Histaminintoleranz: Symptome und Behandlung der Unverträglichkeit

Frau mit Histaminintoleranz sitzt vor Käse und Rotwein
© Getty Images/Maryna Andriichenko

Eine Histaminintoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber dem Botenstoff Histamin, der in verschiedenen Lebensmitteln steckt. Eine solche Unverträglichkeit kann sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen, unter anderem durch Rötungen der Haut und Magen-Darm-Beschwerden. Auch die Psyche kann bei der Intoleranz eine Rolle spielen. Zur Behandlung der akuten Beschwerden kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, unter anderem Antihistaminika. Lesen Sie hier, an welchen Symptomen man eine Histaminunverträglichkeit erkennt und wie man sie richtig behandelt.

Was ist eine Histaminintoleranz?

Als Histaminintoleranz (auch HI oder Histaminose) wird die Unverträglichkeit gegenüber mit der Nahrung aufgenommenem Histamin bezeichnet. Histamin ist ein Botenstoff, der im Körper bei allergischen Reaktionen freigesetzt wird. Der zu den biogenen Aminen gehörende Stoff wird jedoch nicht nur im Körper produziert, sondern steckt auch in vielen Lebensmitteln. Histaminhaltige Lebensmittel werden von Menschen mit einer Histaminintoleranz nur schlecht vertragen. Bei ihnen kommt es nach dem Verzehr zu unangenehmen Symptomen wie Hautrötungen, Magen-Darm-Beschwerden oder einer verstopften Nase.

Schätzungen zufolge leidet in Deutschland mindestens ein Prozent der Bevölkerung an einer Histaminintoleranz. Der Großteil der Betroffenen – etwa 80 Prozent – ist weiblich. Besonders häufig sind Frauen mittleren Alters betroffen. Es wird vermutet, dass die Intoleranz meist nicht angeboren ist, sondern im Laufe des Lebens erworben wurde.

Ursachen: Wie kommt es zu einer Histaminunverträglichkeit?

Bei einer Histaminintoleranz treten nach dem Verzehr von Lebensmitteln, die viel Histamin enthalten, allergieähnliche Beschwerden auf. Im Gegensatz zu einer Allergie kommt es allerdings nicht zu einer Reaktion des Immunsystems – deswegen spricht man auch von einer Pseudoallergie. Denn nicht der Botenstoff an sich, sondern erst der gestörte Abbau und die damit einhergehende erhöhte Histamin-Konzentration im Blut sorgen dafür, dass es zu Beschwerden kommt.

Normalerweise wird Histamin im Dünndarm durch das Enzym DAO (Diaminoxidase) abgebaut. Bei einer Histaminintoleranz funktioniert dieser Abbau jedoch nicht mehr reibungslos und es sammelt sich Histamin im Körper an. Mögliche Ursachen sind ein Mangel an Enzymen im Körper sowie eine verringerte Enzymaktivität. Ein DAO-Mangel kann unter anderem durch chronische Darmerkrankungen hervorgerufen werden.

Gründe für eine verringerte Enzymaktivität

Eine verringerte Enzymaktivität deutet darauf hin, dass die Enzyme von anderen Stoffen beansprucht werden – beispielsweise durch Alkohol oder bestimmte Medikamente. So wird der Abbau des Histamins behindert. Einige Medikamente sorgen zudem dafür, dass im Körper gespeichertes Histamin freigesetzt wird.

Zu den Wirkstoffen, die mit einer Histaminintoleranz in Verbindung stehen können, zählen unter anderem:

  • bestimmte Schleimlöser (Acetylcystein, Ambroxol)
  • das Antidepressivum Amitriptylin
  • bestimmte Antibiotika (zum Beispiel Vancomycin, Neomycin)
  • Clavulansäure, das oft zusammen mit dem Antibiotikum Amoxicillin verabreicht wird
  • bestimmte Schmerzmittel (zum Beispiel Metamizol, Morphin, Diclophenac, Acetylsalicclsäure)
  • Metoclopramid, ein Mittel gegen Übelkeit und Verdauungsprobleme
  • das Beruhigungsmittel Diazepam
  • Propanidid, ein Mittel für intravenöse Kurznarkosen
  • bestimmte Mittel gegen hohen Blutdruck (zum Beispiel Verapamil, Alprenolol)
  • das harntreibende Mittel (Furosemid)

Auch Nesselsucht, eine Virus-Hepatitis oder eine Leberzirrhose können die Aktivität des Enzyms DAO vermindern.

