Hormontherapie in den Wechseljahren

Ärztliche Beratung zur Hormontherapie in den Wechseljahren © istockphoto, AlexRaths

In der Diskussion um die Hormonbehandlung von Frauen in den Wechseljahren hat es eine entscheidende Wende gegeben: Ab sofort soll eine solche Behandlung nur noch bei ausgeprägten Beschwerden erfolgen. Zu diesem Schluss kommt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Gründe für diese deutliche Neubewertung sind die Risiken, die in mehreren veröffentlichten Studien aufgezeigt wurden: Nach diesen erhöht die Hormonbehandlung in den Wechseljahren das Risiko an Brustkrebs und Eierstockkrebs zu erkranken. Außerdem kommt es vermehrt zu Thrombose, Schlaganfall und Herzinfarkt.

Klare Konsequenzen

Arzneimittel zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden sollen deshalb nur noch bei ausgeprägten Beschwerden angewendet werden und wenn die Lebensqualität durch die Beschwerden stark eingeschränkt wird. Und auch dann empfiehlt das BfArM, den Behandlungszeitraum so kurz wie möglich zu halten und dabei die niedrigste wirksame Dosis einzusetzen. Außerdem wurde angeordnet, dass die Arzneimittelhersteller in Zukunft in der Produktinformation sämtliche der oben genannten Risiken aufführen müssen.

Empfohlen wird außerdem, zu überprüfen, ob bei Frauen, die schon viele Jahre Hormone einnehmen, eine Beendigung der Behandlung möglich ist. Noch nicht ausdiskutiert ist, ob die Hormonbehandlung zur Vorbeugung einer Osteoporose, also des Knochenschwunds, weiterhin noch zu den klaren Anwendungsbereichen gezählt wird.

Hormontherapie: Studienergebnisse

Die Ergebnisse einer der weltweit größten Untersuchungen zur Hormonbehandlung für Frauen in den Wechseljahren hat der jahrelangen Diskussion eine entscheidende Wendung gegeben. Denn die britische "One Million Study", an der mehr als eine Million Frauen teilnahmen, bestätigte, dass eine Behandlung mit den Hormonen in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko deutlich erhöht. Und zwar unabhängig davon, welche Hormone gegeben werden und ob die Behandlung über Tabletten oder Pflaster erfolgt. Ebenfalls unerheblich war, ob die Behandlung kontinuierlich erfolgte oder mit Einnahmepausen.

Erhöhtes Brustkrebsrisiko nach Hormonbehandlung

Schon nach einem Jahr Hormontherapie zeichnete sich ein Anstieg des Risikos ab, und je länger die Behandlung dauerte, desto größer wurde das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Dabei war das Risiko etwas geringer, wenn die Frauen ein Präparat erhielten, das lediglich Östrogen enthielt, als wenn sowohl Östrogen als auch Gestagen eingenommen wurden.

Beruhigend: Nach Absetzen der Hormonbehandlung sank das Brustkrebsrisiko wieder ab.

Nebenwirkungen der Hormontherapie

Eine weitere Studie, die großen Einfluss auf die jetzigen Entscheidungen hatte, war die so genannte "Woman' s Health Initiative". Daran nahmen 16.000 Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren teil. Ursprünglich sollte die Untersuchung über acht Jahre erfolgen. Aber sie wurde im vergangenen Jahr vorzeitig abgebrochen. Denn eine Zwischenauswertung der Daten nach fünf Jahren hatte ergeben, dass Frauen, die Hormone einnahmen, häufiger Brustkrebs bekamen als Frauen, die lediglich Placebo, also wirkstofffreie Tabletten, erhielten.

Weitere alarmierende Ergebnisse: Unter der Hormonbehandlung kam es vermehrt zu Schlaganfällen, Lungenembolien und Herzinfarkten, und das be sonders im ersten Behandlungsjahr. Die positiven Effekte waren, dass Frauen mit Hormonbehandlung seltener an Darmkrebs erkranken und auch seltener Knochenbrüche im Hüftbereich erlitten als Frauen ohne eine Behandlung. Trotzdem konnte dieser "Mehrwert" die Risiken in keiner Weise aufwiegen.

Hormontherapie: Wer aufhören möchte

Betroffene Frauen, die diese Diskussion zum Anlass nehmen wollen, die Behandlung zu beenden, sollten das Präparat nicht einfach absetzen. Gehen Sie zu Ihrem Frauenarzt und bitten Sie um ein ausführliches Gespräch. Für sich selbst sollten Sie zuvor klären, wie stark die Beschwerden Sie tatsächlich beeinträchtigen. Denn letztendlich wird eine Grundlage für die Entscheidung Ihres Arztes Ihr Wohlbefinden sein.

