Arteriosklerose (Arterienverkalkung)

Eine Arteriosklerose ist eine über Jahre oder Jahrzehnte ablaufende Verhärtung und Verengung der Arterien, das heißt der Blutgefäße, die das Blut vom Herzen wegtransportieren. Die Verengung der Arterien bewirkt einen verminderten Blutzufluss zu Organen und Körperteilen. Trotz Jahrzehnten der Forschung weiß man heute immer noch nicht genau, warum eine Arteriosklerose entsteht. Als gesichert gilt übereinstimmend, dass es eine Veranlagung für eine Arteriosklerose und deren Folgen – Herzinfarkt, Schlaganfall – gibt. Auch weiß man, dass Frauen in jüngeren Jahren einen natürlichen Schutz durch die weiblichen Geschlechtshormone haben, der allerdings mit Eintritt der Wechseljahre nachlässt.

Vererbung geschlechtsabhängig

Auf der Suche nach dem Gen, das für Arterienverkalkung verantwortlich ist, machte ein Wissenschaftler der Universität Leipzig bei Forschungen an zwei Mäusestämmen eine erstaunliche Entdeckung: Arteriosklerose kann nur vom gegenteiligen Geschlecht vererbt werden. ''Die Weitergabe des Gens, das für Arteriosklerose verantwortlich ist, ist abhängig vom Geschlecht der Elterngeneration.

Trägt ein männlicher Nachkomme dieses Gen, muss zuvor die Mutter dieses Gen getragen haben. Umgekehrt erfordert ein weiblicher Nachkomme mit diesem Gen einen entsprechenden männlichen Vorfahren'', so der Wissenschaftler Dr. Teupser. ''Wenn wir also beim Menschen dahinter kommen wollen, wie Arteriosklerose und damit Herzinfarkt oder Schlaganfall vererbt werden können, müssen wir die Vererbungslinie beachten.''

Der Beginn ist schleichend und unerkannt

Eine Arteriosklerose entsteht nicht über Nacht. Bevor die ersten Beschwerden auftreten, können 20 bis 40 Jahre vergehen – sie sind dann jedoch bereits schwerwiegender Natur. Dazu gehören zum Beispiel Durchblutungsstörungen in den Beinen, da die verengten Arterien schlecht mit Sauerstoff versorgt werden oder eine Verengung der Herzkranzgefäße, die zu Angina pectoris führt. Andere Symptome können eine nachlassende Hirnfunktionen, zum Beispiel Gedächtnisstörungen oder Schwindel sein.

Schreitet die Arterienverkalkung weiter voran kann es durch einen Arterienverschluss zur totalen Unterbrechung der Blutversorgung und damit zum Sauerstoffmangel eines Organs kommen. Herz, Gehirn und Beine sind besonders häufig von arteriosklerotischen Erkrankungen betroffen.

Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose

Eine Arteriosklerose wird erst durch Faktoren, die ihren natürlichen Verlauf beschleunigen, zur Krankheit. Dazu gehören:

  • Bluthochdruck, weil dadurch die Gefäße stärkeren Druckbelastungen ausgesetzt sind
  • Diabetes mellitus
  • Bewegungsmangel, Übergewicht
  • Fettreiche, unausgewogene Ernährung
  • Stress
  • Rauchen, da Nikotin die Blutgefäße verengt
  • Hoher Harnsäurespiegel
  • Erhöhter Fibrinogenspiegel (verstärkte Blutgerinnung)
  • Hoher Homocysteinspiegel
  • Vitaminmangelzustände
  • zu hoher Cholesterinspiegel, weil Cholesterin sich in den Gefäßen ablagert

Patienten mit diesen Risikofaktoren sollten sich regelmäßig von ihrem Arzt untersuchen lassen.

Entstehung von Arteriosklerose

Die Gefäße sind innen mit einer glatten, dünnen Zellschicht ausgekleidet – der Intima. Halten bestimmte schädigende Einflüsse über längere Zeit an, bekommt diese Auskleidung kleine Risse. Das körpereigene Abwehrsystem wird dadurch aktiviert und schickt – ähnlich wie bei einer Wunde – seine Helfer. Doch diese Reparatur verläuft nicht optimal: Flüssigkeit dringt in die Gefäßwand ein, eine kleine Schwellung entsteht und Blutzellen, Fett und Kalk setzen sich fest.

Als Schutzreaktion verdickt sich die Gefäßinnenwand, ein sogenanntes Atherom ist entstanden. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Mehlbrei", denn so ähnlich sieht die entstandene Verdickung aus.

Mit der Zeit wird an dieser Stelle immer mehr Kalk eingelagert und die Gefäßwand wird hart. Ein sogenannter Plaque ist entstanden. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von einer Arteriosklerose. Diese Verengung des Blutgefäßes merkt man lange Zeit nicht, denn Blutgefäße können sich weit stellen und so den Blutdurchfluss bis zu einer gewissen Grenze konstant halten.

Was passiert am Herzen?

Solche Vorgänge finden auch in den kleinen Arterien statt, die das Herz mit Nährstoffen versorgen. Dort bemerkt man Durchblutungsstörungen meist erst, wenn das Gefäß nur noch zu einem Drittel offen ist. Dann treten bei stärkeren Belastungen die typischen Beschwerden auf: Luftnot und Schmerzen in den Beinen oder in der Brust.

