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Hirsutismus – Leben mit unerwünschter Körperbehaarung

Frau mit Hirsutismus beim Rasieren © istockphoto, serhathosgul (Symbolfoto)

Frauen mit Bärten galten schon vor langer Zeit als kuriose Laune der Natur. Oft wurden sie als "bärtige Damen" auf Jahrmärkten zur Schau gestellt und dem Spott anderer preis gegeben. Auch heute im 21. Jahrhundert können viele Betroffene kaum ein normales Leben führen. Sie verstecken sich, schämen sich für ihr Aussehen, ein normales Sexualleben ist für viele Betroffene von Hirsutismus nur ein unerfüllbarer Traum. Dabei ist Hirsutismus – ein hormonell bedingter übermäßiger Haarwuchs an bestimmten Körperpartien – ein medizinisches Problem, das durchaus zu behandeln ist.

Starke Behaarung bei Hirsutismus

Bei Frauen mit Hirsutismus zeigt sich auf der Oberlippe ein dunkler Damenbart, der Haaransatz zieht sich langsam immer weiter nach oben und hinten zurück. Am Körper nimmt die Behaarung immer mehr zu: auf den Armen, auf der Brust, am Rücken. Viele Frauen leiden auch psychisch unter diesem männlichen Erscheinungsbild.

Viele Frauen mit Hirsutismus kämpfen zudem mit allen möglichen Mitteln, Salben und Vitaminpräparaten gegen Akne, ein Hautproblem, das die meisten Menschen mit der Pubertät hinter sich lassen.

Mit der Pubertät beginnt der Haarwuchs

Hirsutismus beginnt bei den meisten Betroffenen schleichend: Die ersten Zeichen zeigen sich in typischen Fällen während die Hormone ihre erste Wirkung entfalten und die Pubertät einsetzt. Die Zunahme unerwünschter Behaarung im Gesicht, Haarwuchs an den Beinen und oft sogar am ganzen Körper verstärkt sich im Laufe der Zeit.

Die Frauen haben das Gefühl, mit ihren Versuchen der Behandlung wie Enthaarungscremes oder dem Bleichen der Haare im Gesicht und an den Armen den Haarwuchs nur zu verstärken. Dies hat allerdings nichts mit dem Eingreifen der Betroffenen zu tun, sondern viel mehr mit der Wirkung der körpereigenen Hormone.

Wie der Körper jeder Frau, so produzieren auch die Hormondrüsen der Hirsutismus-Patentinnen sowohl weibliches, als auch kleinste Mengen männliches Hormon (Testosteron). Die Ursachen des Hirsutismus liegen in 95 Prozent der Fälle im Bereich dieser hormonellen Steuerung. Dabei schüttet der Körper der meisten Frauen nicht übermäßig viel Teststeron aus, wie die Medizin lange Zeit dachte. Vielmehr reagiert die Haut in solchen Fällen einfach ausgesprochen stark auf diese eigentlich normalen Testosteron-Mengen.

Hirsutismus: Körperbehaarung als Leidensfaktor

Die Folgen dieser übersensiblen Haut machen für die betroffenen Frauen oft das ganze Leben kompliziert. Gerade in einem Alter, in dem Mädchen lernen müssen, mit den körperlichen Folgen der Pubertät umzugehen und erste Erfahrungen mit der Sexualität machen möchten, werden Betroffene von Hirsutismus oft ins soziale Abseits gedrängt.

Akne im Gesicht und starke Körperbehaarung, nicht nur in der Schamgegend, sondern auch an den Beinen, im Gesicht, in schlimmen Fällen sogar Haarwuchs auf Brust und Rücken machen einen entspannten Umgang mit der eigenen Körperlichkeit nahezu unmöglich. Die Akne, die oft neben dem Gesicht auch Brust und Rücken befällt, wird oft mit Hygienemängeln verwechselt. So fühlen sich betroffene Frauen und Mädchen oft sozial isoliert.

PCO-Syndrom als eine der Ursachen

Doch der Hirsutismus ist kein Schicksal, das einfach hingenommen werden muss. Es gibt mehrere Behandlungsansätze, um dem Haarwuchs entgegen zu wirken. Als Erstes muss sichergestellt werden, dass die Probleme der Patientin wirklich von einer übermäßigen Reaktion auf normale Testosteron-Mengen stammt. Ein einfacher Bluttest kann dies belegen.

Die zweithäufigste Ursache für Hirsutismus ist das sogenannte Polyzystische Ovarsyndrom (kurz: PCO-Syndrom, PCOS). Diese Fehlfunktion der Eierstöcke kann in einer frauenärztlichen Untersuchung mit Ultraschall festgestellt werden.

Oft geht das PCO-Syndrom (PCOS) mit Übergewicht und Störungen des Stoffwechsel Hand in Hand. Die Überempfindlichkeit und das PCO-Syndrom (PCOS) zusammen machen rund 95 Prozent aller Fälle von Hirsutismus aus.

Oft tritt dieses Krankheitsbild auch in den Wechseljahren auf, wenn die eigene Hormonproduktion nachlässt. Andere Ursachen, zum Beispiel ein Hirustismus, der in der Schwangerschaft auftritt, oder Zubildungen, die Hormone produzieren, sind ausgesprochen selten.

Aktualisiert: 04.10.2019 – Autor: Susanne E. Kaiser

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