Wurfdisziplinen der Leichtathletik

Unter anderem aus Homers Ilias wissen wir, dass bereits in der Antike Wurf- und Stoßwettbewerbe mit Steinen veranstaltet wurden. In der modernen Leichtathletik gibt es vier verschiedene Wurfdisziplinen: Kugelstoßen, Hammerwurf, Diskuswurf und Speerwurf. Wir geben Tipps für die Gesundheit zu jeder dieser Wurfdisziplinen der Leichtathletik.

Kugelstoßen

Beim Kugelstoßen wird eine 7,257 kg schwere Kugel (entspricht 16 Pfund) bei den Herren, beziehungsweise eine vier kg schwere Metallkugel bei den Damen, so weit wie möglich gestoßen, indem der Athlet seinen Arm explosionsartig streckt. Der Durchmesser der Kugel liegt zwischen 110-130mm bei den Herren und zwischen 95-110mm bei den Damen. Zum Schwungholen steht ein Kreis von 2,13m (sieben Fuß) zur Verfügung, der nicht übertreten werden darf und nach Aufprall der Kugel nach hinten verlassen werden muss. Bei den Männern liegt der Weltrekord bei 23,12m, bei den Frauen beträgt er 22,63m.

Durch die erhöhte körperliche Beanspruchung ist bei allen Wurfdisziplinen vor allem die obere Extremität gefährdet. Die Rotationsbewegung führt zu Problemen der Lendenwirbelsäule und Blockierungsphänomenen. Typisch sind auch Verletzungen von Hand- und Fingergelenken. Daneben kommt es zu Muskelverletzungen der Adduktoren, wobei besonders das Stemmbein betroffen ist. Langfristig gesehen entstehen häufig infolge von Überlastungsschäden Radiokarpalathrosen.

Hammerwurf

Zwar ist Hammerwerfen heute olympische Disziplin, der Ursprung liegt jedoch im mittelalterlichen Irland und Schottland. Damals wurden Schmiedehammer-Weitwurfwettbewerbe ausgetragen, bevor man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Gewichten an einem Stiel überging. Der heutige Wurfhammer besteht aus einer Metallkugel an einem Stahldraht. Die Gewichte des Hammerwurfs entsprechen exakt jenen im Kugelstoßen, ebenso ist der Durchmesser des Aushol-Kreises der gleiche. Das Drahtseil ist 1,219m lang (vier Fuß) und wird vom Athleten mit beiden Händen festgehalten.

Hammerwerfen ist die einzige Wurfdisziplin, in der das Tragen von Handschuhen erlaubt ist; alternativ können die Sportler auch Bandagen verwenden. Neben den oben genannten typischen Verletzungen bei den Wurfdisziplinen ist besonders die Rumpfmuskulatur einer starken Belastung durch die hohen Fliehkräfte ausgesetzt. Auch die Fingersehnen und –Kapseln können leicht Schaden nehmen. Ellbogengelenkathrose kann als möglicher Spätschaden auftreten, ebenso leiden häufig die Hüften unter Spätfolgen.

Diskuswurf

Diskuswerfen lässt sich seit 708 v. Chr. als olympische Disziplin nachweisen. Das griechische Wort Diskos beschreibt eine Platte oder Scheibe, die in der Antike aus Bronze bestand und fünf bis sechs Kilo wog. Der heutige Diskus bringt hingegen nur zwei Kilo bei den Herren und ein Kilo bei den Damen auf die Waage und ist auch wesentlich kleiner als die antike Scheibe.

Der Diskuswerfer wurde in der Antike als der Athlet schlechthin betrachtet. Ein Diskus konnte auch als Waffe Verwendung finden und in Kampfspielen zum Einsatz kommen. In der griechischen Mythologie kam es hingegen zu unbeabsichtigten Todesfällen, etwa als Perseus seinen Großvater Akrisios versehentlich mit einem Diskus traf.

Beim Diskuswurf kommt es vor allem auf die richtige Technik an, um den Diskus bei der 1,5fachen Körperdrehung um die eigene Achse im 2,5m Durchmesser großen Kreis zu einer größtmöglichen Beschleunigung zu bringen. Der Diskuswurf birgt die oben beschriebenen allgemeinen Risiken der Wurfdisziplinen, ist aber unter diesen der verletzungsärmste.

Speerwurf

Der Speer wurde schon in der Steinzeit als Waffe gebraucht. Die griechische Mythologie beschreibt Herakles als herausragenden Speerwerfer. Die Länge des Speers beträgt bei Männern 2,70m-2,80m, bei Frauen 2,20m-2,30m. Das Gewicht beträgt 800g beziehungsweise 600g.

Der Speer muss in der Mitte gefasst und nach einem kurzen Anlauf mit der Spitze in Wurfrichtung abgeworfen werden. Unter den verschiedenen Griffarten ist der Daumen-Zeigefinger-Griff der am häufigsten angewandte. Speerwerfen birgt unter den Wurfdisziplinen die meisten Verletzungsrisiken und Gefahren für Langzeitschäden in sich. Da der Speer teilweise über Kopfhöhe gehalten wird, kommt es häufig zu Sehnenverletzungen der Rotatorenmanschette.

Typisch sind des Weiteren Verletzungen des Wurfarms und des Ellbogens. Zudem leiden Speerwerfer oft unter Wirbelgleiten mit Folgen für die Bandscheiben, im unteren Lendenwirbelbereich kann es bisweilen zu knöchernen Abrissen kommen. Langwierige Beschwerden entstehen zudem durch extreme Belastungen der Ellbogenkapseln und des ulnaren Seitenbandes. Als Spätfolge sind schwere Fälle von Arthrose in Schulter, Ellbogen oder Hüftgelenk nicht selten.

Aktualisiert: 18.05.2012 – Autor: Daniela Heinisch

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