Brille – Wie funktioniert eigentlich eine Brille?

Frau mit Brille © istockphoto, Xavier Arnau

Für viele Menschen gewinnt der Tag erst mit dem morgendlichen Griff zur Brille an Konturen, der Blick ist geschärft. Aber wie funktionieren Brillen eigentlich und woraus genau besteht eine Brillenfassung? Normalsichtige Augen haben keine Probleme damit, Gegenstände sowohl in der Nähe als auch in der Ferne problemlos scharf zu sehen. Bei normalsichtigen Augen bündelt die Linse die durch die Pupille einfallenden Lichtstrahlen genau so, dass sie auf der Netzhaut im Innern des Auges zusammentreffen. Die Linse selbst ist bis zu einem gewissen Bereich flexibel und kann so kleinere Sehschwächen ebenso ausgleichen wie unterschiedliche Entfernungen. Wenn die Linse diese Bündelung des Lichtes auf der Netzhaut nicht leisten kann, können die Rezeptoren nur ein unscharfes Bild weiterleiten.

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit

Alle Kurzsichtigen können nahe Gegenstände tadellos scharf sehen – entfernte aber nur ungenau. Das liegt an der nicht ganz exakten "Bauweise" des kurzsichtigen Auges: Dieses ist entweder ein wenig zu lang und die Linse bündelt die auftreffenden Lichtstrahlen schon, bevor sie auf die Netzhaut im Augenhintergrund fallen. Oder die Brechkraft der Linse ist nicht ideal. Im Ergebnis ist das auf der Netzhaut auftreffende Bild leicht unscharf.

Genau umgekehrt ist es beim weitsichtigen Auge. Dieses sieht auf die Entfernung gut, hat aber Probleme in der Nähe, typischerweise beim Lesen. Die Gründe: Entweder ist die Brechkraft der Linse nicht ideal – oder das Auge ist ein wenig zu kurz gewachsen. Im Ergebnis bündelt die Linse das Licht nicht genau auf der Netzhaut, sondern etwas später. Die auf der Netzhaut auftreffenden Bildinformationen sind unscharf.

Was bewirkt eine Brille?

Die Einstärkenbrille vor dem Auge bewirkt eine zusätzliche Bündelung des Lichtes (bei Weitsichtigkeit) oder Streuung (bei Kurzsichtigkeit) mit dem Ergebnis, dass die Lichtstrahlen genau im Mittelpunkt der Netzhaut zusammentreffen. Das Ergebnis: ein scharfer Blick.

Die Brillenfassung

Im Vergleich zu den Brillengläsern scheint eine Brillenfassung auf den ersten Blick eigentlich recht einfach zu sein: Ein Rahmen, zwei Bügel, eine Nasenauflage, fertig? Weit gefehlt. Auch in Brillenfassungen stecken jede Menge Ingenieurs-Know-How und Kreativität. Das beginnt schon bei der Wahl des richtigen Materials: Stahl? Blech? Titanlegierungen? Kunststoff? Horn? Oder eine Kombination?

Schier endlos sind die Variationsmöglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten, die bei der Brillenfassungskonzeption bedacht werden wollen. Denn nicht jede Art von Material lässt sich einfach so mit jedem anderen kombinieren. Sind diese technischen Probleme gelöst, kommen die unterschiedlichen Anforderungen, die der Träger an seine Brille stellt. Diese sind höchst konträr: Schick soll das Modell sein, dabei leicht, flexibel, hautneutral, schweißresistent – und am besten super-günstig.

Beinahe alles ist möglich: Die Antwort der Ingenieure beispielsweise auf die Forderung "nachgiebige Bügel" kann dann entweder günstig (Federscharnier) oder elegant (hochflexible Metalllegierung) ausfallen. Und ob eine Brille für Allergiker aus allergiefreien Materialien besteht oder lediglich dick mit Lack überzogen ist, der Verträglichkeit gewährleistet, wirkt sich ebenfalls auf Preis und Optik aus.

Brillen: stetig in Entwicklung

Das Schöne daran: Ständig drängen neue Fertigungsmethoden und Werkstoffe auf den Markt, die es den Designern erlauben, die Brille immer wieder neu zu erfinden. War vor einigen Jahren noch flexibles, biegsames Metall ganz stark gefragt, geht der Trend heute wieder eher hin zu Kunststoff – dies aber mit den selben Materialeigenschaften wie bei den Metallbrillen eingeführt. Was bis vor einigen Jahren noch unmöglich erschien, gibt es heute bereits beim Augenoptiker zu kaufen.

Aktualisiert: 18.10.2016 – Autor: Kuratorium Gutes Sehen

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