Reizblase - die Blase "fasst" es nicht

Normalerweise scheiden wir täglich bis zu 2,5 Liter Wasser über Atmung, Haut, Harn und Stuhl aus. Entsprechend sollten deshalb zum Ausgleich täglich – regelmäßig über den Tag verteilt – 2 bis 3 Liter Flüssigkeit aufgenommen werden. Doch die meisten Erwachsenen trinken zu wenig. Wer auf das Signal "Durst" wartet, weist bereits ein Flüssigkeitsdefizit auf mit Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufproblemen oder Müdigkeit als Folge.


Studien zeigen, dass ein Flüssigkeitsmangel, der erst am Abend ausgeglichen wird, noch am nächsten Tag zu einer Leistungseinbuße führt. Auch für die Gesunderhaltung des Harnapparates ist es wichtig, ausreichend zu trinken.

Auf falsche Befehle reagiert die Blase gereizt

Eine Reizblase, die auch als hyperaktive Blase bezeichnet wird, ist ein weit verbreitetes Leiden, bei dem das Hirn fälschlicherweise den Befehl zur Blasenentleerung erhält. Die Blasenwandmuskulatur zieht sich zusammen, obwohl die Blase noch nicht gefüllt ist. Die Reizblase führt zu einer dramatischen Einschränkung der Lebensqualität: Durch nächtlichen Harndrang wird der Schlaf ständig unterbrochen und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Frauen leiden weit häufiger unter einer Reizblase als Männer. Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren können Reizblasenbeschwerden begünstigen. Eine Reizblase kann außerdem durch Kälte- und Nässereize entstehen oder durch psychische Belastungen ausgelöst werden. Ist der Blasenschließmuskel zu schwach, um das Wasser halten zu können (z. B. nach schwerer körperlicher Arbeit, Geburten oder Verletzungen), kommt es bei plötzlicher körperlicher Anstrengung sowie beim Husten, Niesen oder Lachen zum unfreiwilligen Abgang kleiner Urinmengen (Stressinkontinenz).

Die Blase "fasst" es nicht

Menschen mit einer Reizblase nehmen vielfach zu wenig Flüssigkeit auf, weil sie annehmen, dass sie so ihre Probleme - häufiger Toilettengang, unkontrollierbarer Harndrang und unfreiwilliger Harnverlust - lösen. Doch genau das Gegenteil wird erreicht: Die Blasenwand besteht aus einer Muskelschicht. Und jeder Muskel will trainiert werden! Durch zu wenig Flüssigkeit und der daraus resultierenden geringen Blasenfüllung sinkt das Fassungsvermögen der Blase nach und nach ab. Das Problem des Harndrangs wird also noch eher verschlimmert. Der Harn ist bei Flüssigkeitsmangel konzentrierter und kann den Blasenwandmuskel zusätzlich reizen. In Europa bleiben zwei Drittel der Patienten mit einer Reizblase unbehandelt, u. a. auch deshalb, weil die Betroffenen nicht gerne über ihr Leiden sprechen. Eine Therapiemöglichkeit sind "Blasen entspannende" Medikamente, so genannte Anticholinergika. Diese dämpfen die Erregbarkeit des Blasenmuskels und entspannen die Blase. Weil der unangenehme Harndrang verschwindet, nimmt die Häufigkeit der Toilettengänge ab, so dass sich das Füllvolumen der Blase wieder normalisiert.

Was kann man selber tun?

Zu den so genannten konservativen Maßnahmen, die bei schwächer ausgeprägten Symptomen durchaus wirksam sind, gehören regelmäßiger Gang zur Toilette zu festgelegten Zeiten (Blasentraining), Beckenbodengymnastik sowie Verzicht auf Rauchen, übermäßigen Alkohol- und Kaffeegenuss sowie der Abbau von Übergewicht. Patienten mit Blasenproblemen reagieren gut auf die Behandlung mit pflanzlichen Präparaten aus Bärentraubenblättern. Diese zählen seit dem 18. Jahrhundert zu den wichtigsten Heilpflanzen für Erkrankungen des Nieren-/Blasen-Bereiches; sie wirken lindernd und unterstützend bei der Behandlung einer Reizblase. Daneben werden Bärentraubenblätter zur Behandlung bei akuten Nieren- und Blasenentzündungen, Schmerzen und Brennen von Nieren und Blase infolge von Erkältung, Störungen der Harnausscheidung sowie bei Nieren- und Blasensteinen eingesetzt.

Wichtig: Ursache abklären

Bei länger andauernden Beschwerden darf die exakte Diagnostik auf keinen Fall vernachlässigt werden. Dazu gehören eine sehr sorgfältige urologische und gynäkologische Untersuchung, die Untersuchung des Urins und ein Harnröhrenabstrich, Eine Ultraschalluntersuchung gehört ebenfalls zur Basisdiagnostik bei Reizblasenbeschwerden. In vielen Fällen lässt sich dann auch eine Ursache für die Beschwerden ausfindig machen, z. B. Infekte, Harnsteine, Fisteln, eine Verengung der Harnröhre oder neurogene Störungen.
Dr. Kaske


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