Aber denken Sie daran: Wechseljahresbeschwerden sind einmal stärker, einmal schwächer, und manchmal klingen sie schon nach wenigen Monaten vollständig ab. Vielleicht nehmen Sie schon längere Zeit Hormone, ohne sie wirklich noch zu benötigen? Oder Sie denken, dass die Beschwerden nur durch die Hormone besser geworden sind, dabei hat sich Ihr Körper schon umgestellt.

Hormontherapie nur unter Aufsicht absetzen

Gerade, wenn Sie schon mehrere Jahre eine Hormontherapie praktizieren, sollten Sie deshalb einen Auslassversuch wagen. Bitten Sie dazu Ihren Arzt um Hilfe. Er wird sie beraten, wie Sie am sanftesten die Behandlung beenden können. Denn prinzipiell sollten die Hormone nicht von einem auf den anderen Tag abgesetzt werden. Dies könnte, gerade, wenn zuvor hohe Hormondosen eingenommen wurden, wieder Beschwerden wie Schweißausbrüche und Hitzewallungen provozieren.

Besser ist es, langsam die Dosis zu reduzieren, und zu schauen, wie es einem dabei geht. Und sich stets dabei zu überlegen: Beeinträchtigen diese Beschwerden mein Leben tatsächlich so stark, wie ich dachte, oder ist es nur die Angst vor den Beschwerden? Vielleicht kommen Sie ja mittlerweile besser mit den störenden Symptomen zurecht, oder sie sind sogar ganz verschwunden.

Wenn es doch Hormone sein müssen

Trotzdem wird es auch weiterhin Betroffene geben, für die eine Hormontherapie die richtige Lösung ist. Besonders solche Frauen, die sehr stark unter den genannten Beschwerden leiden und beispielsweise im Berufsleben extrem beeinträchtigt sind. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Hormonbehandlung gut gegen Wechseljahresbeschwerden wie Schweißausbrüche, Hitzewallungen oder Schlafstörungen hilft und sich auch bewährt hat. Deshalb wird der Arzt mit der betroffenen Frau zusammen besprechen, ob im jeweiligen Fall eine Hormonbehandlung angebracht ist oder nicht.

Sollte eine längere Behandlung notwendig sein, muss jährlich überprüft werden, ob die Behandlung nach wie vor sinnvoll ist. Dabei sollte der Arzt die geringste mögliche Dosis verordnen.

Normalerweise wird eine Frau ein Präparat verschrieben bekommen, das Östrogen und an mindestens zehn Tagen pro Monat zusätzlich Gestagen enthält. Dies ist notwendig, um Neubildungen der Gebärmutter zu vorzubeugen. Wenn die Gebärmutter jedoch entfernt wurde, wird lediglich ein reines Östrogenpräparat verschrieben werden.

Frauen, die Hormone einnehmen, müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es dadurch zu Veränderungen des Brustgewebes kommen kann. Deshalb sollte eine Selbstuntersuchung der Brust selbstverständlich sein. Zusätzlich muss in regelmäßigen Abständen der Frauenarzt die Brust auf Veränderungen abtasten, und jährlich sollte unter einer Hormonbehandlung eine Mammographie erfolgen.

Hormontherapie: Risiken und Gegenanzeigen

Keinesfalls sollte eine Hormonbehandlung durchgeführt werden, wenn gewisse Kontraindikationen bestehen. Ganz gleich, wie stark und belastend die Symptome sind. Zu diesen Kontraindikationen, also Gründe, die eine Hormontherapie verbieten, zählen beispielsweise Brustkrebs und Eierstockkrebs. Auch Frauen, die in ihrer Vorgeschichte eine Gefäßerkrankung hatten, wie eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie, werden von einer Hormonbehandlung ausgeschlossen.

Gleiches gilt, wenn eine Frau vor kurzem einen Herzinfarkt hatte oder unter Angina pectoris leidet. Denn diese Erkrankungen erhöhen die bekannten Risikofaktoren einer Hormontherapie enorm. Eine besonders strenge Überwachung während einer Behandlung mit Hormonen ist nötig, wenn in der Familie eine enge Verwandte, also Mutter, Schwester oder Tochter, an Brustkrebs erkrankt sind.

Ebenfalls, wenn eine Frau raucht oder stark übergewichtig ist, denn dann sind die Risikofaktoren für eine Gefäßerkrankung höher als bei anderen Frauen. Eine weitere Erkrankung, bei der eine regelmäßige, engmaschige Betreuung notwendig ist, ist der Lupus Erythematodes, eine Autoimmunerkrankung. Die Behandlung muss sofort abgebrochen werden, wenn plötzlich sehr hohe Blutdruckwerte auftreten oder eine Frau erstmals starke migräneartige Kopfschmerzen bekommt. Denn dies können Vorboten für eine Gefäßstörung sein.

