Lymphödem – Schwellung an Armen und Beinen

Lymphödem am Bein einer Frau © iStock.com/Ralf Geithe

Schwere Beine sind ein häufig genanntes Symptom eines Lymphödems, also einer Ansammlung von Lymphflüssigkeit, die häufig in den Beinen auftritt. Doch für Betroffene geht ein Lymphödem oft mit deutlich mehr Symptomen und Einschränkungen einher. Lymphödeme können auch an anderen Stellen des Körpers, beispielsweise den Armen, auftreten und unangenehme Komplikationen zur Folge haben. Wie Lymphödeme entstehen, warum sie behandelt werden sollten und wie Sie Ihre Symptome durch einen guten Therapieplan in den Griff bekommen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist ein Lymphödem? 

Ein Lymphödem entsteht durch einen gestörten "Abwassertransport" des Körpers. Der Fachbegriff für dieses "Abwasser" ist Lymphe oder Lymphflüssigkeit. Das Wort Ödem bezeichnet generell eine Ansammlung von Flüssigkeit. Ein Lymphödem ist demnach eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit.

Die Lymphe ist eine Flüssigkeit, die sich in den Zellzwischenräumen des menschlichen Körpers bildet. Normalerweise wird sie von einem komplexen System aus kleinen Gefäßen (dem Lymphsystem) aufgenommen und in das Blut zurückgeführt. Unterwegs durchläuft die Lymphe mehrere Stationen, die sogenannten Lymphknoten. Hier wird die Lymphe gefiltert und fremde Bestandteile werden vom Immunsystem "untersucht".

Ist der Abfluss der Lymphe zurück ins Blut gestört, entsteht vereinfacht gesagt ein Lymphstau. Die betroffene Region schwillt an, fühlt sich schwer an und die Haut ist gespannt.

Besonders häufig treten Lymphödeme an den Armen oder Beinen sowie am Hand- oder Fußrücken auf, denn in diesen Bereichen muss die Lymphe einen langen Weg gegen die Schwerkraft zur Körpermitte zurücklegen. Seltener sind auch Lymphödeme im Gesicht und Nacken, am Oberschenkel, im Bereich der Leiste oder im Genitalbereich möglich.

Was sind Ursachen für ein Lymphödem?

Die Ursachen eines Lymphödeme sind sehr verschieden. Unterschieden werden das primäre und das sekundäre Lymphödem. Darüber hinaus kann auch ein Lipödem ein Lymphödem zur Folge haben. Was diese Begriffe bedeuten, lesen Sie im Folgenden.

Primäres Lymphödem 

Ein kleiner Teil der Lymphödeme sind die sogenannten primären Lymphödeme. Man geht davon aus, dass weniger als zehn Prozent der Lymphödeme in diese Kategorie fallen. Primäre Lymphödeme sind entweder hereditäre Lymphödeme, das heißt sie wurden von den Eltern vererbt, oder es tritt spontan eine Mutation in den Genen auf – in beiden Fällen sind sie also genetisch bedingt. Betroffene haben meist schon ab dem jugendlichen Alter Probleme mit geschwollenen Beinen oder Armen. 

Sekundäres Lymphödem

Den größeren Teil der Lymphödeme machen sekundäre Lymphödeme aus. Hierbei entstehen die Ödeme nach einer Schädigung des Lymphsystems. Dies kann zum Beispiel nach einer Operation, bei der Lymphgefäße geschädigt oder entfernt wurden, oder durch eine Strahlentherapie nach einer Krebserkrankungen der Fall sein.

Zur Kategorie der sekundären Lymphödeme gehört auch das sogenannte maligne Lymphödem. Hierbei kommt es durch einen Krebstumor zu einer Einengung oder sogar Zerstörung der Lymphgefäße, weshalb die Lymphe nicht mehr abfließen kann.

Lipödem

Eine Sonderform unter den Lymphödemen nimmt das Lipödem ein. Die Ursachen dieser angeborenen Fettstoffwechselstörung sind noch nicht geklärt. Fest steht, dass es bei dieser Erkrankung zu einer Vermehrung des Unterhautfettgewebes an bestimmten Stellen des Körpers kommt, meist an den Beinen. Anstelle von Lymphflüssigkeit handelt es sich in diesem Fall also um eine Einlagerung von Fett.

Durch das stark vermehrte Fettgewebe können auch die Lymphgefäße blockiert werden. Es entsteht eine Lymphabflussstörung und somit ein kombiniertes Lip-Lymphödem. Mehr Informationen zum Lipödem finden Sie hier.

