Tierhaarallergie

Mann mit Hund © istockphoto, Geber86

Sie sind nicht nur unsere Hausgenossen, sondern auch unsere Freunde und viele Menschen pflegen einen relativ engen Körperkontakt zu ihrem vierbeinigen Hausgenossen. Das kann bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen führen. Nach Schätzungen leiden in Deutschland über zehn Prozent der Haustierhalter an einer Tierhaarallergie.

Auslöser sind nicht die Tierhaare

Eine häufige Fehlinformation ist, dass langhaarige Tiere dem Allergiker mehr Probleme bereiten als kurzhaarige. Der Auslöser bei der Tierhaarallergie ist nämlich nicht das Tierhaar selbst, sondern eiweißhaltige Bestandteile des Schweißes, Talges, Speichels oder des Urins unserer tierischen Lieblinge. Diese bleiben an den Haaren haften und verteilen sich in der Luft als Staub.

Landen sie auf den Schleimhäuten der Augen, der Nase oder der Bronchien, so können sie eine allergische Reaktion auslösen, wenn der Betreffende auf die jeweilige Tierart sensibilisiert ist.

Tierhaarallergien – Ursachen

Allergien sind allgemein als Immunreaktion auf an sich nicht schädliche Faktoren zu verstehen, die den jeweiligen Organismus zum Teil stark belasten können. Allergien sind immer erworben, das heißt sie beruhen auf der Bildung von Antikörpern, was im Falle einer Tierhaarallergie durch die Einwirkung bestimmter tierischer Eiweiße auf den Organismus verursacht wird. Ein Indikator für die allergische Reaktion ist die Erhöhung des sogenannten IgE, ein Immunglobulin, welches im Blut gemessen werden kann.

Symptome einer Tierhaarallergie

Erste Symptome für eine Tierhaarallergie sind:

  • gerötete Augen
  • Fließschnupfen
  • Nesselausschlag
  • Niesattacken

Bei anhaltendem Kontakt zum Tier verschlechtert sich der Zustand, es können vermehrt Asthma-Anfälle auftreten, die sich durch eine anfallsartige, schwere Atemnot mit einer Verengung der Atemwege äußern. Eine Tierhaarallergie ist im Regelfall leicht zu erkennen, da die jeweiligen Symptome meist sofort auftreten, wenn der Betroffene mit dem Tierallergen in Berührung kommt.

Tierhaarallergien: nicht nur bei Haustierbesitzern

Viele Menschen entwickeln jedoch eine Tierhaarallergie, ohne dass ein Kontakt zu den jeweiligen Tieren vorliegt. Hier ist eine Diagnose weitaus schwerer zu stellen. Vor allem bei einer Katzenallergie reicht oftmals ein geringer Allergenkontakt, zum Beispiel durch Nachbarn oder Freunde, die eine Katze halten. Auch in der Schule oder am Arbeitsplatz kann eine Sensibilisierung auf Katzenhaare stattfinden, da die Katzenallergene gehäuft an der Kleidung von Katzenfreunden haften bleiben und weiter transportiert werden können.

Im Gegensatz zu den klassischen "Indoor-Allergien" (zum Beispiel Allergien gegen Hausstaubmilben oder Schimmelpilze) beschränkt sich also das Auftreten von Tierhaarallergien nicht auf die eigenen vier Wände.

Welche Tiere lösen häufig allergische Reaktionen aus?

Katzen: Die wichtigsten Auslöser von Tierhaarallergien sind Katzen. Katzenallergene befinden sich durch ihre besonders guten Schwebeigenschaften noch Monate nach Abschaffung des Tieres in der Wohnung. Die Katzenhaare finden sich im Schwebstaub, auf Teppichen, Möbel n und Tapeten. Auch Räume, in denen die Katze niemals war, sind nicht frei von Katzenallergenen. Bei der Sensibilisierung können Rassenunterschiede von Katzen eine Rolle spielen, da es Unterschiede zwischen der Allgergenstruktur verschiedener Katzenrassen, manchmal sogar verschiedener Katzenindividuen gibt. Praktisch kann dies bedeuten, dass bei einer vorhandenen Katzenallergie nicht jede Katze eine allergische Reaktion bewirken muss.

Hunde: Auch der Hund, der beste Freund des Menschen, löst häufig eine Allergie aus, doch äußert sich diese insgesamt weniger aggressiv im Vergleich zur Katzenallergie, d.h. es kommt nur zu leichteren Allergiesymptomen. Auch hier kann eine Allergie rassenspezifisch sein.

Meerschweinchen: Allergien gegen Meerschweinchen sind nicht selten und können sich durch eine relativ starke Reaktion äußern. Hier ist das Allergen ein im Urin vorkommendes Eiweißmolekül.

Vögel: Vögel können durch ihre Federn und ihren Kot ebenfalls Allergien auslösen. Auch Vogelmilben können die Ursache sein. Die allergische Reaktion auf Tauben ist besonders hervorzuheben.

Einerseits gibt es hier die "normale" allergische Reaktion auf das Taubenantigen, andererseits, doch glücklicherweise selten, können insbesondere Taubenzüchter an einer Allergie erkranken, die nur bedingt mit den Tauben zusammenhängt. Dabei stellen speziell im Taubenkot befindliche Substanzen und bestimmte Schimmelpilze in getrocknetem Zustand einen gefährlichen Staub dar, der durch Störung des in den Lungenalveolen stattfindenden Gasaustausches zu Atemschwierigkeiten führen kann ("Taubenzüchter- oder Vogelhalterlunge"). Wird bei diesem Krankheitsbild ein weiterer Kontakt zu den Tieren nicht vermieden, kann es zu einem lebensbedrohlichen Krankheitszustand kommen.

