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Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergie gegen Obst © istockphoto, kemalbas

Eine allergische Reaktion kann man allgemein als eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems (körpereigene Abwehr) betrachten, welches eigentlich schädliche Substanzen erkennen und vernichten soll. Bei einer Nahrungsmittelallergie können schon kleinste Konzentrationen eines Lebensmittels in kurzer Zeit zu allergischen Körperreaktionen führen.

Wer ist betroffen?

Jeder Vierte in Deutschland glaubt, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, doch sind von echten allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel nur circa drei bis zehn Prozent der Kinder (bei 80 Prozent von ihnen verliert sich die Nahrungsmittelallergie in den ersten Lebensjahren wieder) und nur ein bis zwei Prozent der Erwachsenen (Frauen doppelt so häufig wie Männer) betroffen – das sind schätzungsweise fünf Prozent der Bundesbürger. Nach den Allergien gegen Pollen und Hausstaubmilben ist die Nahrungsmittelallergie mit der Neurodermitis die dritthäufigste Allergieerscheinung in Deutschland.

Ursachen einer Nahrungsmittelallergie

Für die Zunahme der Allergien allgemein werden neben der genetischen Disposition besonders die fehlende Stimulanz des Immumsystems durch eine immer steriler werdende Umwelt verantwortlich gemacht. Auch die zunehmende Kontamination der Umwelt wird als Auslöser diskutiert. Speziell die Nahrungsmittelallergien sind jedoch auch von den Essgewohnheiten abhängig. Die klinische Erfahrung zeigt, dass zum Beispiel durch den vermehrten Genuss von Soja auch die allergischen Reaktionen darauf zunehmen.

Ein deutlich erweitertes Nahrungsmittelangebot (zum Beispiel exotische Früchte wie Kiwis und Litchies), welches das ganze Jahr über zur Verfügung steht sowie eine steigende Tendenz zu stark verarbeiteten Lebensmitteln sind gleichzeitig auch verbunden mit einer Zunahme potenzieller Allergene. Doch drastische Zunahmen der Nahrungsmittelallergien sind in Deutschland dennoch nicht zu verzeichnen.

Kreuzallergien

Häufig – insbesondere bei Erwachsenen – treten auch Allergengemeinschaften auf, sogenannte Kreuzallergien. Dieses können Gemeinschaften zwischen Nahrungsmitteln untereinander, aber auch häufig zwischen Nahrungsmitteln und Pollen sein (pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie).

Oft wird auch die Neurodermitis bei Kindern mit einer Nahrungsmittelallergie in Verbindung gebracht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Neurodermits keine Folge einer echten Nahrungsmittelallergie ist. Doch Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln sind bei Neurodermitikern nicht selten, allerdings sind diese durch das ähnliche Beschwerdebild (juckende Hautirritationen) schwer von der eigentlichen Neurodermitis abgrenzbar.

Wie entsteht eine Nahrungsmittelallergie?

Nahrungsmittelallergien sind meistens auf eine allergische Reaktion des sogenannten Sofort Typs zurückzuführen. Hierbei treten die Symptome direkt nach der Aufnahme des Nahrungsmittels auf. Der erste Kontakt mit der auslösenden Substanz, dem Allergen (=Antigen) verläuft ohne äußere Symptome; es kommt aber im Körper zur Bildung von Antikörpern (Ig-E), die bei einem zweiten Kontakt die Freisetzung von entzündungsfördernden Substanzen, den sogenannten Mediatoren (zum Beispiel Histamin) hervorrufen, welche die eigentlichen allergischen Reaktionen des Körpers bewirken. Häufig sind diese Reaktionen örtlich begrenzt.

Bei einer Ausweitung der allergischen Reaktion auf den gesamten Organismus kann es jedoch zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen, zum anaphylaktischen Schock. Dieser ist verbunden mit einem starken Blutdruckabfall, einer Erhöhung der Herzfrequenz, einer Verengung der Bronchien und Schwellungen und Ödeme im Bereich des Kehlkopfes.

Neben den Nahrungsmittelallergien kommen auch die nicht immunologisch bedingten Nahrungsmittelintoleranzen vor. Diese werden durch Enzymdefekte verursacht (zum Beispiel eine Milchzuckerintoleranz durch das Fehlen des Enzyms Lactase). Hierbei können bestimmte Nahrungsmittelbestandteile vom Körper nicht verdaut werden.