Hat sich die Enge sehr langsam entwickelt, kann das Blutgefäßsystem Umgehungskreisläufe (sogenannte Kollaterale) ausbilden. Der Körper nutzt bereits vorhandene Gefäße, um über diese "Umleitung" den Herzmuskel weiter mit Blut zu versorgen. Sind solche Umgehungskreisläufe vorhanden, können Beschwerden trotz eines verstopften Gefäßes am Herzen ausbleiben.

Kleine Ursache – große Wirkung

Kritisch wird es, wenn sich von den Ablagerungen in der Gefäßwand kleine Partikel lösen oder der gesamte Plaque aufbricht. Dann kann das Gefäß plötzlich komplett verstopft sein. Dieser Stau schneidet den dahinter liegenden Gefäßabschnitt von der Durchblutung ab. Die normalerweise mit Blut versorgten Zellen sterben ab.

Passiert das Ganze am Herzen, entsteht ein Herzinfarkt, die Verstopfung von Hirngefäßen führt zu einem Schlaganfall – mit schweren persönlichen Folgen.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die größte Gefahr nicht von den dicksten Ablagerungen ausgeht, sondern von kleinen, weichen Plaques. Denn diese sind instabiler, haben eine dünnere Haut und einen fetthaltigeren Kern. Abrupte körperliche Anstrengungen oder Blutdruckschwankungen können die dünne Haut aufplatzen lassen, wobei dann oft ein Blutgerinnsel entsteht.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Arteriosklerose

Zwar bekommt jeder Mensch mit zunehmendem Alter diese Gefäßerkrankung. Bei einer gesunden Lebensweise entwickelt sie sich aber deutlich langsamer. Unsere Gefäße sind von Natur aus dafür ausgelegt, viele Jahrzehnte für das Blut passierbar zu sein. Von manchen Menschen, die um die 80 Jahre alt sind, weiß man, dass sie noch jugendlich glatte Arterieninnenwände haben, während sich bei manchem Vierzigjährigen das Blut durch eine Kraterlandschaft kämpfen muss.

Wer gesund bleiben will, muss also etwas dafür tun – und sollte wissen, was er tun kann. Die beste Vorbeugung ist eine sinnvolle Ernährung und ausreichend Bewegung. Neben der Vorbeugung kommt aber auch der Vermeidung oder Behandlung von Risikofaktoren eine große Bedeutung zu:

  • regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Cholesterinspiegel
  • bei erhöhtem Cholesterinspiegel auf cholesterinarme Ernährung achten, das heißt Butter, Eier, Fleischmenge reduzieren
  • Diabetiker sollten stets darauf achten, dass ihre Zuckerwerte richtig eingestellt sind
  • Rauchen einstellen oder zumindest reduzieren
  • Übergewichtige sollten unbedingt eine Gewichtsreduktion anstreben

Arteriosklerose: Wann zum Arzt?

Wer zu den besonderen Risikogruppen für Arteriosklerose gehört, sollte sich sicherheitshalber regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen. Zudem ist es wichtig, auf die Warnsignale seines Körpers zu achten: Taubheitsgefühle in den Beinen oder Schmerzen beim Laufen können auf eine Arteriosklerose hindeuten und sollten daher umgehend von einem Arzt überprüft werden.

Dieser kann durch Abtasten, Blutdruckmessen und gegebenenfalls bildgebende Verfahren ermitteln, woher die Symptome stammen. Mittels einer sogenannten Angiografie können beispielsweise Verstopfungen in Adern mithilfe eines Kontrastmittels sichtbar gemacht werden.

Behandlung von Arteriosklerose

Eine Arteriosklerose ist grundsätzlich nicht heilbar. Mit der richtigen Therapie kann der Verlauf der Krankheit jedoch deutlich verzögert werden. Zu den Maßnahmen zur Behandlung einer Arteriosklerose gehört unter anderem der Ballonkatheter. Dieser wird bei einer vorliegenden Gefäßverengung wie ein Ballon aufgeblasen und dehnt die verengte Arterie, sodass das Blut wieder fließen kann. Zusätzlich kann ein sogenannter Stent bei der Behandlung von Arteriosklerose eingesetzt werden. Ein Stent ist ein kleines Metallnetz, das wie eine Stütze die Arterie aufspannt und offenhält.

Langt es nicht aus, die verengten Arterien zu weiten, ist eine Operation zum Legen eines sogenannten Bypass erforderlich, bei dem die Blutbahn umgeleitet wird. Dazu werden entweder körpereigene oder künstliche Venen verwendet.

Bei der medikamentösen Behandlung von Arterienverkalkung kommen unter anderem Mittel zur Senkung des Blutdrucks oder des Cholesterins zum Einsatz. Mitunter wird auch Acetylsalicylsäure verschrieben, die verhindern soll, dass die Blutplättchen an der Gefäßwand oder an sich selbst kleben bleiben und so ein Blutgerinnsel bilden können.

Risikofaktoren reduzieren

Alle Maßnahmen zur Behandlung einer Arteriosklerose sollten stets durch eine entsprechende Behebung der Ursachen, also eine Umstellung des Lebenswandels oder eine Behandlung der ursächlichen Grunderkrankung, begleitet werden. Ansonsten drohen eine erneute Gefäßverengung und die entsprechenden Folgen einer Arteriosklerose, wie beispielsweise ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt.