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Nahrungsmittelunverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Milchprodukte © istockphoto, JulijaDmitrijeva

Sie leiden häufig an Bauchkrämpfen oder anderen Verdauungsbeschwerden? Oder haben immer wieder Hustenattacken, Hautausschläge oder Quaddeln? Wenn der Körper empfindlich auf Nahrungsbestandteile reagiert, kann sich das auf ganz unterschiedliche Art äußern. Deshalb ist die Diagnose häufig gar nicht so einfach. Doch auch der umgekehrte Fall gilt: Ähnliche Symptome können durch unterschiedliche Formen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorgerufen werden – was die Ursachensuche auch nicht gerade vereinfacht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bezeichnungen oft nicht klar definiert oder unterschiedlich benutzt werden.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Was bedeutet das?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Lebensmittelunverträglichkeiten, LMU) sind der Oberbegriff für alle unerwünschten, teilweise ernsten Reaktionen, die nach dem Verzehr von Lebensmitteln innerhalb von Minuten bis zu wenigen Tagen auftreten. Dazu gehören sowohl Beschwerden infolge einer Lebensmittelvergiftung beim Gesunden, als auch Symptome, die von Nahrungsbestandteilen nur bei besonders empfindlichen Personen ausgelöst werden, und die als Lebensmittelhypersensitivität bezeichnet wird.

Dieser liegen wiederum verschiedene Mechanismen zugrunde: entweder Prozesse, an denen das Immunsystem beteiligt ist – wie bei der Nahrungsmittelallergie (s.u.) und der Zöliakie – oder solche, die ohne immunologische Reaktionen ablaufen, die sogenannte Nahrungsmittelintoleranzen (s.u.). Leider wird der Begriff Nahrungsmittelunverträglichkeit oft mit Nahrungsmittelintoleranz gleichgesetzt – was das Verständnis nicht gerade erleichtert.

Begriffsbestimmungen

Folgende Begriffe sind im Zusammenhang mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu unterscheiden:

  • Nahrungsmittelallergien (allergische Lebensmittelhypersensitivität): Diese Überempfindlichkeit auf einige wenige oder auch viele Lebensmittel gehört zu den echten Allergien. Dabei reagiert das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion auf bestimmte Nahrungsbestandteile (besonders Eier und andere tierische Eiweiße, Soja, Nüsse, Meeresfrüchte), die bei Gesunden keine Reaktionen hervorrufen.
  • Nahrungsmittelintoleranzen (Lebensmittelintoleranzen): Auch hier werden bestimmte Nahrungsbestandteile nicht vertragen, allerdings ist im Gegensatz zur Nahrungsmittelallergie kein immunologischer Mechanismus nachweisbar. Hier unterscheidet man wiederum zwei Hauptgruppen:
  • Beim Enzymmangel, der häufigsten Form einer Nahrungsmittelintoleranz, fehlt ein Eiweiß oder funktioniert nur eingeschränkt, das für die Verdauung bestimmter Nahrungsbestandteile benötigt wird: im Darm für deren Aufspaltung oder im Blut für die Verstoffwechselung. Meist ist das Enzym Laktase betroffen, welches gebraucht wird, um den in der Milch vorkommenden Milchzucker (Laktose) zu verwerten. Besteht ein Laktasemangel, wird der Milchzucker nicht aufgespalten und dadurch nicht mehr aus dem Darm aufgenommen (Laktoseintoleranz, Milchzuckerunverträglichkeit). Seltener kommt eine Fruktoseintoleranz vor.
  • Die Pseudoallergien sind nicht ohne Weiteres von den echten Allergien zu unterscheiden, da sie die gleichen Symptome und oft auch die gleichen Auslöser wie diese haben. Der Unterschied ist, das Botenstoffe wie Histamin, die die Beschwerden verursachenden, nicht vom aktivierten Immunsystem, sondern direkt durch die Nahrungsmittel freigesetzt werden. Häufige Auslöser sind biogene Amine (zum Beispiel in Käse, Sauerkraut, Spinat, Tomaten), Salicylate (zum Beispiel in Obst- und Gemüse, Honig), Farb- und Konservierungsstoffe.

Symptome einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Wie oben beschrieben gibt es verschiedene Ursachen, die gleiche Beschwerden auslösen können – und diese spielen sich wiederum nicht nur im Magen-Darm-Trakt ab, sondern können auch die Atemwege, die Haut oder – in ausgeprägten Fällen – das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen. Typische Symptome sind:

  • Verdauungstrakt: Bauchkrämpfe, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall (evtl. blutig).
  • Haut: juckende, rote Flecken oder Quaddeln; an der Mundschleimhaut Kribbeln, Brennen und Schwellung
  • Atemwege: Symptome wie beim Heuschnupfen (verstopfte Nasen, Niesreiz, tränende Augen) oder, durch Schwellung der Schleimhäute in den Luftwegen, Atemnot wie beim Asthmaanfall. Im schlimmsten Fall kann es zum lebensbedrohlichen allergischen Schock mit rasch zunehmender Luftnot kommen.

Allergische und nicht-allergische Unverträglichkeiten

Der Hauptunterschied zwischen den allergischen und nicht-allergischen Formen ist, dass Allergien bereits durch geringste Mengen ausgelöst werden, während diese bei Unverträglichkeitsreaktionen oft noch vertragen werden. So kann ein "Milchallergiker" gar keine Milch trinken, während jemand, der an einer Milchzuckerintoleranz leidet, durchaus geringe Mengen zu sich nehmen kann, ohne nennenswerte Beschwerden zu entwickeln.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass Allergien (und Pseudoallergien) bei allen Betroffenen – je nach Art der Lebensmittelallergie – nach regelmäßigen Zeitabständen auftreten (zum Beispiel Juckreiz und Spannungsgefühl im Mundbereich nach wenigen Minuten, Erbrechen und Durchfall nach ein bis zwei Stunden, bei manchen Allergieformen Symptome eventuell auch erst nach ein bis zwei Tagen), wohingegen beim Enzymmangel die Reaktionen von Mensch zu Mensch in Stärke und Zeitpunkt sehr unterschiedlich sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die Funktion des betroffenen Enzyms individuell unterschiedlich stark gestört ist.

Aktualisiert: 21.06.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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