Farbenfehlsichtigkeit

Gras ist grün, reife Tomaten sind rot. Für viele Menschen bleiben diese Farbbezeichnungen ein Leben lang farblose Begriffe. Acht von 100 Männern, aber nur eine von 200 Frauen kennen einige Farben nur vom Hörensagen. Auch der englische Physiker John Dalton litt unter einer Farbschwäche – Orange, Gelb und Grün empfand er als Gelbtöne.

Warum wir Farben sehen können

Um Farben richtig zu sehen, sind zwei Schritte notwendig: Die Farben müssen überhaupt erst richtig erkannt werden (Identifikation), und sie müssen voneinander unterschieden werden (Diskrimination). Das gesunde Auge besitzt dafür in seiner Netzhaut drei Arten von Farbsinneszellen, die Zapfen. Mit diesen nimmt es die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau wahr und setzt daraus mehrere Millionen Farbtöne zusammen. 

Diese sechs bis sieben Millionen Zapfen sitzen im Bereich der Makula (gelber Fleck), der Stelle der größten Sehschärfe im Auge, und sind für das Tagessehen zuständig. In der Dämmerung und der Nacht übernehmen die besonders lichtempfindlichen Stäbchen, die nur Grautöne wahrnehmen können, die Sehfunktion - deshalb sind nachts alle Katzen grau.

Farbenblindheit und Farbschwäche

Personen mit einer Farbenfehlsichtigkeit, also einer Störung der Farbwahrnehmung, haben Zapfen, die gar nicht oder nur eingeschränkt funktionieren. Deshalb können sie keine oder bestimmte Farben nicht sehen.

  • Bei der seltenen totalen Farbenblindheit (Achroma[top]sie) funktionieren die Zapfen gar nicht. Deshalb werden nur farblose Bilder in Grautönen mit verschiedenen Helligkeitswerten wahrgenommen, vergleichbar mit dem normalen "Stäbchensehen" im Dämmerlicht . Bei der partiellen Farbenblindheit fehlt die Farbempfindung für eine (Dichromasie) oder zwei (Monochromasie) der drei Grundfarben.
  • Bei einer – in der Regel familiär veranlagten – Farbschwäche (anomale Trichromasie) funktionieren die Farbsinneszellen zwar, aber ihre Empfindlichkeit ist herabgesetzt. Deshalb werden die Farben der betroffenen Zapfen (meist Rot und Grün = Protanomalie und Deuteranomalie) in bestimmten Situationen verwechselt: Ist zum Beispiel der Rot-Rezeptor eingeschränkt (bereits ab 10 Prozent), wird das Rot einer Verkehrsampel als Grün wahrgenommen.
  • Bei 60 Prozent aller Farbschwächen ist nur eine der drei Grundempfindlichkeiten gestört. Die Rot-Grün-Schwäche (fälschlicherweise oft mit Rot-Grün-Blindheit gleichgesetzt) ist die häufigste Form einer Farbfehlsichtigkeit und kommt vorwiegend bei Jungen vor.

Häufigkeit und Ursache von Farbenfehlsichtigkeit

Angeborene Störungen des Farbsinns kommen bei 8 Prozent der Männer und 0,4 Prozent der Frauen vor. 4,2 Prozent der Betroffenen sind deuteranomal, haben also eine Grünschwäche, 1,6 Prozent sind protanomal, zeigen also eine Rotschwäche. Eine Grünblindheit haben 1,5 Prozent (Deuteranopie), 0,7 Prozent sind protanop ("rotblind"). Störungen im Blaubereich sind ebenso wie die totale Farbenblindheit sehr selten.

Die Farbenfehlsichtigkeit ist meist auf Vererbung zurückzuführen, sie kann aber auch erworben sein. Einschränkungen für das Farbensehen kommen bei verschiedenen Erkrankungen der Ader- und Netzhaut vor. Der völlige Verlust des Farbsinns ist erblich bedingt. Die Tagblindheit entsteht durch den Ausfall des Zapfenapparates der Netzhaut.

Aktualisiert: 09.02.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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