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Augenentzündung – was steckt dahinter?

Augenentzündung bei einer Frau © istockphoto, Werawad Ruangjaroon

Entzündete Augen sind keine Seltenheit: Ob Kind oder Erwachsener, fast jeder hat von Zeit zu Zeit rote Augen. Doch was steckt hinter diesem Symptom? Die häufigsten Ursachen sind sicherlich eine Allergie oder eine Bindehautentzündung, doch neben diesen beiden Erkrankungen gibt es noch andere Ursachen für eine Augenentzündung. Wir geben Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Arten und erklären, was Sie gegen eine Augenentzündung tun können. 

Was ist eine Augenentzündung?

Das Auge besteht aus vielen unterschiedlichen Komponenten. Jede einzelne von ihnen kann sich entzünden. Aus diesem Grund kann man sehr verschiedene Augenkrankheiten diagnostizieren.

Aber welche Arten von Augenentzündungen gibt es? Je nachdem, wo sich die Entzündung im Auge befindet, lassen sich verschiedene Formen der Augenentzündung unterscheiden:

  • Entzündungen der Bindehaut
  • Entzündungen der Regenbogenhaut 
  • Entzündungen am Augenlid
  • Entzündungen der Außenhaut (Hornhaut und Lederhaut)

Bindehautentzündung als häufigste Form der Augenentzündung

Eine der häufigsten Stellen für eine Augenentzündung ist die Bindehaut. Insbesondere im Rahmen einer bakteriellen Augenentzündung ist die Bindehaut am schnellsten betroffen. Doch sie kann auch durch Viren oder andere Keime ausgelöst werden, ebenso wie durch Allergien oder Reizungen aufgrund von äußeren Einflüssen wie Staub oder Chlor im Schwimmbad.

Charakteristischerweise kommt es bei einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) zu geröteten, tränenden Augen. Zusätzlich können die Augen verklebt und eitrig sein.

Eine aggressive Form der Bindehautentzündung ist die durch Adenoviren verursachte Augengrippe, bei der es zusätzlich zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen kommen kann.

Entzündung der Regenbogenhaut

Eine weitere häufige Lokalisation, gerade von wiederkehrenden Augenentzündungen, ist die Regenbogenhaut. Die Regenbogenhaut wird auch Iris genannt und ist der Teil des Auges, der unsere Augenfarbe bestimmt. Dabei gehört die Iris anatomisch gesehen zur mittleren Augenhaut, in Fachkreisen auch Uvea genannt. Eine Entzündung der mittleren Augenhaut wird als Uveitis bezeichnet.

Betroffene einer Regenbogenhautentzündung (Uveitis anterior) berichten meistens von dumpfen Schmerzen im Bereich der Augen und der Stirn. Auch hierbei sind die Augen gerötet. Bei chronischen Augenentzündungen, bei denen eine Uveitis die Ursache ist, kann die typische Rötung auch komplett fehlen.

Ursachen einer Uveitis können wie bei der Bindehautentzündung Bakterien oder Viren sein. Ein erhöhtes Risiko für eine Uveitis besteht, wenn Betroffene schon an einer chronisch-entzündlichen Erkrankung, wie zum Beispiel dem Morbus Crohn oder der Rheumatoiden Arthritis, leiden.

Entzündungen der Augenlider

Neben der Bindehaut und der Regenbogenhaut sind die Augenlider eine weitere Stelle, an der sich Infektionen häufig ausbreiten. Sind die Augenlider entzündet, kann man oft eine knotige Schwellung und eine Rötung des Augenlids erkennen.

In den Augenlidern liegen die Augenliddrüsen, welche Sekret für den Tränenfilm produzieren. Hier fühlen sich Hautbakterien, wie Staphylokokkus aureus, besonders wohl und führen immer wieder zu Entzündungen. Ständiges Augenreiben – im ungünstigen Fall sogar mit Schmutz an den Fingern – erleichtert es den Bakterien, in die entsprechenden Areale des Auges zu kommen.

Bei einem schmerzhaften, geröteten Knoten am Lid kann es sich um ein sogenanntes Gerstenkorn (Hordeolum) handeln. Ein Gerstenkorn ist eine bakterielle Entzündung am Augenlid, genauer an der Augenliddrüse. Gerstenkörner heilen bei einer richtigen antibiotischen Therapie sehr gut aus und werden so gut wie nie chronisch. Eine weitere Form der Lidrandentzündung (Blepharitis) ist das nicht ansteckende Hagelkorn (Chalazion), das durch eine Verstopfung der Meibom-Drüse entsteht.

