Gelbsucht: Nicht immer ist die Leber schuld

Gelbsucht: gelbes Auge © istockphoto, EHStock

Bei Gelbsucht (Ikterus) kommt es typischerweise zu Symptomen wie einer Gelbfärbung der Augen, der Haut und der Schleimhäute. Auslöser der Verfärbung ist eine erhöhte Bilirubin-Konzentration im Körper. Diese kann verschiedene Ursachen haben, unter anderem eine Erkrankung der Leber oder der Galle. Eine Gelbsucht bei Erwachsenen muss von der sogenannten Neugeborenen-Gelbsucht abgegrenzt werden. Diese ist nicht Symptom einer Erkrankung, sondern tritt im Rahmen eines normalen Entwicklungsprozesses auf. Leiden Erwachsene an Gelbsucht, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Grunderkrankung.

Ursachen einer Gelbsucht

Liegt eine erhöhte Konzentration des Gallenfarbstoffes Bilirubin im Blut vor, kommt es zu einer Gelbfärbung der Augen, der Haut und der Schleimhäute. Bei Bilirubin handelt es sich um ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Bei bestimmten Erkrankungen steigt seine Konzentration im Blut an und es kommt zu Ablagerungen im Gewebe. Durch diese Ablagerungen wird dann der gelbliche Schimmer hervorgerufen. Die Gelbfärbung tritt etwa ab einer Konzentration von zwei Milligramm pro Deziliter Blut auf.

Hinter einer Gelbsucht können verschiedene Ursachen stecken. Grob lassen sich diese in drei Kategorien einteilen:

  1. Erkrankung des Blutes (prähepatischer Ikterus)
  2. Erkrankung der Leber (hepatischer Ikterus)
  3. Erkrankung der Galle (posthepatischen Ikterus)

Erkrankungen des Blutes als Ursache

Stellt eine Erkrankung des Blutes die Ursache der Gelbsucht dar, wird dies als prähepatischer Ikterus bezeichnet, da die Ursache vor der Leber liegt.

Die erhöhte Bilirubin-Konzentration kann unter anderem dadurch ausgelöst werden, dass zu viele rote Blutkörperchen zerfallen. Da Bilirubin ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin ist, steigt dadurch der Bilirubin-Spiegel an. Dies ist beispielsweise bei Virusinfektionen, Vergiftungen, Erkrankungen wie der Sichelzellenanämie oder künstlichen Herzklappen der Fall. Ebenso können Probleme bei einer Bluttransfusion die Ursache darstellen.

Kommt die Leber mit dem Bilirubin-Abbau nicht hinterher, lagert sich der Farbstoff im Gewebe ab und ruft die typischen Verfärbungen hervor.

Erkrankungen der Leber als Ursache

Liegen die Ursachen der Gelbsucht in der Leber, spricht man von einem hepatischen Ikterus. Meist ist dann eine Leberentzündung der Auslöser. Diese kann beispielsweise durch die Einnahme bestimmter Medikamente, den übermäßigen Konsum von Alkohol oder eine Infektion mit Viren wie zum Beispiel das Hepatitis B-Virus hervorgerufen werden.

Wird aus einer akuten eine chronische Leberentzündung, können in der Folge eine Leberzirrhose oder Leberkrebs entstehen.

Erkrankungen der Galle als Ursache

Bei einem posthepatischen Ikterus liegen die Ursachen der Gelbsucht nach der Leber.

Häufig ist dann ein Gallenstau für die auftretenden Symptome verantwortlich. Denn wenn die Gallenflüssigkeit etwa aufgrund eines Gallensteines nicht mehr abfließen kann, staut sich die Flüssigkeit und einige Bestandteile – darunter Bilirubin – können ins Blut übertreten. Neben Gallensteinen können auch Tumore sowie eine durch eine Operation oder Entzündung ausgelöste Verklebung einen Gallenstau verursachen.

Symptome bei Gelbsucht

Typischstes Symptom bei einer Gelbsucht ist eine gelbliche Verfärbung der Augen, der Haut sowie der Schleimhäute. Daneben kann es aber noch zu einer Reihe weiterer Beschwerden kommen.

Welche Symptome auftreten, ist dabei immer auch von der Ursache der Gelbsucht abhängig. Je nachdem können sich Anzeichen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Bauchschmerzen oder Juckreiz bemerkbar machen. Außerdem können sich die Farbe des Stuhls und des Urins verändern.

Neugeborenen-Gelbsucht

Eine Neugeborenen-Gelbsucht bei Babys muss von einer krankhaften Gelbsucht, wie sie bei Erwachsenen auftritt, abgegrenzt werden. Denn wenn sich bei Säuglingen die Haut gelblich verfärbt, ist diese in der Regel harmlos. Meist tritt das Symptom etwa zwei bis drei Tage nach der Geburt auf und verschwindet nach ein oder zwei Wochen wieder.

Solange Babys im Bauch der Mutter sind, werden sie über ihr Blut mit Sauerstoff versorgt. Dafür brauchen sie sehr viele rote Blutkörperchen. Nach der Geburt werden jedoch nicht mehr alle Blutkörperchen benötigt und einige zerfallen. Dabei entsteht Bilirubin, das in der Leber umgebaut und anschließend ausgeschieden wird. Liegt zu viel Bilirubin vor, kann es zu einem Stau vor der Leber und ab einer bestimmten Konzentration zu einer Gelbsucht kommen.

Gelbfärbung der Haut richtig diagnostizieren

Da es viele verschiedene Ursachen für eine Gelbfärbung der Haut gibt, ist es nicht immer einfach, eine Gelbsucht zu diagnostizieren. Zunächst erfolgt in der Regel ein ausführliches Gespräch, in dem der Arzt unter anderem nach eingenommenen Medikamenten, Alkoholkonsum oder kürzlich unternommenen Reisen fragt. Auch bestehende Vorerkrankungen wie etwa Gallensteine oder eine Krebserkrankung sollten erwähnt werden.

Anschließend werden verschiedene körperliche Untersuchungen durchgeführt, unter anderem:

Je nach Ergebnis können anschließend eventuell weitere Untersuchungen nötig werden.

Gelbsucht behandeln

Bei einer Gelbsucht handelt es sich nicht um ein eigenes Krankheitsbild, sondern um ein Symptom einer anderen Erkrankung. Deswegen ist Gelbsucht an sich auch nicht ansteckend, bestimmte Grunderkrankungen können es jedoch sein. Aus dem gleichen Grund gibt es auch keine Impfung gegen Gelbsucht. Jedoch kann bestimmten Ursachen wie beispielsweise einer Hepatitis B-Infektion durch eine Impfung vorgebeugt werden.

Wenn Sie bei sich eine Gelbfärbung der Augen oder der Haut entdecken, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen und die Ursache von ihm abklären lassen. Mit Medikamenten oder Hausmitteln können Sie bei einer Gelbsucht nämlich nichts erreichen. Die einzige Möglichkeit zur Heilung ist die zugrunde liegende Erkrankung behandeln zu lassen.

Wie genau die Behandlung einer Gelbsucht aussieht, ist immer von der jeweiligen Grunderkrankung abhängig. Besteht beispielsweise ein Problem mit der Galle wie etwa ein Gallenstein, muss der Stein entfernt werden. Liegen die Ursachen der Gelbsucht in der Einnahme bestimmter Medikamente oder in einem zu hohen Alkoholkonsum, sollte die auslösende Substanz abgesetzt werden. Sprechen Sie außerdem mit Ihrem Arzt, ob es weitere Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Aktualisiert: 20.12.2017 – Autor: Kathrin Mehner

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