Boreout – Langeweile am Arbeitsplatz

Mann mit Boreout © rawpixel

Nach der Erwerbstätigenbefragung 2007 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und des Bundesinstitutes für Berufsbildung fühlt sich fast jeder siebte Mitarbeiter in Deutschland angesichts seiner Qualifikation unterfordert. Unterforderung, Langeweile und Desinteresse kennzeichnen den Zustand der Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, den man als Boreout bezeichnet.
"Ab und zu habe ich für ca. ein oder zwei Stunden etwas zu tun. Den Rest der Zeit surfe ich im Internet, suche Schnäppchen in Online-Shops, plane den nächsten Urlaub. Es gibt nichts zu tun. Was ich tue ist total irrelevant. Mein Telefon klingelt manchmal tagelang nicht...". Dies schreibt eine verzweifelte Teilnehmerin im Forum "Boreout“.

Definition: Was ist Boreout?

Boreout – ein neues Kunstwort für ein nicht mehr ganz so neues Phänomen, das Männer wie Frauen in ihrem Arbeitsleben befällt. Es geht um Unterforderung, Langeweile und Desinteresse, drei Elemente, die sich zum "Ausgelangweltsein“ – so die Übersetzung von Boreout – verdichten. Wohlgemerkt geht es hierbei nicht um Faulheit, denn der Betroffene möchte eigentlich arbeiten, sucht Herausforderung und Anerkennung.

Doch schleichend, manchmal über Jahre, setzen Verhaltensstrategien ein, die der Arbeitnehmer anwendet, um bei der Arbeit ausgelastet zu wirken und sich Arbeit vom Leib zu halten. Das klingt zunächst paradox. Aber wer möchte schon zugeben, dass er nichts zu tun hat, sich maßlos langweilt und die Arbeit völlig uninteressant findet? Die Angst vor dem Jobverlust ist ja schließlich auch nicht unbegründet.

Boreout: Symptome

Es scheint also strategisch viel sinnvoller zu sein, Stress und Vollbeschäftigung vorzutäuschen. Da wird dann die Tastatur am PC lautstark bedient, obwohl man nur private E-Mails verschickt, man schaut konzentriert auf Unterlagen, die die darunter liegenden Zeitschriften verdecken, zur Tarnung liegen kompliziert aussehende Excel-Tabellen herum während man die Preise für Staubsauger vergleicht und Testberichte studiert.

Echten Stress empfinden Boreout-Betroffene nicht, im Gegenteil. "Stress ist nicht gleich negativ, richtig dosiert steigert er sogar die Leistungsfähigkeit. Jede körperliche oder geistige Anstrengung, jede Problemlösung benötigt eine gewisse Stressenergie, und berufliche Herausforderungen können richtig beflügeln“, erklärt eine Diplompsychologin bei der Techniker Krankenkasse (TK). Und Stress im Job gehört zum guten Ton und signalisiert, dass man unentbehrlich ist. Ein gewisses Maß an Stress ist daher für viele Menschen durchaus positiv und vermittelt ihnen das Gefühl, etwas geschafft zu haben und dafür wertgeschätzt zu werden.

Hier steckt der springende Punkt: die Wertschätzung, die man in vielen beruflichen Tätigkeiten nicht erhält. Dazu erklärt Philippe Rothlin, der zusammen mit Autor Peter R. Werder das Buch Diagnose Boreout geschrieben hat: "Die Betroffenen fühlen sich ausgelaugt, unzufrieden und sind frustriert, weil die Anerkennung fehlt, weil sie ihr Wissen nicht anwenden können."

Aktualisiert: 05.01.2017 – Autor: bo

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