Fehlsichtigkeit bei Kindern früh feststellen

Kind mit Fehlsichtigkeit © rawpixel

Schlecht Sehen tut nicht weh, daher beschweren sich Kinder meist nicht über ihre Fehlsichtigkeit oder Sehprobleme. Doch Kinder, die schlecht sehen, tun sich mit vielen Dingen schwerer als nötig: Beim Lernen, beim Sport oder auf dem Schulweg. Regelmäßige Untersuchungen der Kinderaugen sind unproblematisch, aber für die Sehgesundheit der Kinder und deren weitere Entwicklung unerlässlich.

Wie entsteht eine Fehlsichtigkeit bei Kindern?

Eine Fehlsichtigkeit entsteht, wenn das Auge von der Idealform abweicht. Ist es zu kurz, dann ist das Auge weitsichtig, bei einem zu langen Augapfel hingegen kurzsichtig.

Weicht die Wölbung der Hornhaut von der Kugelform ab, spricht man von Hornhautverkrümmung oder Astigmatismus. Dann erscheint die Abbildung eines Punktes als Strich – daher auch die Bezeichnung Stabsichtigkeit.

Fehlsichtigkeit früh feststellen

Fehlsichtigkeiten fallen im Kindesalter nicht immer auf. Kinderaugen verfügen über eine sehr starke Akkommodationsfähigkeit, das heißt über die Verformung der flexiblen Augenlinse können sie Brechungsfehler ausgleichen. Deshalb kann es mitunter etwas Überzeugungsarbeit erfordern, damit das Kind die Notwendigkeit der Brille einsieht.

Der Ausgleich des Sehfehlers ist gerade bei Kindern wichtig, damit sich das Sehvermögen voll entwickeln kann. Vor allem, wenn das Kind schielt oder wenn die Brechkraft beider Augen sehr unterschiedlich ist, kann es sein, dass das Gehirn den Seheindruck eines Auges unterdrückt. Geschieht dies langfristig, dann droht eine einseitige Sehschwäche, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Spätestens mit zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren sollten alle Kinder deshalb augenärztlich untersucht werden.

Augenuntersuchungen beim Kinderarzt

Im Rahmen der gesetzlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt steht insgesamt dreimal der Sehsinn des Kindes im Fokus: Bei der U 5, der U 8 und der U 9. Diese Untersuchungen sind gut, aber nicht genug: Problematisch ist die recht große zeitliche Lücke zwischen den Untersuchunge

  • Die U 5 ist zwischen dem 6. und dem 7. Lebensmonat empfohlen,
  • die U 8 im Alter von etwa 3½ bis 4 Jahren und
  • die U 9 kurz vor Schulbeginn mit etwa 5 Jahren.

In diesen Jahren verändert sich die Leistungsfähigkeit von Kinderaugen recht stark. Schließlich wachsen Kinder und so auch deren Augen nicht gleichmäßig und proportional. Damit verändert sich auch das Sehvermögen ständig. Gerade in den ersten Lebensjahren aber kann eine zielgenaue Behandlung vom Augenarzt entscheidend dazu beitragen, den Sehsinn der Kinder voll zu entwickeln.

Kerstin Kruschinski vom Kuratorium Gutes Sehen: "Die Sehschärfe eines Kleinkindes verfeinert sich durch die verarbeiteten Seheindrücke. Also ist es besonders wichtig, Fehlsichtigkeiten möglichst frühzeitig festzustellen und entsprechend gegenzusteuern. Sogar Babys können schon Brillen tragen!"

Symptome für Sehprobleme

Die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen reichen nicht aus, um zuverlässig Sehschwächen bei den Kleinen zu erkennen. Daher sollten Eltern unbedingt selbst und regelmäßig den Sehsinn ihrer Kleinen beobachten.

Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ein Kind fehlsichtig ist, sind Klagen über Kopfschmerzen, Augenbrennen, vermehrtes Zwinkern oder Blendempfindlichkeit. Auch wenn das Kind "mit der Nase" liest, liegt der Verdacht nahe, dass eine Fehlsichtigkeit der Grund ist. Die Augen schielender Kinder haben in den meisten Fällen auch einen Brechungsfehler. Eine Brille hilft dann oft schon, den Schielwinkel zu verkleinern.

Da ein Kind gutes Sehen von schlechtem Sehen wegen des mangelnden Vergleichs nicht unterscheiden kann - es kennt es ja nicht anders - und sich das schlechte Sehen in vielerlei Symptomen äußern kann, sollten Eltern die im Folgenden beschriebenen Alarmsignale ernst nehmen.

Symptome für Sehstörungen bei Babys

  • Schielen
  • Lidveränderungen
  • Trübe Hornhaut
  • Grau-weißliche oder gelbliche Pupillen
  • Zitternde, entzündete, tränende oder gelbliche Augen

Symptome bei Kindergarten- und Schulkindern

  • Ständiges Reiben der Augen
  • Häufiges Stolpern, generelle Balancestörungen
  • Geringer Augenabstand zu Buch, Bildschirm oder Fernseher
  • Zunehmende Schwierigkeiten bei Dämmerung oder Dunkelheit

Book Candy Test

Mit dem sogenannten "Book Candy Test" können Eltern die Sehkraft von Kleinkindern rasch und unproblematisch prüfen: Kleine Zuckerkügelchen auf der Hand wecken die Aufmerksamkeit von Kindern ab dem sechsten Lebensmonat. Wenn das Kind - auch beim Abdecken eines Auges - die Zuckerkügelchen mit dem Blick verfolgt oder danach greift, ist alles in Ordnung.

Fazit

  • Gesetzlich empfohlene Vorsorgeuntersuchungen reichen nicht aus, um Sehschwächen von Kindern zu erkennen.
  • Regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt und Augenoptiker sind unerlässlich. Sie werden rasch und unproblematisch durchgeführt.
  • Eltern, aufgepasst: Achten Sie auf Alarmsignale wie tränende Augen oder eine schiefe Kopfhaltung.

Aktualisiert: 31.08.2016 – Autor: Kuratorium Gutes Sehen

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?