Was sind Essstörungen?

junge Frau mit Essstörung isst Burger © rawpixel (Symbolfoto)

Essstörungen sind kein Ernährungsproblem, sondern ein gestörter Umgang mit dem Essen. Sie reichen von wahllosem, zwanghaften In-sich-Hineinstopfen großer Nahrungsmengen bis zur Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme. Essstörungen entsprechen einem krankhaften Verhalten bei der Nahrungsaufnahme. Dieses Verhalten ist ein Ausweichverhalten, eine Reaktion auf unbefriedigende Lebensverhältnisse, Flucht, Hilflosigkeit, Verweigerung und stummer Protest, zugleich aber auch Resignation und Anpassung.

Essstörungen auf dem Vormarsch

Essgestörte Menschen unterliegen häufig einem enormen Leidensdruck. Dieser wird von der Umwelt oft weder wahr- noch ernstgenommen. Ungefähr 85 Prozent der Betroffenen sind Frauen. In zunehmendem Maße leiden auch Männer und junge Mädchen darunter. In der Fachliteratur wird immer häufiger auf einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Essstörungen, insbesondere dem "restrained eating" und "binge eating", hingewiesen.

Restrained Eating

"Gezügeltes Essen" beschreibt eine andauernde, willentliche Einschränkung der Nahrungsaufnahme zum Zweck der Gewichtabnahme- oder Kontrolle. Es kann sich in wiederholten Schlankheitsdiäten oder im Dauerhungern äußern. Dieses Verhalten charakterisiert viele Normal- und Übergewichtige und ist zu einem weitverbreiteten Bestandteil des Alltags vieler Menschen geworden.

Manche Autoren sprechen sogar von einem "kollektiven Diätverhalten". Die Gründe für gezügeltes Essen sind vielfältig. Einstellungen und Wertvorstellungen spielen eine große Rolle.

Doch zeigen Studienresultate, dass gezügelte Esser im allgemeinen nicht weniger wiegen als Personen mit normalem Essverhalten. Sie leiden zudem häufiger unter Fressattacken. Ernährungspsychologen gehen immer mehr davon aus, dass gezügeltes Essen zu einem Verlernen der normalen Sättigungs-Regulation führt und somit auch das Entstehen und Aufrechterhalten von pathologischen Essmustern, (Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Binge Eating) fördern kann. Es ist klar, dass nicht jeder der eine Diät macht, mager, ess- oder brechsüchtig wird, doch die Wurzeln dieser Fehlverhalten liegen oftmals im Diäthalten.

Magersucht (Anorexia nervosa)

Zentrales Merkmal der Anorexia nervosa ist extrem zurückhaltendes Essen. Die Betroffenen nehmen sehr wenig Kalorien zu sich; sie beschränken sich auf geringe Mengen "erlaubter" und "guter" Lebensmittel. Zusätzlich versuchen viele, ihr Gewicht durch übertriebene körperliche Aktivität, Erbrechen oder Einnahme von Appetitzüglern, Abführmitteln oder Entwässerungstabletten zu erreichen oder zu halten.

Extrem gebremstes Essen führt zu einem starken Gewichtsverlust. Trotz des (für andere) offensichtlichen Untergewichts fühlen sich die Magersüchtigen zu dick. Als Folge von Mangelernährung und Gewichtsverlust kommt es zum Absinken von Stoffwechsel, Puls, Blutdruck und Körpertemperatur, zu psychischen und hormonellen Störungen (mit Amenorrhoe als Folge), Mineralstoffmangel, Herzrhythmusstörungen und Verdauungsbeschwerden.

Anorexie ist eine sehr ernsthafte Erkrankung. Zehn Prozent aller Magersüchtigen sterben an ihrer Krankheit. Anorexie kommt in Industrieländern mit Nahrungsüberfluss viel häufiger vor als in armen Ländern. Betroffen sind vor allem Mädchen und junge Frauen, wobei die Häufigkeit auf 0,1 bis 1 Prozent geschätzt wird. Laut Schätzungen ist jede/r siebte Jugendliche ein Magersucht-Risikofall.

Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Dieses Krankheitsbild wird durch wiederholtes Auftreten von Fress- oder Heißhungerattacken charakterisiert. Die Häufigkeit dieser Essanfälle, bei denen größere Nahrungsmengen mit hohem Energiegehalt verzehrt werden, reicht von einmal pro Woche bis mehrmals täglich. Das Essverhalten der Bulimiekranken ist neben unkontrollierbaren, episodischen Anfällen durch stark gezügeltes Essverhalten, regelmäßig absichtlich herbeigeführtem Erbrechen nach einer Essattacke und krankhafter Angst vor dem Dicksein charakterisiert.

Einige Betroffene treiben - ähnlich wie bei der Anorexia nervosa - übermäßigen Sport und nehmen Abführ- und Entwässerungsmittel, um ihr Gewicht zu halten. BulimikerInnen sind oft normal oder sogar übergewichtig und fallen dadurch in ihrer Umgebung lange nicht auf. Meistens besteht im Gegensatz zur Anorexie ein enormer Leidensdruck.

Körperliche Folgeschäden der Bulimie werden vorwiegend durch das wiederholte Erbrechen verursacht:

  • Entzündungen der Speiseröhre und der Speicheldrüsen, bedingt durch die ätzende Wirkung der Magensäure
  • Mineralstoffmangel (Elektrolytmangel) durch vermehrten Verlust über die Ausscheidung von Magensaft
  • Zahnschäden verursacht durch die Übersäuerung im Mundraum
  • Magengeschwüre durch Überbeanspruchung des Magens
  • Herzrhythmusstörungen aufgrund von Reizleitungsstörungen, welche durch eine Verschiebung des Elektrolytgleichgewichts verursacht werden

Auch von der Bulimie sind hauptsächlich Frauen betroffen. Die Häufigkeit ist schwer zu ermitteln. Vermutlich liegt die Dunkelziffer sehr hoch. Es werden je nach Studie Zahlen zwischen 1 und 8 Prozent genannt.

Binge Eating Disorder, Esssucht

Die Esssucht ist vergleichsweise spät als krankhaft in die medizinische Terminologie aufgenommen worden. Bei dieser Essstörung werden – ähnlich wie bei der Bulimie – Unmengen von Kalorien auf einmal verzehrt, ohne jedoch diese Nahrung wieder zu erbrechen.

Aus Angst vor Gewichtszunahme oder aus Schuldgefühl wird nach so einer Essattacke streng Diät gehalten, bis der Kontrollmechanismus wieder zusammenbricht und ein neuer Anfall erfolgt. Die Betroffenen sind gefangen in einem Teufelskreis von Essen und Hungern.

Weil auf einen Essanfall nicht so drastisch gegengesteuert wird, wie bei der Bulimie, kommt es oft zu Übergewicht. Laut amerikanischen Statistiken weisen 30 Prozent der Übergewichtigen diese Essstörung auf.

Aktualisiert: 23.04.2018

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