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Polyneuropathie: Diagnose und Behandlung

Mann mit Polyneuropathie © istockphoto, Wavebreakmedia

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems unterschiedlichster Ursache, die mit Muskelschwäche und Gefühlsstörungen einhergeht. Das Nervensystem des Menschen mit dem Gehirn als oberste Instanz dient der Steuerung und Kontrolle aller Körper- und Organfunktionen. Grundsätzlich wird zwischen dem zentralen Nervensystem sowie dem peripherem Nervensystem unterschieden, wobei ersteres alle Nervenstrukturen oberhalb der Rückenmarksebene einschließlich Gehirn, letzteres alle peripheren Nervenfasern umfasst.

Polyneuropathie und Nervensystem

Wie feine Aufästelungen eines Baumes entspringen die Nervenfasern des peripheren Nervensystems aus dem Rückenmark und stellen den Kontakt zu den "ausführenden Organen" wie Muskulatur, Haut oder inneren Organen her. Der Informationsaustausch erfolgt via vom Hirn weggeleitete Steuerimpulse und via dem Hirn zugeleitete Informationen zum Beispiel von den Sinnesorganen oder der Haut.

Allein das – scheinbar passive – aufrechte Stehen eines Menschen erfordert vom Gehirn eine ungeheure Koordinationsleistung, um eingehende Informationen von Sinnesorganen wie Gleichgewichtsorgan, Augen oder Berührungssensoren in der Haut mit der Steuerung wichtiger Muskelgruppen vor allem der Beine abzustimmen. Diese überwiegend im Unterbewusstsein ablaufenden Vorgänge gestalten sich bei komplexen Bewegungsabläufen natürlich noch viel komplizierter.

Die beim Gesunden vorhandene Fähigkeit zu fühlen, setzt die Existenz zahlreicher, unterschiedlich spezialisierter Sensoren in der Haut für Tastsinn, Wärme- und Kältemessung oder Schmerzsinn und die Weiterleitung der entsprechenden Informationen über das Nervensystem voraus. Die eben beschriebenen Sinnesqualitäten werden im Nerven ebenso wie Impulse vom Gehirn an die Muskulatur von spezifischen Fasern geleitet.

Auslöser von Polyneuropathie

Die einzelnen Formen der Polyneuropathie stellen Erkrankungen des peripheren Nervensystems als Ganzes dar. Folgende Erkrankungen oder Faktoren kommen als Auslöser einer Polyneuropathie in Betracht:

Die Polyneuropathien sind damit häufig Ausdruck oder Reaktion des peripheren Nervensystems auf eine Erkrankung oder Schädigung, die den Organismus als Ganzes betrifft. Je nachdem, welche Funktionen des Nerven in besonderem Maße betroffen sind, spricht man von sensiblen, motorischen oder gemischt sensibel-motorischen Polyneuropathien.

Symptome einer Polyneuropathie

Anhand der vorwiegend betroffenen Nervenqualität, des Befallsmusters sowie des Verlaufs werden ganz unterschiedliche Ausprägungen der Polyneuropathie unterschieden. Das Spektrum reicht dabei von rein sensiblen Polyneuropathien mit Gefühlsstörungen oder Missempfindungen der Haut über rein motorische Polyneuropathien mit Muskellähmungen bis zu gemischten Formen der Polyneuropathie.

Diagnose

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium, welches auch eine bessere ursächliche Klärung der Erkrankung ermöglicht, ist die Frage, ob die Nervenschädigung vorwiegend den inneren Leitungsstrang des Nerven oder eher die äußere Umhüllung, auch Myelinscheide genannt, betrifft. Letztere wirkt als "elektrische Isolation" und ist für die Leitungsgeschwindigkeit des Nerven von erheblicher Bedeutung.

Die Diagnose einer Polyneuropathie ergibt sich aus dem Beschwerdebild der Patienten, dem neurologischen Untersuchungsbefund, Blutuntersuchungen sowie speziellen Untersuchungsverfahren der Muskulatur und der peripheren Nerven, die eine Differenzierung der einzelnen Polyneuropathieformen erlauben. Durch Elektromyographie und Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeiten können dabei Schädigungen der "Nervenisolation" von Schädigungen der Nervenfasern selbst abgegrenzt werden, was sowohl von diagnostischer als auch von therapeutischer Bedeutung sein kann.

Behandlung von Polyneuropathie

Die Behandlungsmöglichkeiten der einzelnen Formen der Polyneuropathie richten sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Bei immunbedingten Polyneuropathien wie dem Guillain-Barré-Syndrom, der Panarteriitis nodosa oder der rheumatischen Arthritis kommen in erster Linie immununterdrückende Therapieformen zum Beispiel mit Cortison, Azathioprin oder anderen Substanzen in Betracht. Weitere Alternativverfahren beim Guillain-Barré-Syndrom sind die Gabe von sogenannten Immunglobulinen oder die Plasmapherese, bei der schädigende Immunfaktoren aus dem Körper ausgewaschen werden.

Zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie ist eine effektive Kontrolle der diabetischen Stoffwechsellage durch Gewichtsreduktion, Medikamente oder Insulin angezeigt. Die Gefühlsstörungen, Schmerzen und Muskelkrämpfe an den Beinen reagieren zudem in Einzelfällen auf Präparate wie Carbamazepin oder Thioctazid.

Bei Vergiftungen steht die spontane oder medikamentöse Entfernung des jeweiligen Giftstoffes aus dem Körper an erster Stelle. Bei Alkoholismus ist strikte Alkoholabstinenz sowie die Gabe von Vitamin-B1-Präparaten erforderlich.

Polyneuropathien, die im Rahmen anderer Grunderkrankungen wie Nierenschädigungen oder Tumore auftreten, werden durch die Therapie der Grunderkrankung mitbehandelt.

Polyneuropathie: Vorbeugung

Möglichkeiten der Vorbeugung bestehen zwar bei Vergiftungen, teilweise bei Diabetes, nicht aber bei immunbedingten Polyneuropathien. Die entsprechenden Prinzipien werden bei der Darstellung der jeweiligen Grunderkrankungen abgehandelt.

Aktualisiert: 17.05.2017 – Autor: Udo Schmidt

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