Hüftdysplasie: Beim Baby gut zu behandeln

Baby mit Hüftdysplasie © Greyerbaby (Symbolfoto)

Etwa drei bis fünf Prozent aller Neugeborenen leiden an einer Hüftdysplasie. Darunter versteht man eine angeborene Reifungsstörung der Hüftgelenkspfanne. Ohne Therapie kommt es bei Babys und Kindern zu einer Fehlentwicklung des Hüftgelenks, die im Erwachsenenalter zu vorzeitigem Gelenkverschleiß führen kann. Da offensichtliche Symptome einer Hüftdysplasie meistens fehlen, wird bei allen Babys im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ein Ultraschall der Hüfte durchgeführt. Frühzeitig erkannt und richtig behandelt heilt die Hüftdysplasie in der Regel folgenlos aus – unter Umständen kann jedoch auch eine Operation nötig werden.

Mädchen häufiger betroffen

Die Ursachen für eine Hüftdysplasie bei Babys sind nicht vollständig geklärt. Ein Risikofaktor scheint die Lage des Ungeborenen im Mutterleib zu sein: Liegt der Fetus mit dem Becken voran in der Gebärmutter, kommt es häufiger zu einer Hüftdysplasie. Auch bei Zwillingsschwangerschaften oder wenn zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist (Oligohydramnion) scheint das Risiko für eine Hüftdysplasie erhöht zu sein.

Ebenfalls unklar ist, warum Mädchen etwa fünfmal häufiger als Jungen von einer Hüftdysplasie betroffen sind. Außerdem tritt die Erkrankung familiär gehäuft auf: Hatte die Mutter eine Hüftdysplasie, ist das Risiko für ihr Kind erhöht. 

Ausrenkung bei unreifem Hüftgelenk

Bei einer Hüftdysplasie findet die Verknöcherung der Hüftgelenkspfanne verzögert statt. Dadurch hat der Hüftkopf nicht ausreichend Halt und verrutscht im Gelenk. Folge ist eine Schädigung der Hüftgelenkspfanne, da der Hüftkopf den noch weichen Knochen verformt. 

Unter Umständen kommt es sogar zu einer Ausrenkung (Luxation) der Hüfte. Dann muss das Gelenk möglichst schnell wieder eingerenkt (reponiert) werden, um bleibende Schäden zu verhindern und eine normale Entwicklung der Hüfte zu ermöglichen.

Fehlende Anzeichen bei Babys

Bei Säuglingen mit einer Hüftdysplasie treten meist keine Symptome auf, weil die Babys noch nicht laufen und daher keine Schmerzen haben. Lediglich wenn eine Luxation der Hüfte vorliegt, lassen sich Anzeichen einer Hüftdysplasie erkennen: Da der Hüftkopf meist nach oben aus der Pfanne rutscht, kommt es zu einer sichtbaren Verkürzung des betroffenen Beines. Dadurch wird zudem oftmals eine Asymmetrie der Falten am Oberschenkel und am Gesäß erkennbar. Manche Babys zeigen außerdem eine auffällige Haltung der Beine. 

Symptome bei Kindern: Schmerzen im Knie

Meist zeigen sich Symptome einer Hüftdysplasie jedoch erst, wenn die Kinder zu laufen beginnen: Typisch für eine Luxation der Hüfte ist ein schiefes Becken und ein watschelnder oder hinkender Gang. In manchen Fällen kippt das Becken nach vorne ab – Folge ist ein ausgeprägtes Hohlkreuz. 

Zudem ist die Beweglichkeit der Hüfte meist eingeschränkt. Hüftschmerzen sind allerdings untypisch für eine Hüftdysplasie – betroffene Kinder klagen stattdessen oftmals über Schmerzen im Knie oder in der Leiste.

Charakteristisches Anzeichen einer Hüftluxation ist das sogenannte Trendelenburgzeichen: Im Einbeinstand auf dem betroffenen Bein kommt es zu einer Abkippung des Beckens zur gesunden Seite.

Hüftdysplasie: Ultraschall-Screening bei U3

Da eine Hüftdysplasie bei Babys häufig keine Symptome verursacht und die Erkrankung früher oft erst zu spät erkannt wurde, ist heute in der Vorsorgeuntersuchung U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche ein Screening auf Hüftdysplasie integriert. 

Dabei wird neben einer körperlichen Untersuchung ein Ultraschall der Hüfte durchgeführt. Im Ultraschallbild kann der Kinderarzt die Position des Hüftkopfes beurteilen und die Winkel des Hüftgelenks vermessen. Daraus erfolgt eine Einordnung der Hüftgelenksreife in die sogenannten

Hüfttypen nach Graf:

  • I.   Normal entwickelte Hüfte
  • II.  Reifungsverzögerung (Hüftdysplasie)
  • III. Subluxation (teilweise ausgerenkte Hüfte – der Hüftkopf ist in der Pfanne verrutscht)
  • IV. Luxation (vollständige Ausrenkung – der Hüftkopf liegt außerhalb der Pfanne)

Diagnostik: Röntgen bei Kindern und Erwachsenen

Bei Babys ist die Ultraschalluntersuchung am besten zur Diagnose einer Hüftdysplasie geeignet: Die Entwicklung der noch knorpeligen Hüfte lässt sich im Ultraschallbild sehr gut beurteilen. Nach dem 1. Lebensjahr lässt sich das Gelenk aufgrund der zunehmenden Verknöcherung besser im Röntgenbild darstellen. 

