Leistenbruch (Inguinalhernie)

Leistenbruch bei einem Mann © istockphoto, bee32

Wie kann man einen Leistenbruch erkennen? Eine Vorwölbung in der Leistengegend, manchmal mit leichten Schmerzen – das spricht für einen Leistenbruch. Im Gegensatz zum Nabelbruch bildet er sich nie spontan zurück. Deshalb gilt für den Leistenbruch bei Kindern wie für den Leistenbruch bei Erwachsenen nahezu immer: Leistenbruch = Operation. Neben Anzeichen und Symptomen werden in folgendem Artikel Ursachen, Entstehung und Behandlung von einem Leistenbruch thematisiert.

Leistenbruch: Ursachen und Entstehung

Im Körper gibt es natürliche Schwachstellen, an denen das Bindegewebe dünn ist, weil dort beispielsweise Gefäße und Nerven hindurchtreten, oder Bereiche, wo sich in der Entwicklung des Ungeborenen vorhandene Verbindungen später nicht zurückgebildet haben. Dort kann sich das Bauchfell mitsamt der Darmschlingen hindurchdrücken – ein Eingeweidebruch entsteht. Von einem Leistenbruch spricht man dann, wenn sich der Bruchinhalt in der Leistengegend nach außen drückt.

  • Angeborener Leistenbruch (Hernia congenita): Der Leistenbruch bei Kindern beruht in der Regel darauf, dass die während der kindlichen Entwicklung bestehenden Ausstülpungen sich nicht richtig verschließen. Diese angeborene Form tritt bei Jungen häufiger als bei Mädchen auf. Betroffen sind etwa 1–4 % der Kinder beziehungsweise 20 % der Frühgeborenen; oft besteht eine erbliche Veranlagung. Die Darmschlingen reichen von der Bruchpforte aus durch den Leistenkanal (in dem beim Jungen der Samenstrang verläuft) unter das Leistenband. Dieser Leistenbruch kann beim Jungen bis in den Hodensack (Skrotalhernie) reichen und dort die Hoden beeinträchtigen, beim Mädchen kann sich der Leistenbruch bis in die Schamlippen erstrecken (Vaginalhernie). Gelangt bei Jungen statt der Darmschlingen Flüssigkeit aus dem Bauchraum in den Hodensack, spricht man von einem Hodenwasserbruch (Hydrozele). Dieser bildet sich allerdings im Gegensatz zum Leistenbruch meist von selbst zurück.
  • Erworbener Leistenbruch (Hernia acquisita): Bei Erwachsenen entsteht ein Leistenbruch durch ständige Druckerhöhung beispielsweise durch Spielen von Blasinstrumenten, chronischen Husten oder schwere körperliche Arbeit, aber auch infolge einer Schwangerschaft oder eines Tumors an anlagebedingten Schwachstellen der Bauchdecke. Frauen sind weitaus seltener von einem Leistenbruch betroffen als Männer.

Leistenbruch: Symptome und Anzeichen

Eine weiche Vorwölbung einseitig oder beidseits in der Leistengegend, gut sichtbar und wegdrückbar: Daran lässt sich ein Leistenbruch erkennen. Besonders ausgeprägt zeigen sich die Leistenbruch-Symptome beim Schreien, Husten, und Niesen oder beim Stuhlgang. Also immer dann, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht und die beweglichen Eingeweide herausgepresst werden.

Der Leistenbruch bei Kindern, aber auch der Leistenbruch bei Erwachsenen geht manchmal auch mit ziehenden Bauchschmerzen oder Leistenschmerzen einher, die vor allem bei Belastung auftreten. Kritisch sind stärkere Schmerzen, vor allem wenn sich der Bauch dabei sehr hart anfühlt und es zu Übelkeit und Erbrechen kommt. Diese Symptome können auf eine lebensgefährliche Einklemmung (Inkarzeration) des Leistenbruchs hindeuten. Meist ist der Leistenbruch dann als praller, nicht verschiebbarer Knubbel zu tasten.

Leistenbruch: Erkennen und handeln

Falls Sie bei Ihrem Kind oder bei sich eine Vorwölbung in der Leiste entdecken, suchen Sie beizeiten einen Arzt auf. Manchmal ähneln die Schmerzen denen bei einer Leistenzerrung (einer Überdehnung der Oberschenkelmuskeln) – allerdings ist bei letzterer keine Vorwölbung in der Leiste zu tasten. Im Gegensatz zu einem Nabelbruch bildet sich ein Leistenbruch nie spontan zurück.

Da die Gefahr der Einklemmung vor allem im ersten Lebensjahr relativ hoch ist, müssen Leistenbrüche bei einer Leistenbruch-OP verschlossen werden. Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise wenn die Betroffenen ein enorm hohes Operationsrisiko haben, wird von einer Operation des Leistenbruchs abgesehen. Bei einer Einklemmung muss direkt ein Arzt aufgesucht und möglichst schnell operiert werden, damit das eingeklemmte Gewebe nicht abstirbt. In den anderen Fällen kann die Leistenbruch-OP in Ruhe geplant werden.

Leistenbruch-OP: Operationsmethoden

Ist die Diagnose Leistenbruch gestellt, wird das weitere Vorgehen vorbereitet und besprochen. Bei einem Leistenbruch bei Kindern ist in der Regel Standard, den Leistenbruch ambulant zu operieren. Bei einem eingeklemmten Leistenbruch ist allerdings mit einem Klinikaufenthalt zu rechnen. Bei Erwachsenen wird meist nicht ambulant operiert.

Je nach Art und Ausdehnung des Leistenbruchs gibt es verschiedene Methoden einer Operation, um den Leistenbruch zu verschließen. Oftmals ist ein laparoskopischer Eingriff möglich, also der Zugang und Verschluss des Leistenbruchs über einen sehr kleinen Schnitt mittels Bauchspiegelung.

Leistenbruch: Dauer der Heilung

Die Dauer der Heilung nach einem Leistungsbruch hängt von Alter, Vorerkrankungen, Art des Leistenbruchs und Art des Eingriffs ab. Wichtig zu wissen ist, dass die Hautwunde viel schneller heilt als die innere Wunde. Deshalb darf mit leichten körperlichen Tätigkeiten wie Schwimmen oder Geschlechtsverkehr frühestens drei bis vier Wochen nach der Leistenbruch-Operation begonnen werden; Jogging und Fahrradfahren müssen sechs Wochen, schwere körperliche Tätigkeiten sogar mehrere Monate ausgesetzt werden.

Aktualisiert: 23.07.2012 – Autor: Dagmar Reiche

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