Diabetische Nephropathie - Diabetes und Niere

Diabetische Nephropathie: Diabetiker zeigt Modell einer Niere © istockphoto, Ben-Schonewille

Die Nieren haben in unserem Körper wichtige Funktionen zu erfüllen. Sie entgiften den Körper von den im Stoffwechsel anfallenden Schlacken, kontrollieren den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, die Menge und Zusammensetzung des Blutes sowie den Blutdruck. Außerdem sorgt die Niere dafür, dass im Blut immer genügend rote Blutkörperchen vorhanden sind. Die Filteraufgabe der Niere erfolgt vereinfacht gesagt in zwei Schritten: Zuerst wird das Blut in den so genannten Nierenkörperchen gefiltert. Durch die feinen Poren der Nierenkörperchen gehen jedoch neben den Abfallstoffen auch viele andere Stoffe, die der Körper benötigt, mit durch. Deshalb schließt sich ein zweiter Schritt an, nämlich die Rückgewinnung der für den Körper wertvollen und lebensnotwendigen Stoffe.

Ursachen und Symptome

Beim Diabetiker kann es nun durch anhaltend hohe Blutzuckerwerte bzw. genetische Veranlagung zu einer Veränderung der kleinen Gefäße der Niere kommen. Die Filterleistung der Niere nimmt immer mehr ab und damit auch die Entgiftungskapazität. Es kommt zu einer so genannten diabetischen Nephropathie. Was begünstigt eine diabetische Nephropathie?

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Schlechte Blutzuckereinstellung
  • Lange Diabetesdauer, genetische Veranlagung
  • Hohe Eiweißzufuhr, erhöhte Blutfettwerte
  • Zigarettenrauchen

Folgen einer diabetischen Nephropathie

Jeder fünfte Diabetiker entwickelt im Durchschnitt 10 bis 15 Jahre nach Diagnosestellung eine Nierenschädigung mit unterschiedlich starker Ausprägung. Unbehandelt kann die diabetische Nephropathie bei etwa einem Drittel der Betroffenen in einem Nierenversagen enden. In Deutschland kommen inzwischen jedes Jahr etwa 8000 diabetische Patienten neu an die Dialyse. Diabetes mellitus ist damit die häufigste Ursache für ein chronisches Nierenversagen. Dies gilt es zu vermeiden: Jeder Diabetiker sollte deshalb sein Augenmerk auch auf seine Nieren lenken.

Diagnose: Diabetische Nephropathie

Der Diabetiker merkt selber nicht, wenn seine Nieren mit der Zeit geschädigt werden, da er keine Schmerzen verspürt und sich auch der Urin nicht verändert. Erstes Anzeichen einer beginnenden Nephropathie sind kleinste Spuren von Eiweiß im Urin, die so genannte Mikroalbuminurie (20-200 mg Albumin/Liter im Morgenurin). Sie ist somit der wichtigste Faktor zur Früherkennung einer diabetischen Nierenerkrankung. Der Nachweis ist mittels spezieller Teststreifen frühzeitig und einfach möglich. Dabei wird an drei Tagen innerhalb einer Woche der erste Morgenurin getestet. Zur Diagnose einer Nephropathie wird von mindestens zwei der drei Morgenurine eine Konzentration von >20 mg Albumin/Liter gefordert. Das nächste Stadium ist charakterisiert durch eine größere Menge an Eiweiß im Harn, die so genannte Makroalbuminurie (mikros: klein, gering; makros: groß, viel). Besteht erst einmal eine anhaltende Makroalbuminurie (> 300 mg Albumin/24 h Urin), kann das Fortschreiten der Nierenerkrankung durch entsprechende Medikamente in den meisten Fällen nur noch eingedämmt werden, ist also nicht mehr umkehrbar!

Therapie und Behandlung

Bereits im Stadium einer Mikroalbuminurie sind angemessene therapeutische Maßnahmen erforderlich, um den Übergang in die chronische - nicht mehr rückgängig zu machende - Form des Nierenschadens zu verhindern.

  • Kontrolle und Dokumentation der Mikroalbuminurie (alle 3-6 Monate) mittels spezieller Teststreifen! Bei Typ 1-Diabetikern ab 5 Jahre nach Diabetesmanifestation, bei Typ 2-Diabetikern jedoch bereits ab der Diagnosestellung.
  • Bei nierenkranken Diabetikern sollten möglichst niedrige Blutdruckwert (120/80 mmHg) angestrebt werden. Denn: Je niedriger der Blutdruck, desto besser arbeitet die Niere. Bewährt haben sich hier die so genannten ACE-Hemmer und die Angiotensin-II-Antagonisten. Die Betroffenen profitieren nicht nur durch ein langsameres Voranschreiten der Nierenerkrankung, sondern auch durch die Senkung der Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten. Der Grund: ein hoher Blutdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Erkrankungen und Todesfälle an Herz und Gehirn.
  • Blutzucker optimal einstellen und anhand des HbA1c–Wertes (< 6,5 %) die Langzeiteinstellung überprüfen.
  • Einschränkung der Eiweißzufuhr (Austausch eiweißreicher, überwiegend tierischer Lebensmittel gegen eiweißarme, vorwiegend pflanzliche Lebensmittel).
  • Die Senkung des Körpergewichts ist eine wichtige Therapiemaßnahme. Schon eine geringe Gewichtsabnahme kann eine deutliche Verbesserung der Blutdruck- und Stoffwechseleinstellung bewirken.
  • Außerdem wichtig: Auf Infektionsgefahr der ableitenden Harnwege, Rauchstopp sowie engmaschige augenärztliche Kontrollen achten.

Fazit

Einer Nierenschädigung des Diabetikers vorzubeugen bzw. sie zu behandeln ist sehr gut möglich, wenn Kontrollmaßnahmen (gute Blutzuckereinstellung, optimaler Blutdruck, Kontrolle auf Mikroalbumine) und eine adäquate Behandlung erfolgt. Wird eine Nierenschädigung jedoch zu spät bemerkt, kann sie nicht mehr rückgängig gemacht werden und mündet unweigerlich in einem Nierenversagen.

Aktualisiert: 18.04.2012

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