Im Gegensatz dazu stehen allergische Augenentzündungen, die innerhalb eines gewissen Zeitraums immer wiederkommen. Aufgrund dieser Charakteristik spricht man auch von periodischen Augenentzündungen, da sie von saisonalen Allergenen, wie Birkenpollen, ausgelöst werden. Hausstaubmilben sind ebenfalls ein häufiger Auslöser einer periodischen Augenentzündung, die mit der Zeit auch chronisch werden kann.

Entzündungen der Außenhaut des Auges

Zur Außenhaut des Auges gehören die Lederhaut und die Hornhaut. Beide können sich entzünden. Die Ursachen und Symptome unterscheiden sich aber.

Die Hornhautentzündung (Keratitis) ist in über 90 Prozent der Fälle durch Bakterien verursacht. Viren und Pilze spielen hier eher eine untergeordnete Rolle. Ein erhöhtes Risiko für eine Keratitis besitzen Kontaktlinsenträger. Durch die Kontaktlinsen haben es Bakterien leichter, die Hornhaut zu befallen. Eine Sonderform der Hornhautentzündung ist die durch Herpes-Simplex-Viren ausgelöste Virale Keratitis.

Alle Formen der Hornhautentzündung gehen mit stärksten Schmerzen einher und sollten dringend von einem Augenarzt therapiert werden, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Neben der Hornhaut gehört die Lederhaut (Sklera) noch zur äußeren Haut des Auges. Eine Lederhautentzündung (Skleritis) beschränkt sich meistens nur auf einen kleinen Teil der Lederhaut, man spricht dann von einer Episkleritis. Meistens wird diese durch Stress ausgelöst und fällt durch eine Rötung der Augen auf. 

Welche Symptome können auftreten?

Es gibt eine ganze Reihe von Symptomen, die bei Augenentzündungen auftreten können. Einige davon sind eher unspezifisch, während andere einen Hinweis auf die jeweilige Erkrankung liefern können. Im Folgenden sind einige Symptome aufgelistet:

  • rote Augen sind das häufigste Symptom 
  • viele Betroffene beschreiben ein Fremdkörpergefühl im Auge 
  • bei bakteriellen Entzündungen befindet sich oft gelber Schleim im Auge
  • die Augen können mit Eiter verklebt sein 
  • die Augenlider können geschwollen sein 
  • Photophobie – dies ist der medizinische Fachausdruck für Lichtempfindlichkeit: Betroffene empfinden Licht als schmerzhaft oder unangenehm und meiden aus diesem Grund alle möglichen Lichtquellen 
  • eine verschwommene Sicht kann bei einigen Augenkrankheiten auftreten

Augenentzündung bei Kindern

Auch Kinder können von Augenentzündungen betroffen sein. Bei ihnen treten ebenfalls die typischen Symptome auf, wie klares bis eitriges Sekret in den Augen.

Meistens stecken Viren – genauer gesagt Adenoviren – dahinter, die eine Bindehautentzündung hervorrufen. Diese ist hochansteckend, solange Sekret aus dem Auge fließt. Aus diesem Grund empfiehlt es sich in solchen Situationen, sehr auf die Hygiene zu achten, um eine Ansteckung in der Familie zu vermeiden.

Bei Babys kann kurz nach der Geburt eine eitrige Augenentzündung auftreten, bei der die Augen extrem geschwollen und stark verkrustet sind. Im medizinischen Jargon spricht man in diesem Fall von einer Neugeborenenkonjunktivitis, die zum Beispiel durch die vaginalen Bakterien ausgelöst werden kann.

Ist eine Augenentzündung ansteckend?

Ob eine Augenentzündung ansteckend ist, lässt sich pauschal nicht beantworten, da es sehr unterschiedliche Arten von Augenentzündungen gibt. Generell lässt sich sagen, dass Entzündungen, die von Bakterien oder Viren verursacht werden, ansteckend sind. Daneben gibt es aber auch Entzündungen, die durch Allergie oder Stress entstehen und deshalb nicht ansteckend sind.

Zu den Entzündungen, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden können, zählen die Bindehautentzündung, die Uveitis und auch das Gerstenkorn. Alle drei Erkrankungen können aber auch durch nicht infektiöse Ursachen, wie Allergien, entstehen.

Um eine genaue Unterscheidung zu treffen, sollte der Rat eines erfahrenen Augenarztes eingeholt werden. Dieser kann zwischen den einzelnen Erkrankungen am besten unterscheiden und auch die richtige Behandlung festlegen.

