Fasten - Wirkung und Nebenwirkungen

Wirkt Fasten überhaupt?

Viele positive Wirkungen des Heilfastens sind wissenschaftlich kaum oder nur ungenügend belegt. Die Gewichtsreduktion steht jedenfalls nicht im Vordergrund, sondern ist nur positive Begleiterscheinung. Kontraindiziert ist das Fasten z.B. bei Kachexie, Anorexia nervosa, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei erhöhten Harnsäurewerten. Eine Heilfastenkur kann eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen.
Dr. Helmut Oberritter: "Fasten allein zur Gewichtsreduktion – insbesondere bei geringem oder mäßigem Übergewicht – ist nicht empfehlenswert. Es kann jedoch bei medizinischer Indikation Teil einer Therapie sein. Ernährungsverhaltensprogramme und verhaltenstherapeutische Ansätze müssen das Fasten jedoch begleiten, damit langfristig ein niedrigeres Körpergewicht gehalten werden kann."

Nebenwirkungen beim Heilfasten

Das Heilfasten wird in der Regel unter ärztlicher Kontrolle in Fastenkliniken durchgeführt. Die Umstellung des Stoffwechsels und des Hormonhaushalts beim Heilfasten geht auch einher mit psychischen Veränderungen. Genannt werden Gefühle erhöhter Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sowie eines gesteigerten Wohlbefindens.

Als unerwünschte Nebenwirkungen können Azidose, Hypotonie, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Konzentrationsschwäche, erhöhtes Kälteempfinden, trockene Haut auftreten. Weiterhin sind Mundgeruch und Menstruationsstörungen beobachtet worden. Diese Nebenwirkungen normalisieren sich jedoch meist im Verlauf des Fastens.

  • Azidose und Gicht: Das mit zunehmender Fastendauer vermehrt entstehende Azeton bewirkt eine Übersäuerung, die Ketoazidose, sowie durch die Ausscheidung der Ketonkörper über Urin und Atemluft den unangenehmen Geruch. Dieser Prozess hemmt die Fähigkeit der Niere zur Harnsäureausscheidung, wodurch es zu einem Anstieg der Harnsäurekonzentration im Serum kommt.
  • Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten (Hyperurikämie-Patienten) sollten wegen der Gefahr eines akuten Gichtanfalls nicht fasten.
  • Eiweißabbau: Des Weiteren kann das Gehirn die Ketonkörper beim mehrtägigen Fasten allerdings erst nach einigen Tagen nutzen. Daher baut der Organismus in der Anfangsphase des Fastens verstärkt körpereigenes Eiweiß aus der Skelett- und Herzmuskulatur ab (etwa 75 Gramm pro Tag), um aus den Aminosäuren Glukose zu bilden (Glukoneogenese).

Wann wird Fasten gefährlich?

Besonders gefährlich ist der Muskelabbau des Herzmuskels, dem Myokard. Bei sehr schneller Gewichtsabnahme kann es, auch bei einer gewissen Eiweißzufuhr, zu einer erheblichen Mobilisierung von Körpereiweiß aus dem Myokard kommen. Dies gilt vor allem für Personen mit Normalgewicht oder nur leichtem Übergewicht, die beim Fasten mehr fettfreie Körpermasse, also Muskulatur, verlieren als stark Übergewichtige.

Vor diesem Hintergrund sind die fastenbedingten Todesfälle durch Herzrhythmusstörungen mit plötzlichem Herztod zu erklären. Patienten mit bestehenden Herzerkrankungen sollten daher nur unter bestimmten Bedingungen und ärztlicher Aufsicht fasten.

Ernährungswissenschaftliche Beurteilung

Als Maßnahme für die Gewichtsreduktion wird das Heilfasten nicht eingeordnet. Heilfasten kann aber ein Impuls für eine Änderung des Lebensstils sein. Die positiven Erfahrungen einer Heilfastenkur können zu einer gesundheitsbewussteren Lebensführung und einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten führen. Eine Heilfastenkur kann jedoch eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen. Viele positive Wirkungen des Heilfastens sind wissenschaftlich kaum oder nur ungenügend belegt.

Der in Zusammenhang zum Heilfasten immer wieder genannte Begriff „Entschlacken“ ist wissenschaftlich nicht begründbar. In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren ausgeschieden.

Grundsätzlich sollten Heilfastenkuren nur nach vorheriger Gesundheitsuntersuchung möglichst stationär oder unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden. Zu beachten ist, dass durch das Fasten die Wirkung von Medikamenten beeinflusst wird und evtl. eine Anpassung/Reduzierung der Dosierung erfolgen sollte. In jedem Fall ist eine Absprache mit dem Arzt notwendig. Nur so sind einerseits die gesundheitlichen Komplikationen beherrschbar. Andererseits kann eine intensive Schulung in einer Fastenklinik den Einstieg in eine Ernährungsumstellung erleichtern.

Alternative zum Fasten

Vielleicht können Sie Ihren Lebensstil auch ohne Fasten umstellen - integrieren Sie schrittweise einfache Regeln in Ihren Lebensstil:

  • Essen Sie mehr Gemüse und Obst
  • Trinken Sie reichlich (Mineral-)Wasser
  • Ersetzen Sie übermäßigen Kaffeekonsum durch Teegenuss (zum Beispiel Früchte-, Kräuter- oder grüner Tee)
  • Halten Sie ein oder zwei alkoholfreie Tage ein.

Aktualisiert: 03.01.2012 – Autor: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

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