Typische Symptome einer Histaminintoleranz

Die Symptome einer Histaminintoleranz treten immer dann auf, wenn sich zu viel Histamin im Blut befindet. Meist machen sie sich etwa eine Stunde nach dem Verzehr von besonders histaminhaltigen Lebensmitteln bemerkbar. Doch wie äußert sich eine Histaminunverträglichkeit? Welche Symptome auftreten, ist von Person zu Person verschieden. Besonders häufig kommt es bei einer Histaminintoleranz zu Symptomen wie:

  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Magen-Darm-Problemen (Durchfall, Blähungen, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe)
  • plötzlichen Hautrötungen mit Hitzegefühl (Flush)

Meist sind die Rötungen der Haut mit einem mehr oder weniger starken Juckreiz verbunden. Der Hautausschlag sieht oft aus wie hektische Flecken, es können auch Quaddeln zu erkennen sein. Die Hautrötungen entstehen oft im Gesicht, können aber am ganzen Körper auftreten und verschwinden meist innerhalb von 24 Stunden von selbst. Aufgrund der Magen-Darm-Beschwerden wird teils fälschlicherweise ein Reizdarm diagnostiziert.

Neben diesen Beschwerden kann sich eine Histaminintoleranz aber noch durch eine Reihe weiterer Symptome bemerkbar machen. Dazu gehören:

  • Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Herzrasen oder Herzstolpern
  • Schwindel
  • Erschöpfungszustände oder Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Gliederschmerzen
  • Asthma
  • Verstärkung der Regelschmerzen bei Frauen
  • eine verstopfte oder plötzlich laufende Nase

Diagnose: Test auf Histaminintoleranz

Die Diagnose einer Histaminunverträglichkeit erfolgt oft erst spät, weil die Symptome sehr unspezifisch sind und kein sicherer Test zum Nachweis der Intoleranz existiert. Oftmals sind die andauernden Symptome auch für die Psyche der Betroffenen sehr belastend.

Um eine Histaminintoleranz zu diagnostizieren, müssen zunächst andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen, ausgeschlossen werden. Dazu zählen unter anderem Nahrungsmittelallergien und weitere Nahrungsmittelintoleranzen (zum Beispiel Fruktoseintoleranz oder Laktoseintoleranz) sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder ein Magengeschwür.

Doch auch dann ist eine sichere Diagnose oft nicht möglich. Mithilfe eines Bluttests können unter anderem die Histaminabbaukapazität des Körpers (DAO-Aktivität im Blutserum) bestimmt sowie die Histaminkonzentration im Blut gemessen werden. Bei betroffenen Personen kann die Aktivität der verantwortlichen Enzyme etwa auf die Hälfte der normalen Aktivität reduziert sein. Die Aussagekraft solcher Tests gilt jedoch als gering und nicht ausreichend für eine sichere Diagnose.

Am besten kann daher eine Umstellung der Ernährung Hinweise liefern, ob eine Histaminintoleranz vorliegt. Dafür müssen für etwa vier Wochen histaminhaltige Lebensmittel so gut wie möglich vermieden werden (Karenz). Dazu sollte ein Ernährungstagebuch geführt werden, indem verspeiste Lebensmittel und Beschwerden festgehalten werden aber auch andere Einflussfaktoren wie beispielsweise psychische Ursachen (Stress), die Einnahme von Medikamenten oder die Menstruation. Verbessern sich durch diesen Test die Beschwerden und wurden andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten bereits ausgeschlossen, gilt es als wahrscheinlich, dass tatsächlich eine Histaminintoleranz vorliegt.

Ein anschließender Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht kann helfen, die individuell verträgliche Histaminmenge zu ermitteln.

Behandlung von Histaminintoleranz: Ernährungsumstellung in 3 Schritten

Nach der Diagnose einer Histaminintoleranz kommt es auf die richtige Behandlung der Unverträglichkeit an. Zu Beginn der Therapie erfolgt – am besten nach einer individuellen Ernährungsberatung – eine Ernährungsumstellung, die in drei Schritten vorgenommen wird. Oft wird diese Ernährungsumstellung auch bereits im Rahmen der Diagnosestellung durchgeführt.

Schritt 1 (Karenzphase): Um eine Histaminintoleranz erfolgreich behandeln zu können, sollte für mindestens zwei Wochen auf Lebensmittel, die besonders viel Histamin enthalten, verzichtet werden. Greifen Sie stattdessen auf Lebensmittel wie Kartoffeln oder Reis zurück, in denen nur wenig Histamin steckt. Durch diese Maßnahme wird der Histaminspiegel im Blut gesenkt. Achten Sie während dieser Phase darauf, dass Ihr Körper trotz der eingeschränkten Lebensmittelauswahl mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird.