Behandlung: Was hilft bei Augenentzündungen?

Nach der Diagnose durch den Augenarzt erfolgt typischerweise die Therapie der Augenentzündung. Hier gibt es – abhängig von der Krankheit – Unterschiede in der Behandlung. Im Allgemeinen werden Augenentzündungen mit Augentropfen behandelt. Die Zusammensetzung der Tropfen variiert allerdings. 

  • Bei nicht-infektiösen Augenentzündungen, das heißt bei Erkrankungen des Auges ohne Bakterien oder Viren, helfen meistens Spülungen der Augen, die über mehrere Tage wiederholt werden. Dies unterstützt den Tränenapparat bei der Reinigung der Augen. Tränenersatzmittel wie Berberil® Dry Eye EDO® können die Symptome lindern.
  • Eine Bindehautentzündung, die durch Viren ausgelöst wurde, wird ebenfalls durch Spülen mit einer Kochsalzlösung nur symptomatisch therapiert. 
  • Bei allergischen Augenentzündungen können noch zusätzlich Augentropfen mit sogenannten Antihistaminika gegeben werden. Diese wirken gegen die vom Körper freigesetzten Entzündungsstoffe und können so das Symptom der juckenden und tränenden Augen lindern. Ein Beispiel hierfür wäre Allergo-Vision® sine oder ZADITEN ophtha® sine.
  • Bei bakteriellen Augenentzündungen kommen Antibiotikatropfen zum Einsatz.
  • Liegt eine bakterielle Uveitis vor, müssen meistens mehrere Medikamente eingesetzt werden, damit sich die Uveitis nicht zu einer chronischen Augenerkrankung entwickelt.

Grüner Star als Komplikation einer Uveitis

Eine Gefahr bei der Uveitis ist die Entwicklung eines Grünen Stars, auch Glaukom genannt. Bei einem Glaukom kommt es zu einer Druckerhöhung im Augeninneren. Der Grüne Star ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, denn durch den hohen Druck kann der Sehnerv beschädigt werden, was im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann.

Rechtzeitig erkannt, kann man ein Glaukom aber gut therapieren. Zum Beispiel können Medikamente gegeben werden, welche die Pupille verengen und so den Augeninnendruck senken.

Wie lange dauert die Therapie bei einer Augenentzündung? 

Die Therapiedauer bei einer Augenentzündung kann sehr unterschiedlich sein, zum Beispiel muss die Therapie bei einer Uveitis mehrere Wochen fortgesetzt werden, damit sich keine chronische Augenentzündung entwickelt.

Bei bakteriellen Augenerkrankungen, wie einer Bindehautentzündung, kann anfangs auf eine Antibiotikagabe verzichtet werden. Dies liegt im Ermessen des Arztes. Antibiotika verkürzen aber die Dauer der Beschwerden, weshalb sie häufig gegeben werden.

Allgemein lässt sich sagen, dass Antibiotika entweder in Form von Augentropfen oder Augensalben verschrieben werden. Egal in welcher Form, diese Medikamente sollten mindestens fünf Tage genommen werden und es sollten immer beide Augen therapiert werden, damit es zu keiner erneuten Ansteckung kommt.

Was kann man selbst gegen eine Augenentzündung tun? 

Unsere Augen sind ein sehr empfindliches Organ, weshalb man es möglichst vermeiden sollte, Hausmittel gegen Augenentzündungen einzusetzen. So kann beispielsweise Kamillentee eine starke allergische Reaktion in den Augen auslösen.

Besser helfen augenschützende Medikamente, die meist dazu dienen, unseren Tränenapparat unterstützen. Auch im Bereich der Homöopathie gibt es verschiedene Medikamente, wenn die Augen entzündet sind.

Sicherlich sind viele Augenentzündungen durch Stress bedingt, dennoch empfiehlt es sich zur besseren Einschätzung der Augenentzündung einen Augenarzt aufzusuchen, bevor man beginnt, die Entzündung eigenständig zu behandeln.

Kontaktlinsenträger sollten bei einer Augenentzündung bis zu deren Abklingen auf das Tragen der Kontaktlinsen verzichten. Bei einer ansteckenden Form der Augenentzündung ist es zudem ratsam, die Kontaktlinsen auszutauschen oder zumindest gründlich zu desinfizieren, um einer erneuten Infektion vorzubeugen.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 07.11.2019 – Autor: Yannis Diener

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