Nein sagen - will gelernt sein und schafft Respekt

Klare Ansage: Formulieren Sie Ihre Antwort eindeutig. "Ich werde den Termin morgen für Sie übernehmen, aber die Präsentation nächsten Donnerstag nicht." Ausweichende Floskeln wie "Wenn ich dazu komme, werde ich vielleicht" oder "Schauen wir mal, ob dafür heute Nachmittag noch Zeit bleibt", fördern Missverständnisse, vertagen den Konflikt und verschärfen ihn. Ihr Gesprächspartner spürt, wenn Sie etwas nicht ernst meinen. Auch kleine Kinder brauchen diese eindeutigen Ansagen, weil sie noch nicht zur Einsicht fähig sind. Sonst steht am Ende einer ausführlichen Erklärung ein "Ich will aber trotzdem!". Wenn Eltern mit ihren Kindern Kompromisse schließen und gemeinsam Regeln aufstellen, dürfen sie auch darauf bestehen und sollten an die Vereinbarungen erinnern. Etwa: "Wir haben es besprochen und das gilt jetzt auch."

Insgesamt rät Fischer, das Neinsagen in leichten Situationen auszuprobieren. Zum Beispiel, wenn der Metzger an der Wursttheke mal wieder mehr auf die Waage legt, als man haben will: "Danke, aber ich möchte bitte nur 100 Gramm." Denn jeder auch noch so kleine Erfolg in Alltagssituationen stärkt das Selbstbewusstsein. lrgendwann gelingt auch das Nein beim Chef. Trotz steter Bemühungen reicht die Energie nicht immer aus, um konstant seinen Standpunkt zu vertreten. Wer die persönlichen Ziele aber zu häufig ignoriert, riskiert seelische und psychosomatische Krankheiten. Spätestens dann ist Unterstützung angesagt, um das Neinsagen zu lernen.

 

Ein bestimmtes Nein schafft Respekt

Die Kunst des Neinsagens ist deshalb Teil verschiedener verhaltenstherapeutischer Konzepte, zum Beispiel im Rahmen von Stressbewältigungs- und Selbstsicherheitstrainings. In Rollenspielen üben die Gruppenteilnehmer, die eigenen Wünsche oder Missverständnisse anzusprechen. In fingierten Situationen mit Leidensgenossen fällt es leichter, die eigenen Bedürfnisse zu formulieren. Schwieriger wird es, wenn ein realer Konflikt aus dem Alltag nachgespielt wird.

Die Anforderungen werden langsam höher geschraubt und mit kleinen Hausaufgaben verbunden. Zuletzt werden die neuen Fähigkeiten gemeinsam in realen Situationen auf die Probe gestellt. Die Gruppe geht in die Außenwelt: Der eine muss eine Rechnung im Restaurant beanstanden, der andere den Hausmeister um die Reparatur eines Wasserrohres bitten.

Das methodische Neinsagen ist sogar Bestandteil mancher Berufsausbildung. Psychiater und Psychotherapeuten müssen sich klar von unberechtigten Ansprüchen ihrer Patienten abgrenzen können, ohne den vertrauensvollen Kontakt zu verlieren. Spezielle Seminare für Mitarbeiter in Dienstleistungsberufen vermitteln, wie man freundlich, aber bestimmt, übertriebene Forderungen ablehnt.

 

Versuchen Sie, eine Balance zwischen Ja und Nein zu finden

Tun Sie etwas nur, wenn Sie auch wirklich dahinterstehen. Das wirkt in allen Lebensbereichen entspannend: Vorgesetzte und Kunden respektieren Menschen, die eine Ablehnung freundlich formulieren und sie außerdem begründen können. Auch Freunde und Familienmitglieder können Sie besser einschätzen und auf Sie zugehen, wenn Sie eine klare Haltung an den Tag legen. Besonders wichtig ist dies in der Partnerschaft. Gerade beim Schmieden gemeinsamer Zukunftspläne muss sich der Lebenspartner darauf verlassen können, dass Sie nicht nur "Ja und Amen" sagen, sondern gemeinsame Entscheidungen mittragen.

 
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