Schritt 2 (Testphase): Nach dieser ersten Phase der Vermeidung sollten Betroffene langsam und vorsichtig austesten, welche Lebensmittel sie außerdem noch vertragen. Ergänzen Sie dazu Ihre Diät in den nächsten vier bis acht Wochen vereinzelt um neue Lebensmittel. Achten Sie darauf, Ihren Körper zu Beginn nicht gleich zu überfordern: Probieren Sie nicht zu viele Lebensmittel auf einmal aus und nehmen Sie die ausgewählten Lebensmittel nur in kleinen Mengen zu sich.
Beobachten Sie dabei genau, wie Sie auf die einzelnen Lebensmittel reagieren. Sie können in einem Ernährungstagebuch festhalten, welche Lebensmittel Sie gegessen haben, wie groß die Menge war und ob danach Beschwerden aufgetreten sind oder nicht. Auch Begleitumstände wie beispielsweise Stress können Sie in dem Tagebuch notieren.

Schritt 3 (Dauerphase): Mithilfe einer Ernährungsberatung oder einer ärztlichen Beratung lässt sich aus den gesammelten Erkenntnissen ableiten, welche Lebensmittel gut vertragen werden. So kann eine individuelle Ernährungsempfehlung entwickelt werden.

Vitamin B6 und Vitamin C bei Histaminintoleranz

Neben einer Umstellung der Ernährung können sich auch die zusätzliche Zufuhr von Vitamin B6 und Vitamin C oder eine medikamentöse Behandlung als hilfreich erweisen.

Untersuchungen haben ergeben, dass viele Betroffene einen zu niedrigen Vitamin-B6-Spiegel im Blut haben. Vitamin B6 wirkt als Coenzym für Diaminoxidase und fördert somit den Abbau von Histamin. In einigen Fällen ist deswegen die Zuführung von hochdosiertem Vitamin B6 sinnvoll. Das Vitamin sollte jedoch nur verabreicht werden, wenn der Spiegel im Blut tatsächlich zu niedrig ist. Dies lässt sich durch einen Bluttest feststellen.

Ähnlich wie Vitamin B6 haben viele Personen, die an einer Histaminintoleranz leiden, auch zu wenig Vitamin C im Blut. Es wird vermutet, dass durch die Gabe von Vitamin C Histamin im Körper ebenfalls schneller abgebaut werden kann.

Medikamente bei Histaminintoleranz

In manchen Situationen – beispielsweise auf Reisen – ist es nicht möglich, nur die Lebensmittel zu sich zu nehmen, die man gut verträgt. Zudem treten bei einigen Betroffenen auch nach der Nahrungsumstellung weiterhin Beschwerden auf. Manchmal ist es auch nicht möglich, auf die Medikamente, die eine Histaminunverträglichkeit begünstigen, zu verzichten. In solchen Fällen können die Symptome kurzzeitig mit Medikamenten behandelt werden. Dafür kommen entweder Antihistaminika oder eine Enzymersatztherapie in Frage.

Antihistaminika sorgen dafür, dass das Histamin im Körper nicht mehr seine volle Wirkung entfalten kann. Sie sind insbesondere dann geeignet, wenn es zu Symptomen wie Hautausschlägen, allergischem Schupfen, Kopfschmerzen oder Schwindel kommt. Die Tabletten wirken auch dann, wenn die Symptome bereits auftreten. Einige Antihistaminika, wie etwa Cetirizin, sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Alternativ besteht die Möglichkeit, dem Körper die benötigten Enzyme über Kapseln (DAO-Präparate) zuzuführen. Dies empfiehlt sich vor allem vor dem Verzehr von stark histaminhaltigen Speisen, auf die man trotz Unverträglichkeit nicht verzichten möchte. Diese Nahrungsergänzungsmittel wirken also nur vorbeugend.

Ob eine Therapie der Histaminintoleranz mit Medikamenten sinnvoll ist und welche Tabletten dann geeignet sind, sollte in einem ärztlichen Gespräch geklärt werden. Keines der Medikamente ist geeignet, eine Histaminintoleranz zu heilen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensmittelunverträglichkeiten kann es bei einer Histaminintoleranz zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen. In solchen Fällen wird ein schnell wirkendes Antihistaminikum verschrieben.

Da neben Lebensmitteln auch Medikamente die Ursache der Histaminintoleranz sein können, sollten entsprechende Medikamente nach Möglichkeit vermieden werden. Setzen Sie verschriebene Mittel jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache ab.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
T78.1

Aktualisiert: 06.10.2021 - Autoren: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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