Stadien und Symptome des Lymphödems

Je nach Fortschreiten der Erkrankung kann das Lymphödem in vier verschiedene Stadien unterteilt werden. Diese sind durch unterschiedliche stark ausgeprägte Symptome gekennzeichnet, die im Verlauf immer deutlicher zu erkennen sind:

  • Stadium 0 – Im sogenannten Latenzstadium ist noch keine Schwellung sichtbar, aber Veränderungen der Lymphbahnen sind bereits vorhanden. Es kann bereits ein Schweregefühl auftreten. Eine Diagnose erfolgt nur selten bereits diesem Stadium.
  • Stadium I – Dieses Stadium wird als spontan reversibel bezeichnet, das heißt: Es tritt bereits eine Schwellung auf, diese geht aber durch Hochlagerung zurück.
  • Stadium II – In diesem Stadium treten vermehrte Veränderungen des umliegenden Bindegewebes auf. Es wird als nicht spontan reversibel bezeichnet, denn die Schwellungen verschwinden nicht mehr durch Hochlagern. Zusätzlich können Dellen an der Haut sichtbar sein.
  • Stadium III – Der vom Lymphödem betroffene Bereich ist stark geschwollen und hart. Das Gewebe ist nicht mehr eindrückbar. Auf der Haut sind oft Dellen und warzenförmige Veränderungen sichtbar. Die Gefahr einer Entzündung der Haut ist groß.

Arztbesuch und Diagnose

Wenn Sie bei sich Anzeichen eines Lymphödems am Bein erkennen, kann ein Test, das sogenannte Stemmer'sche Zeichen, helfen, die Diagnose zu sichern. Hierbei wird versucht, am zweiten Zeh eine Hautfalte mit Daumen und Zeigefinger anzuheben. Ist dies nicht möglich, bedeutet das, dass das Stemmer'sche Zeichen positiv ist, was ein Hinweis auf ein Lymphödem ist.

Bei Symptomen, die den Verdacht auf ein Lymphödem erwecken, kann zunächst der Hausarzt eine orientierende Untersuchung machen. Ist die Diagnose schwerer zu stellen, kann die Überweisung an einen Facharzt, etwa einen Spezialisten für Gefäßmedizin, sinnvoll sein.

Mithilfe einer Lymphszintigraphie kann erkannt werden, ob es sich um ein Lymphödem handelt. Hierbei muss der Patient eine radioaktiv markierte Flüssigkeit trinken, die nur über das Lymphsystem verarbeitet wird. Bildlich lässt sich dann darstellen, wo sich vermehrt Lymphe anreichert und wie sie abtransportiert wird.

Kann sich ein Lymphödem zurückbilden? Ist ein Lymphödem heilbar?

Ein Lymphödem kann sich durch eine konsequente Therapie wieder zurückbilden und die Symptome eines Lymphödems können mittlerweile gut unter Kontrolle gebracht werden. Von selbst verschwindet ein Lymphödem jedoch nicht, sodass immer eine Behandlung erforderlich ist. Bei einem Lymphödem handelt es sich zudem um eine chronische Erkrankung. Um ein Fortschreiten zu verhindern, muss ein Lymphödem dauerhaft beobachtet und behandelt werden.

Zunächst einmal ist das Ziel einer Therapie die Entstauung der betroffenen Gliedmaßen, also das Auflösen der Flüssigkeitsansammlung. Ist dies erfolgreich, schließt sich eine Erhaltungstherapie an, um ein erneutes Auftreten eines Lymphödems zu verhindern. Durch diese konsequente Therapie kann ein Lymphödem gut kontrolliert werden, es ist aber nicht heilbar. Eine Therapie bleibt dauerhaft nötig.

Diese Nachricht ist für viele Betroffene am Anfang schwer zu verkraften, denn die Therapie des Lymphödems erfordert viel Eigenverantwortung und Zeit. Dennoch lohnt es sich, alle Komponenten der Therapie ernst zu nehmen. Durch eine komplexe Therapie können die Verschlimmerung eines Lymphödems mit Komplikationen, wie beispielsweise offenen Wunden, oftmals verhindert und die Lebensqualität der Betroffenen aufrecht erhalten werden.

Wie wird ein Lymphödem behandelt? 

Die Therapie des Lymphödems setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen. All diese Bausteine zusammen werden als "komplexe physikalische Entstauungstherapie" bezeichnet.

Zunächst einmal sind Kompressionsstrümpfe oder Armbandagen ein wichtiger Teil der Therapie. Diese werden extra für den Patienten angepasst und helfen dabei, den Lymphabfluss in den noch funktionierenden Gefäßen zu erhalten und gleichzeitig die Anlagerung von Lymphe zu vermindern.

Auch die manuelle Lymphdrainage ist sehr hilfreich, um Lymphödeme zu behandeln. Sie besteht aus vier Grundgriffen, die helfen, die Lymphe abzutransportieren. Betroffene erhalten meist ein Rezept des Arztes für regelmäßige Termine zur Lymphdrainage beim Physiotherapeuten.

Derzeit gibt es keine wirksame medikamentöse Therapie bei Lymphödemen. Wassertabletten, auch bekannt als Entwässerungstabletten oder Diuretika, werden bei Lymphödemen nicht eingesetzt, denn sie könnten diese sogar verschlimmern.

