Der Thymus

Thymus im menschlichen Körper © istockphoto, janulla

Die meisten Menschen kennen den Thymus nur als Kalbsbries von der Speisekarte. Doch für unser Immunsystem spielt er eine sehr wichtige Rolle: Im Thymus "lernen" unsere weißen Blutkörperchen, fremde Zellen zu erkennen und zu zerstören.

Wie sieht der Thymus aus und wo liegt er genau?

Der Thymus wird auch Thymusdrüse oder Bries genannt. Es liegt in unserem Brustkorb direkt hinter dem Brustbein oberhalb des Herzbeutels (Perikard) und reicht etwa vom Ansatz der Schlüsselbeine bis zum vierten Rippenpaar. Mit seinen lediglich ca. 40 g ist er ein Leichtgewicht unter den Organen.

Der Thymus wurde erstmalig im 16. Jahrhundert von Berengario de Carpi beschrieben, einem großen Anatomen der damaligen Zeit, der in Rom, Padua und Bologna lehrte.

Die Thymusdrüse besteht aus einem linken und einem rechten Lappen, die von einer Bindegewebekapsel umgeben sind. Von dieser ziehen Septen (ein Art Trennwände) in das Innere und teilen einzelne Läppchen ab (Lobuli thymi). Die Läppchen zeigen eine hellere Markzone (Medulla), die von einer dunkleren Rinde (Kortex) umgeben wird. In der Medulla findet man die Hasall-Körperchen, die charakteristisch für den Thymus sind. Hauptsächlich in der Rinde sind sogenannte Thymuslymphozyten (auch Thymozyten) eingelagert, die für unsere Immunabwehr so wichtig sind.

Welche Funktionen hat der Thymus?

Im klassischen Altertum wurde der Thymus noch als Sitz der Seele angesehen. Sein Name wird abgeleitet von dem griechischen Wort thymos (Lebensenergie). Mittlerweile wissen wir, dass seine Hauptaufgabe in der Entwicklung des Immunsystems besteht. Deshalb wird die Thymusdrüse genau wie das Knochenmark als primäres lymphatisches Organ bezeichnet.

Die Stammzellen – das sind Zellen, deren Funktion zwar feststeht, die sich aber noch entwickeln müssen – wandern aus dem Knochenmark über die Blutbahn in den Thymus ein und reifen dort zu T-Lymphozyten oder T-Zellen (T = Thymus) heran – dieser Vorgang wird als Prägung bezeichnet. Die Stammzellen durchlaufen die Thymus-Läppchen von außen nach innen.

Dabei "lernen" sie, körpereigene von körperfremden Antigenen, also Strukturen auf der Oberfläche von Zellen, zu unterscheiden. Das ist wichtig, damit die T-Lymphozyten später Bakterien, Viren, Parasiten oder auch Tumorzellen erkennen und zerstören, die körpereigenen Zellen aber verschonen. Der Thymus ist für die Abwehrzellen also eine Art Schule, in der sie zu fertigen "Körperpolizisten" ausgebildet werden.

Nach der Prägung wandern die T-Zellen vom Thymus in die Lymphknoten und warten dort auf ihren Einsatz. Jeder T-Lymphozyt ist auf ein ganz bestimmtes Antigen spezialisiert. Sobald er dieses bei einem Eindringling erkennt, vermehrt sich dieser T-Lymphozyt, er wird sozusagen "geklont". Dann werden die körperfremden Zellen zerstört und so z.B. eine Infektion abgewehrt. Der Thymus wird zu Recht auch Thymusdrüse genannt: Er produziert die Hormone Thymosin, Thymopoetin I und II, die für das Heranreifen der T-Lymphozyten wichtig sind.

Der Thymus verändert sich im Lauf des Lebens

Beim Neugeborenen ist jeder Lappen des Thymus etwa 5 cm lang und 2 cm breit. Bis zur Pubertät wächst das Organ noch etwas, bis es ca. 40 g wiegt.

Im Laufe des weiteren Lebens schrumpft die Thymusdrüse dann und das lymphatische Gewebe wird größtenteils durch Fettgewebe ersetzt – diesen Prozess nennt man Involution. Mark- und Rindengewebe nehmen ab und auch die Zahl der Hasall-Körperchen reduziert sich. Die Aufgaben des Thymus übernehmen dann sekundäre lymphatische Organe wie Lymphknoten oder Milz.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Involution des Thymus für die Alterungsprozesse des Menschen verantwortlich gemacht – eine Hypothese, die sich so nicht bestätigen ließ.

Aktualisiert: 29.04.2016 – Autor: Nathalie Blanck

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?