Übrigens: Die Einnahme von Hormonen zur Vorbeugung einer Osteoporose bedeutet stets eine Langzeitbehandlung. Denn nur über einen längeren Zeitraum kann sich die Schutzwirkung entfalten. Da eine längere Behandlung auch mit einem größeren Risiko von Nebenwirkungen einhergeht, sollte diese Behandlungsindikation sehr gut abgewogen werden. Prinzipiell ist hier über alternative vorbeugende Maßnahmen intensiv nachzudenken.

Hormontherapie: Gesunde Alternativen

Die besten Alternativen bei Wechseljahresbeschwerden sind - kurz gesagt - all jene, die das körperliche Wohlbefinden steigern, z.B. bewusste Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung. Das sind ganz natürliche Möglichkeiten, wie man einer Osteoporose vorbeugen kann, sich rundum leistungsfähiger fühlen und dem Körper über Wechseljahresbeschwerden wie Müdigkeit und Schlafstörungen hinweghelfen kann. Auch eine Reduktion des Kaffe- und Nikotinkonsums kann zu einer Linderung der Beschwerden führen.

Ernährung: Bei der Ernährung sollte zur Vorbeugung einer Osteoporose beispielsweise auf eine genügende Kalziumzufuhr geachtet werden. Kalzium ist in Milch und Milchprodukten enthalten. Auch über kalziumreiches Mineralwasser kann dem Körper reichlich Kalzium zugeführt werden. Ansonsten ist eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung sinnvoll, die dem Körper die notwendigen Fitmacher für das tägliche Leben mitgibt.

Sport: Er ist ebenfalls ein wichtiger Faktor zur Vorbeugung einer Osteoporose. Aber nicht nur das: Sport hebt auch die Stimmung, man fühlt sich ausgeglichener und leistungsfähiger. Und viel Bewegung an der frischen Luft ist das beste Mittel gegen Schlafstörungen. Sportmediziner empfehlen mittlerweile Walking; 2,5 Stunden in der Woche sollten es aber schon sein - und je häufiger, desto besser. Denn Frauen, die nach den Wechseljahren regelmäßig Sport treiben, erleiden seltener einen Herzinfarkt als Frauen, die dies nicht tun, wie die Befragung von 70 000 gesunden Teilnehmerinnen der WHI (Women's Health Initiative) ergab. Der Pulsschlag sollte dabei 180 minus Lebensalter nicht überschreiten, dann ist die Belastung richtig und tut a uch dem Herzen gut.

Hormontherapie: Pflanzliche Alternativen

Es gibt auch pflanzliche Mittel, so genannte Phytopharmaka, um leichte Beschwerden in den Wechseljahren zu mildern. Häufig verschrieben werden Extrakte aus dem Wurzelstock von Cimicifuga racemosa, der Traubensilberkerze, die gegen Hitzewallungen, Schwitzen, Reizbarkeit und Scheidentrockenheit helfen. Sie enthalten Phytoöstrogene, also pflanzliche Östrogene. Auch eine knochenschützende Eigenschaft sollen die Präparate haben. Und man geht davon aus, dass Extrakte der Traubensilberkerze keine nachteilige Wirkung auf die Brustdrüsen haben.

Zu Präparaten aus Rotklee oder Soja, die ebenfalls Phytoöstrogene enthalten, gibt es unterschiedliche Meinungen bezüglich ihrer Wirksamkeit bei Wechseljahresbeschwerden. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigte beispielsweise, dass die pflanzlichen Östrogene aus Rotklee, das sind so genannte Isoflavone, gegen Hitzewallungen nicht mehr helfen als Plazebo. Mildernd soll hier jedoch Salbei wirken.

Sind Niedergeschlagenheit und Depressionen mit im Spiel, sollte der Arzt gefragt werden, ob ein Therapieversuch mit Johanniskraut sinnvoll ist. Wichtig ist jedoch, zu wissen, dass bei einer Behandlung mit pflanzlichen Präparaten die Wirkung erst nach einer längeren Einnahmezeit eintritt. Etwa vier bis sechs Wochen dauert es im Schnitt, bis es zu einer ersten Linderung kommt.

Ein Abschnitt des Lebens

Vielleicht hilft es manchen Frauen, daran zu denken, dass die Wechseljahre wie die Pubertät zum Leben dazu gehören. Beides sind keine Krankheiten, sondern Abschnitte in bestimmten Lebensphasen. Problematisch ist natürlich, dass die beiden Phasen unterschiedlich bewertet werden: Denn die Pubertät ist das Tor zum Leben, quasi der Frühling, in dem alles erwacht. Die Wechseljahre hingegen kündigen an: Der Sommer des Lebens ist vorbei, es geht hinein in den Herbst. Aber: Auch der Herbst hat viele wunderschöne Sonnentage, und bei der heutigen Lebenserwartung können das noch ziemlich viele sein!

Aktualisiert: 31.08.2012 – Autor: Quellen: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

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