Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Rotes Auge bei Bindehautentzündung © istockphoto, vchal

Die Bindehautentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen am Auge. Bei roten, verklebten und tränenden Augen und Augenbrennen ist die wahrscheinlichste Diagnose eine Bindehautentzündung. Besonders Babys und Kinder leiden häufig unter diesen Symptomen, aber auch Erwachsene sind betroffen. In der Fachsprache wird die Bindehautentzündung Konjunktivitis genannt. Häufige Ursachen für eine erregerbedingte Bindehautentzündung sind Viren oder Bakterien. Doch auch zahlreiche andere Ursachen wie trockene Augen, Allergien oder Staub können eine Entzündung der Bindehaut auslösen. Wie Sie eine Bindehautentzündung erkennen sowie Tipps zu Diagnose und Behandlung einer Konjunktivitis lesen Sie im folgenden Artikel.

Funktion der Bindehaut

Die Bindehaut ist eine schützende Schleimhautschicht, die sich über den Innenrand der Augenlider und über den nach außen sichtbaren Augapfel zieht. Sie spielt eine Rolle bei der Verteilung des Tränenfilms und bei der Abwehr von Krankheitserregern.

Bei der Bindehautentzündung rötet sich die sonst durchsichtige Schicht, weil der Körper durch eine verstärkte Durchblutung versucht, die Entzündung zu bekämpfen.

Bindehautentzündung immer ernst nehmen

Meist ist eine Bindehautentzündung relativ harmlos und klingt nach einer Dauer von 10 bis 14 Tagen von selbst ab.

Dennoch gibt es Erkrankungen, deren Symptome denen der Bindehautentzündung sehr ähneln und die durchaus gefährlich für das Auge und das Sehen sein können. Es ist sehr wichtig, dass zum Beispiel ein akuter grüner Star oder eine Entzündung der tieferen Augenschichten wie der Regenbogenhaut oder der Hornhaut ausgeschlossen werden.

Besonders bei Kontaktlinsenträgern besteht die Gefahr, dass sich die Bindehautentzündung auch auf die Hornhaut ausbreitet. Deshalb sollte eine vermeintliche Bindehautentzündung stets ernst genommen und von einem Arzt abgeklärt werden. Eine einfache Behandlung mit Hausmitteln empfiehlt sich daher nicht.

Symptome einer Bindehautentzündung

An folgenden Anzeichen lässt sich eine Bindehautentzündung erkennen:

  • Das Leitsymptom einer Bindehautentzündung ist ein rotes, tränendes Auge.
  • Die Betroffenen verspüren ein Brennen oder Jucken in den Augen, als ob sich Fremdkörper oder Sand im Auge befänden.
  • Besonders in den Morgenstunden sind die Augenlider oft geschwollen und verklebt und in den Augenwinkeln befindet sich abgesondertes Sekret. Dieses Sekret kann eitrig, wässrig oder auch schleimig sein.
  • Die Augen können zudem lichtempfindlich sein und sonst gut tolerable Lichtquellen blenden die Betroffenen stark.
  • Bei einer begleitenden Hornhautentzündung können auch starke Schmerzen auftreten.

Verschiedene Ursachen einer Bindehautentzündung

Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Bindehautentzündung. Sie kann:

  1. durch Krankheitserreger (Bakterien, Viren oder andere Keime) ausgelöst werden
  2. im Rahmen einer Allergie auftreten oder
  3. einfach nur durch Umweltstoffe, trockene Augen oder Kontaktlinsen bedingt sein

Je nach Ursache unterscheiden sich die Symptome und die Behandlung der Bindehautentzündung – deshalb sollte bei Verdacht auf eine Konjunktivitis stets ein Arzt aufgesucht werden.

Krankheitserreger als Ursache: infektiöse Konjunktivitis

Ist die Bindehautentzündung durch Bakterien oder Viren oder andere Keime – also infektiös – bedingt, kann sie hoch ansteckend sein. Da die Augen stark brennen und jucken, reiben sich die Betroffenen in den Augen und können die Keime verteilen und andere Menschen anstecken.

Deshalb ist bei infektiösen Bindehautentzündungen besondere Hygiene notwendig. Familienangehörige sollten stets auf gründliche Händereinigung achten und ein anderes Handtuch als der Betroffene verwenden, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Meist sind Bakterien oder Viren Auslöser einer infektiösen Konjunktivitis. Pilze oder Parasiten sind nur selten die Ursache einer Bindehautentzündung.

Bakterien als Ursache

Eine von Bakterien verursachte Bindehautentzündung kommt im Erwachsenenalter seltener vor, hiervon sind in der Regel eher Kinder betroffen. Bakterielle Bindehautentzündungen beginnen meist auf nur einem Auge und kennzeichnen sich durch ein eitriges, gelblich-grünes Sekret. Die Entzündung kann aber auch beide Augen betreffen. Das betroffene Auge ist in den Morgenstunden häufig verklebt und die Lider verdickt.

Eine besondere und gefährlichere Form der bakteriellen Bindehautentzündung können Gonokokken (Neisseria gonorrhoae) verursachen. Die Symptome sind hier besonders ausgeprägt. Stark vereiterte Augen, eine geschwollene Bindehaut und geschwollene Lymphknoten hinter den Ohren kennzeichnen diese Form der Bindehautentzündung. Da diese Bakterien häufig mit Infektionen im Genitaltrakt vergesellschaftet sind, sind sexuell aktive Paare verstärkt betroffen. Im Volksmund ist die Gonokokkeninfektion auch als Tripper bekannt.

