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA) gegründet, um diesem Aufgabengebiet gerecht werden zu können. Andrologen finden sich in etlichen Teilgebieten der Medizin wieder – in der Urologie, der Inneren Medizin/Endokrinologie und der Dermatologie. Seit einigen Jahren ist in der Weiterbildungsordnung festgelegt, dass Ärzte eine qualifizierte Zusatzweiterbildung zur Andrologin oder zum Andrologen erwerben können. Damit wird dem Patienten eine bessere Orientierung auf der Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner ermöglicht.
 

Die Andrologie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit

  • den Störungen der Zeugungsfähigkeit (Infertilität),
  • den Störungen der Hormonbildung im Hoden (Hypogonadismus),
  • den Störungen der Erektionsfähigkeit (erektile Dysfunktion),
  • der männlichen Verhütung (Kontrazeption) und
  • den Alterungsprozessen des Mannes (Seneszenz).

Infertilität - Störungen der Zeugungsfähigkeit

Die reproduktiven Funktionen des Mannes (also die Zeugungsfähigkeit) und ihre Störungen stellen einen wichtigen Schwerpunkt der Andrologie dar. Als Partner des Gynäkologen können Andrologen wesentlich in der Erkennung und Behandlung von Störungen der Zeugungsfähigkeit des Mannes ärztlich tätig werden. Zusätzlich zu den bereits seit langem verfügbaren Verfahren der künstlichen Befruchtung und der Spermaaufbereitung wurde vor etwa 15 Jahren die Behandlung der schweren männlichen Zeugungsstörung durch die assistierte Befruchtung mittels intrazytoplasmatischer Spermieninjektionstechnik (ICSI) erheblich verbessert. Operative Verfahren der Spermiengewinnung und mikrochirurgische Behandlungstechniken sind inzwischen optimiert worden. Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer müssen Andrologen heute in jedes reproduktionsmedizinische Team integriert sein, so dass die Kinderwunschbehandlung immer eine interdisziplinäre Aufgabe für Gynäkologen und Andrologen ist.

Hypogonadismus - Störungen der Hormonbildung der Hoden

Eine Beeinträchtigung der Hormonbildung der Hoden (Testosteronmangel) führt zu schweren Störungen des Befindens und der Körperfunktionen (Blutbildung, Knochenstoffwechsel, geistige Funktionen, Stimmung, Libido und Erektionsfähigkeit). Einen klinisch bedeutsamen Testosteronmangel zu erkennen und diesen effektiv auszugleichen, verbessert die Lebensqualität des Patienten und beugt schweren Folgeschäden vor. Die Ersatztherapie wird auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt und mit Gel, Pflaster oder Spritzen durchgeführt. Voraussetzung ist die sorgfältige Untersuchung, das Erkennen der Ursachen und die exakte Kenntnis über eventuell bestehende Gegenanzeigen (z.B. Prostatakrebs).

Erektile Dysfunktion - Störungen der Erektionsfähigkeit

Zahlreiche Störungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Krebserkrankungen schränken die Erektionsfähigkeit ein und führen damit zur Impotenz. Umgekehrt kann das Auftreten einer erektilen Dysfunktion erster Hinweis für andere zugrunde liegende Störungen sein (z.B. koronare Herzkrankheit). Um die Ursachen einer Erektionsstörung abzuklären und sie gezielt zu behandeln, müssen Andrologen und die in die Therapie einbezogenen Ärzte eng zusammenarbeiten. Therapeutisch kommen Psychotherapie, Medikamente (z. B. Phosphodiesterase-5-Inhibitoren) und operative Verfahren zum Einsatz.

Kontrazeption - Verhütung beim Mann

Für Frauen existieren zahlreiche hormonelle und mechanische Verhütungsverfahren, die gleichermaßen sicher wie nebenwirkungsarm und jederzeit vollständig umkehrbar sind. Männern hingegen steht als sichere Verhütungsmethode nur die Vasektomie (Durchtrennung der Samenleiter) zur Verfügung. Wenngleich dieses Verfahren auch bei 80–90 % der Männer mittels operativer mikrochirurgischer Techniken erfolgreich rückgängig zu machen ist, bleibt ein hohes Restrisiko, dass die natürliche Zeugungsfähigkeit nicht wiedererlangt wird. Deshalb ist die hormonelle Kontrazeption ein wichtiges klinisches Forschungsgebiet der Andrologie.

Seneszenz - der alternde Mann

Vital zu altern ist ein großes Ziel – aber die Datenlage zu andrologischen Problemen beim älteren und alten Mann gering. Die Besonderheit des Alterns bei der Frau mit Eintritt der Menopause ist ungleich besser erforscht und klinisch behandelt. Hier besteht für den Mann nach wie vor ein erhebliches wissenschaftliches und praktisches Wissensdefizit. Der alternde Mann hat besondere andrologische Erkrankungen und ein spezielles Risikoprofil, das bei der Durchführung von Therapien unbedingt beachtet werden muss. Das Syndrom wird als "Altershypogonadismus" bezeichnet und kann unter Berücksichtigung international vereinbarter Empfehlungen erfolgreich behandelt werden.