Pseudoallergien

Pseudoallergische Reaktionen entstehen im Gegensatz zu den Nahrungsmittelallergien häufig in Abhängigkeit von der aufgenommenen Dosis einer auslösenden Substanz in den Lebensmitteln.

Diese können in den verschiedensten Lebensmittelzusatzstoffen enthalten sein, wie Farbstoffen, Aroma- und Konservierungsstoffen, Aspirin und anderen natürlichen Salicylaten (viel in Beerenfrüchten, Orangen, Aprikosen, Ananas, Gurken, Oliven, Weintrauben, Wein, besonders viel in Gewürzen) und biogenen Aminen wie Histamin, Tyramin oder Serotonin. Diese sind entweder natürlicherweise in den Lebensmitteln in hoher Konzentration enthalten (zum Beispiel Rotwein, Fisch) oder entstehen bei der Gärung (Sauerkraut) oder Fermetation (Käse) beziehungsweise bei dem Verderb von Lebensmitteln durch Mikroorganismen.

Häufig treten bei der Pseudoallergie Symptome wie Nesselsucht, Kopfschmerz, Übelkeit, Durchfall und Juckreiz erst nach mehreren Stunden Verzögerung auf, halten jedoch länger an als bei der Nahrungsmittelallergie. Bei allen genannten nicht immunologisch bedingten Reaktionen des Körpers auf bestimmte Nahrungsmittel werden keine Antikörper gebildet, da der Körper auf diese Nahrungsmittel direkt reagiert. Dabei gleicht die Symptomatik oft der einer echten Nahrungsmittelallergie.

Symptome einer Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergene lösen sehr unterschiedliche Reaktionen aus:

  • Haut: Ausschlag (Ekzem), Nesselsucht (Urtikaria): Rötungen und juckende Quaddeln sowie manchmal auftretende Schwellungen (Ödeme)
  • Augen: Ödeme, allergische Bindehautentzündung (allergische Konjunktivitis)
  • Nase: Schnupfen (allergische Rhinitis), Niesen
  • Quincke-Ödem: Schwellungen am Körper
  • Mund: Juckende, entzündete Mundschleimhaut, geschwollene Zunge und Gaumen
  • Bronchien/Lunge: Husten, allergische Asthma
  • Magen-Darm-Bereich: Durchfall, Erbrechen, Druck- und Völlegefühl
  • Kreislauf: anaphylaktischer Schock (selten), Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Kopfschmerz

Nahrungsmittelallergien des Kleinkindes- und Kindesalters unterscheiden sich dabei prinzipiell von denen der Erwachsenen, da Kinder insbesondere auf Substanzen allergisch reagieren, die durch den Verdauungstrakt in den Körper gelangen (intestinale Allergene) und Erwachsene auf Substanzen, die eingeatmet werden (inhalative Allergene). Auch die Allergene selbst sind in den unterschiedlichen Altersstufen verschieden.

Welches sind die häufigsten Nahrungsmittelallergien?

Besonders häufig sind:

  • Kuhmilch-Allergie
  • Hühnerei-Allergie
  • Allergien gegen Obst, Nüsse und Gemüse
  • Gewürzallergien
  • Allergie gegen Fische und Schalentiere
  • Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergie: Was ist zu beachten?

Die beste Therapie ist, die Nahrungsmittel zu meiden, die die Allergie auslösen. Dies kann jedoch mitunter sehr schwierig sein, da es auch versteckte Inhaltsstoffe gibt (Nüsse, Soja, Milcheiweiß etc.), die nicht in jedem Fall deklariert werden müssen. So bleibt nur die Möglichkeit, so weit wie möglich auf verarbeitete Lebensmittel zu verzichten oder immer dieselben Markenartikel zu kaufen, mit denen man schon gute Erfahrungen gemacht hat.

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie sollte zunächst einmal der Hausarzt gefragt werden, damit andere Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes ausgeschlossen werden können. Ist dies der Fall, muss in jedem Fall ein erfahrener Allergologe zu Rate gezogen werden, der durch verschiedene Tests seine Diagnose in Richtung einer Allergie gegen ein bestimmtes Nahrungsmittel einengen kann. Auch ein Ernährungstagebuch kann hier zu hilfreichen Hinweisen für den Allergologen führen.

Zur Vorbeugung kann bei Verdacht auf eine vererbte Allergieneigung bei Kindern das Stillen empfohlen werden, welches mindestens sechs Monate andauern sollte.

Aktualisiert: 26.07.2017

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