Minipille, Gestagen-Pille & Co. – welche Pilleanarten gibt es?

Frau mit verschiedenen Pillenarten © Getty Images/Rattanakun Thongbun / EyeEm

Es gibt verschiedene Pillenarten, die je nach individuellen Bedürfnissen verschrieben werden können. Dazu gehören die Kombinationspille, die Minipille sowie die Gestagen-Pille. Was ist der Unterschied, was sind Einphasen- und Mehrphasenpillen und wie unterscheidet sich die Einnahmedauer? Und wie hoch ist die Sicherheit der unterschiedlichen Pillenarten? Das erfahren Sie im Folgenden.

Kombinationspillen

Die Kombinationspille ist die Pillenart, die am häufigsten verschrieben wird. Sie enthält sowohl Östrogen (Ethinylestradiol) als auch Gestagen. Welches Gestagen enthalten ist, ist von Produkt zu Produkt verschieden. Mittlerweile existiert auch eine Kombinationspille, die anstelle von Ethinylestradiol einen Östrogentyp enthält, der Estradiol – das Östrogen, das im Körper produziert wird – bereitstellt.

Die Kombinationspille enthält künstliche Östrogene und Gestagene. Beide Hormone werden auch vermehrt während einer Schwangerschaft durch den Körper gebildet. Bei Einnahme der Kombinationspille wird dem Körper also quasi eine Schwangerschaft "vorgegaukelt". Das künstlich zugeführte Östrogen verhindert, dass ein Eisprung stattfindet und sich eine Eizelle entwickelt. Das in der Pille enthaltene Gestagen verdickt den Zervixschleim. Dadurch können beim Geschlechtsverkehr keine Spermien die Gebärmutter erreichen.

Der Pearl-Index der Kombinationspille liegt bei 0,1 bis 0,9. Das heißt, statistisch gesehen werden eine bis maximal neun von 1.000 Frauen trotz Einnahme der Pille schwanger.

Mikropille

Bei der Mikropille handelt es sich ebenfalls um eine Kombinationspille. Die enthaltene Hormonkonzentration ist im Vergleich zur herkömmlichen Kombinationspille jedoch geringer. Die Sicherheit der Mikropille entspricht dem Pearl-Index der Kombinationspille.

Östrogenfreie Pillen

Neben den Kombinationspillen gibt es noch östrogenfreie Pillen. Sie werden meist Frauen verschrieben, die aus bestimmten Gründen kein Östrogen einnehmen dürfen oder wollen. Häufig werden sie Frauen in der Stillzeit verschrieben, weil Gestagene nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch übergehen.

Da in diesen Verhütungsmitteln kein Östrogen enthalten ist, findet meist weiterhin ein Eisprung statt. Eine Einnahmepause ist nicht notwendig, östrogenfreie Pillen werden also durchgängig eingenommen. Zwischenblutungen und Schmierblutungen sind jedoch ebenso wie verkürzte oder verlängerte Zyklen möglich. Zudem kann die Periode auch ganz ausbleiben, auch wenn keine Schwangerschaft vorliegt.

Man unterscheidet bei östrogenfreien Pillen zwischen der Minipille und der höher dosierten Gestagen-Pille.

Minipille

Durch ihre geringe Hormonkonzentration beeinflusst sie die körpereigene Hormonproduktion kaum.

Da ein Eisprung stattfindet, ist bei Einnahme der Minipille eine Befruchtung möglich, wenn sie nicht in einem festen Zeitfenster eingenommen wird. Insgesamt gilt die Minipille deshalb als etwas unsicherer als die Kombinationspille.

Ihr Pearl-Index liegt zwischen 0,5 und 3. Dies ist vor allem darin begründet, dass die Wirksamkeit wirklich nur gewährleistet ist, wenn die Minipille innerhalb eines festen Zeitrahmen von maximal drei Stunden eingenommen wird.

Gestagen-Pillen

Daneben gibt es mittlerweile höher dosierte Gestagen-Pillen. Sie enthalten den Wirkstoff Desogestrel. Durch die höhere Dosierung nimmt die Wirksamkeit wie bei der Kombinationspille erst bei einer verspäteten Einnahme von mindestens zwölf Stunden ab. Bei vielen Frauen ist sie deshalb beliebter als die Minipille, weil eine höhere Flexibilität mit der Einnahme verbunden ist.

Zudem verhindert die höhere Gestagenkonzentration, dass die Eizelle ausreifen kann. Der Pearl-Index der Gestagen-Pille liegt damit bei korrekter Anwendung bei 0,5.

Einphasen- und Mehrphasenpille

Bei der Antibabypille gibt es jedoch nicht nur Unterschiede bezüglich der enthaltenen Hormone, sondern auch bezüglich deren Dosierung. Am häufigsten werden Einphasenpillen (monophasisch) verschrieben, bei denen alle eingenommenen Pillen den gleichen Hormongehalt haben.

Bei Mehrphasenpillen (multiphasisch) verändern sich dagegen die Art der enthaltenen Hormone sowie deren Gehalt. Deswegen müssen die einzelnen Pillen unbedingt in der richtigen Reihenfolge eingenommen werden. Um die Einnahme zu erleichtern, haben die Pillen in den verschiedenen Phasen den Zyklus unterschiedliche Farben. Im Gegensatz zu den Einphasenpillen werden bei den Mehrphasenpillen die natürlichen Schwankungen des weiblichen Hormonspiegels berücksichtigt.

Einnahmedauer: 21+7, 24+4 und 26+2

Bei den Kombinationspillen gibt es schließlich noch Unterschiede bezüglich der Einnahmedauer. Am weitesten verbreitet ist das Schema 21+7. Dabei wird die Pille 21 Tage am Stück eingenommen, danach wird eine Pillenpause von sieben Tagen eingelegt.

Alternativ gibt es auch einige Präparate, die sieben Placebo-Pillen ohne Wirkstoff enthalten, so dass eine kontinuierliche Einnahme erfolgen kann. Während der sieben Tage, in denen keine beziehungsweise die Placebo-Pillen eingenommen werden, findet die Monatsblutung statt.

Beim 24+4 Schema werden über einen Zeitraum von 24 Tagen hormonhaltige Pillen eingenommen, danach erfolgt eine Pause von vier Tagen, in denen Placebo-Tabletten eingenommen werden. Während dieser Zeit findet die Monatsblutung statt.

Ein ähnliches System liegt auch dem 26+2 Schema zugrunde. Hierbei werden 26 Tage lang Pillen mit unterschiedlicher Hormonkonzentration eingenommen. Danach folgen zwei Tage, in denen hormonfreie Placebo-Pillen eingenommen werden.

Aktualisiert: 05.08.2021 - Autoren: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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