Bei schweren Lymphödemen sind auch operative Eingriffe möglich. Sie werden Betroffenen empfohlen, die trotz einer komplexen physikalischen Entstauungstherapie von einer Dauer von mehr als sechs Monaten keine Verbesserung ihres Zustandes aufweisen. Je nach Ursache des Lymphödems gibt es verschiedene Operationsverfahren, die darauf abzielen, den Lymphabfluss so gut wie möglich zu rekonstruieren.

Welcher Sport ist gut für ein Lymphödem?

Betroffene sollten die sportliche Aktivität nicht vernachlässigen, denn auch Bewegung ist Teil der Selbstbehandlung und kann die Therapie eines Lymphödems unterstützen. Es gibt viele Übungen, die dabei helfen können, die sogenannte Muskelpumpe – also die Unterstützung des Bluttransports durch die Bewegung der Muskeln – zu aktivieren. Durch die Aktivierung der Muskulatur kommt es zu einem Druckanstieg und dadurch zu einer Steigerung des Lymphabflusses.

Bei Lymphödemen in den Beinen sind geeignete Übungen zum Beispiel das Treppensteigen oder die Nutzung eines Home Trainers wie dem Stepper. Auch Nordic Walking, Radfahren oder Wassergymnastik helfen, die Beine zu entstauen.

Übungen bei einem Lymphödem

Gezielte Entstauungsgymnastik für die Beine nutzt oft zusätzlich die Schwerkraft. Eine gute Übung ist es zum Beispiel, in Rückenlage die Beine möglichst senkrecht in die Luft zu strecken und mit jedem Fuß abwechselnd zu paddeln.

Hilfreiche Übungen bei Lymphödemen in den Armen sind zum Beispiel das "Äpfel pflücken". Betroffene sollten hierbei nach oben in die Luft nach einem imaginären Apfel greifen. Dann ziehen sie ihn zu sich und öffnen die Hand anschließend wieder. Diese Bewegung sollte im Wechsel mit dem anderen Arm für circa fünf Minuten wiederholt werden.

Hautpflege: Worauf sollten Betroffene achten? 

Betroffene mit einem Lymphödem sollten folgende Tipps zur Hautpflege beachten:

  • Die Haut um ein Lymphödem herum ist anfälliger für Entzündungen und Hautinfektionen mit Keimen oder Pilzen, die sich zu tiefen Wunden entwickeln können. Dementsprechend sollte die tägliche Inspektion und Pflege der Haut bei Betroffenen mit Lymphödemen zur Routine werden.
  • Zur Reinigung der Haut eignen sich sehr gut pH-neurale Seifen. 
  • Unter den Kompressionsstrümpfen oder Armbandagen kann die Haut zudem sehr trocken werden. Eine pflegende Creme mit erhöhtem Fettanteil kann gegen spröde, trockene und juckende Haut helfen.
  • Wunden können dazu führen, dass sich Lymphödeme verschlimmern. Deswegen sollten Betroffene auch bei kleinen Wunden schnell reagieren und ihre Wunde desinfizieren. Im Zweifelsfall sollten sie sie immer dem behandelnden Arzt zeigen. 

Einfluss von Ernährung und Gewicht

Grundsätzlich gibt es keine Hinweise darauf, dass die Ernährung einen Einfluss auf Lymphödeme hat. Allerdings konnte nachgewiesen werden, dass Übergewicht zu einer deutlichen Verschlechterung der Lymphgefäßfunktion führt. Somit kann Übergewicht als Risikofaktor für die Entwicklung eines sekundären Lymphödems angesehen werden.

Lymphödem-Patienten sollten daher darauf achten, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Bei übergewichtigen Betroffenen ist eine Gewichtsreduktion erwiesenermaßen hilfreich, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Auch zur Prophylaxe eines Lymphödems hilft es, Übergewicht vorzubeugen und auf ausreichend sportliche Aktivität zu achten, die die Muskelpumpe aktiviert.

Hausmittel bei Lymphödem – was hilft?

Zusätzliche kleine Hausmittel bei Lymphödemen sind: 

•    Kneipp'sche Fußbäder, allerdings sollten zu hohe Temperaturen vermieden werden
•    weite Schuhe oder Kleidung, die den Lymphabfluss nicht behindern
•    Hochlagerung der Beine oder Arme 
•    Vermeidung von heißen Temperaturen, wie zum Beispiel in der Sauna oder auch an warmen Urlaubsorten

Mit all diesen Bausteinen der Therapie und einer gesunden Lebensführung haben Betroffene die Möglichkeit, ihre Symptome lange Zeit auf ein Minimum zu reduzieren und trotz Lymphödemen ein Leben mit hoher Lebensqualität zu führen. 

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
I89.0-, Q82.0-

Aktualisiert: 09.10.2020 - Autor: Sophia Jäger, Studentin der Humanmedizin

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