Wie wird eine Tierhaarallergie sicher diagnostiziert und behandelt?

Der Verdacht auf eine Tierhaarallergie liegt vor, wenn eines oder mehrere der genannten Symptome bei Kontakt mit einem Tier auftreten. Durch Hauttests und Antikörpernachweis im Blut kann dieser Verdacht bestätigt werden. Eine vollkommen sichere Diagnose ist allerdings erst gestellt, wenn der Patient bei Meidung des entsprechenden Allergens vollkomen beschwerdefrei ist. In Ausnahmefällen wird auch ein Provokationstest vorgenommen. Dabei wird der verdächtige Stoff unter ärztlicher Aufsicht auf die Nasen- oder Bronchialschleimhäute aufgebracht.

Vorsichtsmaßnahmen und Tipps

Beachten Sie folgende Vorsichtsmaßnahmen und Tipps, wenn Sie als Haustierbesitzer an einer Tierhaarallergie leiden:

  • nach jedem Kontakt mit dem Tier die Hände waschen
  • Katzen draußen halten
  • Schlafzimmer strikt tierfrei halten
  • Wohnung mit wenig Möbeln und ohne Teppiche einrichten
  • Tiere so oft wie möglich waschen und kämmen
  • Körperkontakt mit dem Haustier so weit wie möglich meiden
  • Staubsauger mit besonders leistungsfähigen Filtereigenschaften anschaffen und täglich saugen.

Für schwer verlaufende Allergien und in Allergikerfamilien gilt jedoch der strikte Rat, auf ein Haustier ganz zu verzichten bzw. es abzuschaffen. Es wird zwar immer wieder darüber berichtet, dass auch ohne Trennung von dem geliebten Haustier eine schwere Tierhaarallergie überwunden werden konnte, doch riskierten die Betreffenden dabei viel, da es im Zweifelsfall auch zu lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen kommen kann. Nach Entfernung des Haustieres aus dem Haushalt sollten Polstermöbel, Teppiche, Matratzen und ähnliches Mobiliar einer intensiven Reinigung unterzogen werden.

Tierhaare aus der Wohnung entfernen

Trotzdem kann insbesondere bei einer Katzenallergie noch viele Wochen lang eine erhöhte Allergenkonzentration in der Wohnung vorliegen. Manchmal ist es in diesen Fällen notwendig, Teppiche zu entfernen und neu zu tapezieren sowie das Mobiliar (insbesondere Polstermöbel) weg zu geben. Tritt trotz Meidung von Tierkontakt eine Tierhaarallergie auf, so sind folgende Hinweise zu beachten:

  • Mit Rosshaar gefüllte Matratzen und Polstermöbel sollten gemieden werden.
  • Angorawolle von Kaninchen und Ziegen, Kleidung aus Alpaca-Wolle, Pelze, Schaffelle, Textilien und Teppiche aus unbearbeiteter Schafwolle - auch in Form von Filz - sowie Decken aus Kamelhaar meiden.
  • Bei Vorliegen einer Allergie gegen Federn Federbetten meiden; allergisierend wirkt hier besonders der feine Staub, der beim Ausschütteln der Betten entsteht. Oftmals wird fälschlicherweise eine Hausstaubmilbenallergie angenommen.
  • Als Bettzeug eignen sich waschbare Decken und Kissen mit Polyesterfüllung. Die Bettwäsche sollte häufig gewaschen werden.
  • Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Verwandte nach evtl. vorhandenen Haustieren fragen.
  • Straßenschuhe vor dem Betreten der Wohnung ausziehen.
  • Auf Zigarettenrauch verzichten, da die ständige Reizung der Atemwege den Allergenen den Angriff auf die Schleimhäute erleichtert.
  • Vorübergehend können Antihistaminika (Spray, Tabletten, Tropfen), antiallergische Augentropen oder abschwellende Nasentropfen Linderung bringen; dies gilt auch für Situationen, in denen ein gelegentlicher Kontakt mit dem Tierallergen nicht zu vermeiden ist.

Schwer verlaufende Fälle von Tierhaarallergie

Bei schwer verlaufenden Tierhaarallergien sollte eine spezifische Immuntherapie erwogen werden, damit der Betroffene einen Schutz bei zufälligem Kontakt mit der jeweiligen Tierart hat.

Auch bei Personen, bei denen die Meidung des Allergens aus den verschiedensten Gründen unmöglich ist, kommt die spezifische Immuntherapie in Frage. Sie gewährleistet eine Hyposensibilisierung des Patienten, indem ihm über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren das Allergen in steigenden Dosen unter ärztlicher Aufsicht verabreicht wird. Hierdurch können die allergischen Beschwerden völlig verschwinden.

Eventuell tritt aber auch nur eine bessere Allergentoleranz auf, was auch zu einer subjektiven Besserung der Beschwerden führen kann. Die Wirksamkeit von Laserresonanztherapie oder rohkostreicher Ernährung ist nicht wissenschaftlich belegt.

Aktualisiert: 08.12.2016

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?