Gelegentlich können sich erwachsene Betroffene mit Chlamydien anstecken. Wie Gonokokken befinden sich auch diese Bakterien bevorzugt im Genitaltrakt von jungen Erwachsenen. Gelangen die Erreger im Schwimmbad in die Bindehäute, spricht man von der sogenannten Schwimmbadkonjunktivitis. Hiervon sind häufig auch Kinder betroffen. Bei Erwachsenen ist die Bindehautentzündung mit Chlamydia trachomatis oft chronisch, weil sie ähnlich wie die Infektion im Genitaltrakt häufig unbemerkt bleibt.

Viren als Auslöser einer Bindehautentzündung

Unter den infektiösen Bindehautentzündungen ist die von Viren verursachte Form die häufigste. Gewöhnlich heilt eine virale Bindehautentzündung ohne Behandlung folgenlos aus.

Eine Erkältung mit sogenannten Adenoviren kann jedoch begleitend zu einer Bindehautentzündung führen. Meist klagen Betroffene über typische Erkältungssymptome wie Fieber, Halsschmerzen und verdickte Lymphknoten am Hals, auf welche sich dann die Bindehautentzündung aufpfropft. Bei dieser Form ist häufig auch die Hornhaut betroffen und das Scharfsehen des Betroffenen ist beeinträchtigt. Man spricht dann von einer Keratokonjunktivitis. Hier sollte unbedingt ein Augenarzt aufgesucht werden.

Die virale Bindehautentzündung ist besonders ansteckend, weil Symptome gewöhnlich erst einige Tage nach der Infektion auftreten, aber der Betroffene so lange bereits ansteckend ist. Schon durch Händeschütteln, Sprechen oder Husten kann die Infektion übertragen werden. Deshalb sind besonders Kinder gefährdet sich an einer Keratokonjunktivitis anzustecken.

Auch Herpesviren können eine Bindehautentzündung auslösen. Diese Viren können sehr gefährlich für das Auge und das Sehen sein.

Meist wird bei einer viralen Bindehautentzündung innerhalb von ein bis zwei Tagen aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr auch das zweite Auge betroffen. Wie bei einer bakteriellen Entzündung sind die Augen morgens häufig verklebt. Das verklebende Sekret ist bei einer viralen Entzündung meist wässrig und schleimig, im Gegensatz zum gelblichen Eiter, welcher bei der bakteriellen Bindehautentzündung abgesondert wird.

4 Fakten über Bindehautentzündungen (Infografik)

4 Fakten über Bindehautentzündungen – © istockphoto, vchal

Die allergisch bedingte Bindehautentzündung

Im Frühjahr leiden viele Menschen unter einem Heuschnupfen, bei welchem die Augen aufgrund einer Gräser- oder Pollenallergie jucken und die Nase läuft. Dann spricht man in der Fachsprache von einer Rhinokonjunktivitis. Bei der allergischen Form der Bindehautentzündung tränt das Auge meist mit einer klaren Flüssigkeit ohne Eiter.

Die allergisch bedingte Bindehautentzündung hat sehr ähnliche Symptome wie eine virale Bindehautentzündung. Ein besonderes Merkmal können pflastersteinartige Vorwölbungen der Bindehaut sein, welche sich besonders unter den Augenlidern zeigen.

Nichtallergische und nichtinfektiöse Formen

Oft können auch nur zu trockene Augen eine Reizung der Bindehaut und damit eine Entzündung auslösen. So werden beispielsweise durch seltenes Blinzeln bei der Arbeit am Computer die Augen nicht ausreichend mit Tränen befeuchtet und entzünden sich. Dann gilt es, die Tränenproduktion und -verteilung auf dem Auge anzuregen und mit Augentropfen die Augen feucht zu halten. Dann lindern sich die Symptome schnell. Zugluft, beispielsweise durch Klimaanlagen oder Fahrtwind, kann ebenfalls trockene Augen auslösen und damit eine Bindehautentzündung begünstigen. 

Auch Umweltstoffe wie Staub, Rauch (zum Beispiel Zigarettenrauch) oder das Chlor im Schwimmbad können eine Reizung für die Bindehaut darstellen und eine Bindehautentzündung entwickelt sich.

Hat sich ein Fremdkörper im Auge verfangen, kann dieses auch nach der augenärztlichen Entfernung noch jucken und dem Betroffenen ein Gefühl vermitteln, als ob sich der Fremdkörper noch im Auge befände. Hier täuscht sich der Betroffene meist und es handelt sich um eine leichte Entzündung der Bindehaut von nur kurzer Dauer. Diese nichtallergischen und nichtinfektiösen Formen der Bindehautentzündung bessern sich in der Regel innerhalb von 24 Stunden.

Bei einer wiederkehrenden Bindehautentzündung sollte man eine nicht erkannte oder nicht ausreichend korrigierte Fehlsichtigkeit als Auslöser in Betracht ziehen – mitunter kann eine Brille dann bereits Abhilfe schaffen.

Die Bindehautentzündung durch Kontaktlinsen

Kontaktlinsenträger haben ein erhöhtes Risiko an einer Bindehautentzündung zu erkranken, da durch Schmutz oder die Linse selbst eine mechanische Reibung entstehen kann. Außerdem können sich unter der Kontaktlinse Schmutz und Bakterien ansammeln, welche dann eine Bindehautentzündung auslösen. Als weiteres Symptom kann eine Verletzung bis hin zu einem Loch der Bindehaut entstehen. Deshalb ist eine sorgfältige Linsenreinigung und -hygiene für Kontaktlinsenträger besonders wichtig.

Beim Auftreten von ersten Anzeichen einer Bindehautentzündung sollten die Kontaktlinsen sofort entnommen werden und bis zum vollständigen Abklingen der Symptome nicht mehr verwendet werden.

Aktualisiert: 07.03.2019 – Autor: Marina Hochdorfer

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