Eine sogenannte Arthrografie kann notwendig sein, wenn sich bei einem Baby mit Hüftluxation die Hüfte nicht wieder einrenken lässt. Dabei wird Kontrastmittel in das Gelenk gespritzt und danach aus verschiedenen Winkeln Röntgenbilder angefertigt. So lässt sich feststellen, ob beispielsweise eine Sehne das Einrenken verhindert. 

Hüftdysplasie bei Babys: Behandlung mit Spreizhose

Besteht lediglich eine Hüftdysplasie ohne Luxation (Typ II nach Graf), kann die Therapie durch eine Spreizhose, Schiene oder Bandage erfolgen, die das Bein in einer gebeugten und abgespreizten Position hält. Dadurch wird der Hüftkopf in die Pfanne gedrückt, wodurch die Reifung des Gelenks gefördert wird. Eine solche Schiene muss einige Wochen bis Monate rund um die Uhr getragen werden.

Einrenkung der Hüfte mittels Overhead-Extension

Bei einer Luxation (Typ III und IV nach Graf) muss die Hüfte zunächst wieder eingerenkt werden. Dies kann durch eine sogenannte Overhead-Extension erfolgen: Dabei werden die Beine in einer abgespreizten Position an einer über dem Bett befestigten Konstruktion gehalten. Durch den Zug kann der Hüftkopf innerhalb einiger Tage bis Wochen in die richtige Position rutschen.

OP manchmal notwendig

Eine andere Möglichkeit ist eine Einrenkung per Hand (manuelle Reposition). Hierfür ist meist eine Vollnarkose notwendig, bei der die Muskulatur entspannt wird. Lässt sich die Hüfte dennoch nicht einrenken, ist manchmal ein Hindernis – etwa eine Sehne oder Fettgewebe – schuld. 

Dann kann eine Operation notwendig sein, um die Hüfte einzurenken. Manchmal wird dabei zusätzlich ein Draht zur vorübergehenden Fixierung verwendet. In jedem Fall muss das Baby nach einer Hüfteinrenkung für einige Wochen einen sogenannten Sitz-Hock-Gips tragen, damit das Hüftgelenk in der richtigen Position bleibt.

Operative Korrektur bei älteren Kindern und Erwachsenen

Wird durch die Behandlung mit einer Spreizhose, einer Schiene oder einem Gips kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht – man spricht dann von einer Restdysplasie – können bei Kindern ab ungefähr zwei Jahren und Erwachsenen durch eine Operation Folgeschäden verhindert werden. 

Dabei gibt es verschiedene OP-Verfahren mit ähnlichem Prinzip: Durch eine Durchtrennung von Knochenteilen am Becken oder am Oberschenkel und Wiederbefestigung in einer veränderten Position soll der Hüftkopf so in die Pfanne "eingepasst" werden, dass das Gelenk möglichst natürlich belastet und so ein vorzeitiger Verschleiß verhindert wird.

Gute Prognose bei frühzeitiger Therapie

Wird eine Hüftdysplasie rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, bleiben in den meisten Fällen keine Folgenschäden zurück. Dabei gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto kürzer ist die Therapiedauer. Denn das Hüftgelenk ist umso formbarer, je jünger das Kind ist.

Unbehandelt kann eine Hüftdysplasie jedoch zu vorzeitigem Hüftgelenksverschleiß (Coxarthrose) führen – unter Umständen bereits im dritten Lebensjahrzehnt. Nicht selten wird in diesen Fällen schon früh ein künstliches Hüftgelenk notwendig.

Sport bei Hüftdysplasie

Nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung müssen sich betroffene Kinder in der Regel beim Sport nicht einschränken. Besteht jedoch eine Restdysplasie oder haben die Kinder Schmerzen, sollten abhängig von den Beschwerden hüftbelastende Bewegungen vermieden werden. 

Dazu zählen Sportarten mit ruckartigen Belastungen wie bestimmte Ballspiele, Sprint-, Sprung- oder Kampfsportarten sowie Brustschwimmen und Abfahrtsskilauf. Empfehlenswert sind hingegen dynamische Bewegungsabläufe wie beim Radfahren, Wandern und Kraulschwimmen sowie gezielte Übungen zur Kräftigung und Dehnung der Hüftmuskulatur.  

Aktualisiert: 13.03.2018 – Autor: Jana Wittkowski

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