Harnröhrenentzündung (Urethritis)

Die Harnröhre ist die Verbindung zwischen Harnblase und Außenwelt. Zwar spült der Harnstrahl mögliche Krankheitserreger regelmäßig nach draußen, trotzdem gelingt es einigen Keimen, die Harnröhre hoch zu wandern. Die infektiöse Urethritis ist eine der häufigsten Folgen sexuell übertragbarer Erkrankungen. Daneben gibt es auch andere Ursachen für eine Entzündung der Harnröhre.

Eine Urethritis kann allein oder in Kombination mit anderen Entzündungen von Nieren und Harnwegen auftreten. Besonders anfällig sind Personen, deren Harnröhre z.B. durch eine Verengung oder Aussackung vorgeschädigt ist und Patienten mit geschwächter Immunabwehr z. B. bei Krebserkrankungen, Zuckerkrankheit oder chronischen Entzündungen.

Welche Formen gibt es und wie entstehen sie?

Fachleute unterscheiden die spezifische von der unspezifischen Urethritis.

  • Spezifische Urethritis (gonorrhoische Urethritis): Ursache dieser Harnröhrenentzündung ist eine Infektion mit den Tripper-Erregern Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.
  • Unspezifische Urethritis (nicht-gonorrhoischen Urethritis): Dies Form wird ebenfalls oft durch Keime ausgelöst (in 50 % Chlamydien), aber auch andere Bakterien, Viren und Pilze), die vor allem beim Geschlechtsverkehr oder z. B. im Rahmen einer Untersuchung wie der Blasenspiegelung übertragen werden können. Die unspezifische Urethritis kann aber auch auf anderen Ursachen beruhen. Sie kann akut oder chronisch verlaufen.

Drei Entstehungsmechanismen

Bei der akuten Form gibt es prinzipiell drei Entstehungsmechanismen:

  1. eine Infektion durch Erreger, die von außen kommen und die Harnröhre hoch wandern ("aszendierende Infektion"),
  2. eine Entzündung, die durch Keime verursacht wird, die sich bereits oberhalb der Harnröhre in Harnblase, Prostata oder Nieren befinden und nach unten wandern ("deszendierende Infektion") sowie
  3. eine seltene allergische Entzündung durch in die Scheide eingebrachte Verhütungsmittel wie Zäpfchen oder Salben.

Die chronische oder immer wiederkehrende Form kann entweder durch besonders widerstandsfähige Erreger, eine nicht ausreichend behandelte akute Infektion oder eine erneute Ansteckung durch den Geschlechtspartner entstehen.

Bei Frauen nach der Menopause oder nach Entfernung der Eierstöcke kann es infolge des Östrogenmangels zu einer Veränderung der Schleimhaut von Scheide und Harnröhre kommen, was ebenfalls Entzündungsreaktionen hervorrufen kann (senile Urethritis).
Bei der Reiter-Krankheit gehört die Urethritis neben einer Entzündung der Gelenke und der Augenbindehaut zu den typischen Symptomen.

Weitere Ursachen der chronischen Form sind mechanische Reize (z. B. wenn ständig ein Blasenkatheter liegt), chemische Reize (z. B. durch Krebsmedikamente, die mit dem Harn ausgeschieden werden) und Bestrahlungen (z. B. bei der Krebsbehandlung). Eine so vorgeschädigte Harnröhre ist dann wiederum anfälliger für Keime.