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ADHS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen © Fotografie Loban

"Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt…". Heinrich Hoffmann, selber Nervenarzt, hat den Zappel-Philipp so treffend wie kaum ein anderer beschrieben. Die medizinische Bezeichnung Aufmerksamkeitsstörungen mit und ohne Hyperaktivität kannte er damals wohl noch nicht. Dass diese komplexe Störung sich nicht immer "verwächst", sondern auch zahlreiche Erwachsene betrifft, wissen nur wenige Betroffene. ADHS bei Erwachsenen ist jedoch weniger verbreitet.

ADHS: unterschiedlichste Variationen

Es sind Menschen, die ständig unter Hochspannung zu stehen scheinen, es sind die Ungeduldigen beim Schlangestehen, die, die häufig zu spät kommen, die jedem ins Wort fallen und immer wieder neue Projekte beginnen und nicht alles zu Ende führen. Es sind aber auch genau dieselben, mit ihrer unerschöpflichen Energie und Kreativität geniale Lösungen finden, sie sind oft beliebt, sensibel und hilfsbereit, haben eine große Begabung zum „Multitasking" und zur Improvisation. Albert Einstein und Bill Gates sind zwei prominente Beispiele.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) tritt in sehr unterschiedlichen Variationen auf, doch eine verminderte Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind ihre Kernsymptome. Man nimmt an, dass eine gestörte Informationsverarbeitung in bestimmten Hirnregionen die Ursache ist, von der in erster Linie der Dopamin-Stoffwechsel betroffen ist. Dopamin ist wie Noradrenalin ein Botenstoff (Transmitter). Der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen (Neuronen) wird von Transmittern wie Dopamin und Noradrenalin gesteuert.

Nach Informationen von Professor Michael Schulte-Markwort vom Uniklinikum Eppendorf in der Ärztezeitung ist bei ADHS-Patienten die Aktivität der Neuronen jedoch stark herabgesetzt, was auf ein Transmitterdefizit schließen lässt. Mangelt es etwa an Dopamin, können Aktivitäten des Nervensystems, die Gefühle und Verhalten regeln, schlechter gesteuert werden.

ADHS im Erwachsenenalter

Wie die Universität Lübeck berichtet sind fünf Prozent aller Kinder von Hyperaktivität betroffen. Wissenschaftler schätzen, dass es in jeder Schulklasse ein Kind mit ADHS gibt. Noch vor wenigen Jahren galt ADHS nur als eine Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Erst in jüngster Zeit wurde bekannt, dass die ADHS-Symptome auch bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben können.

Derzeit wird die ADHS im Erwachsenenalter in der Wissenschaft intensiv untersucht: auch zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen nämlich sind betroffen. Heute ist bekannt, dass bei rund der Hälfte der betroffenen Kinder die Störung nicht mit dem 18. Lebensjahr aufhört, sondern dass sich die Symptome verändern und bis ins Erwachsenenalter fortsetzen.

Inzwischen weiß man auch, dass ADHS vererbt werden kann: Wurde bei einem Familienmitglied ADHS diagnostiziert, ist das Risiko für leibliche Kinder, ebenfalls an ADHS erkrankt zu sein, um das Fünffache erhöht. Im Kindesalter sind Jungen dreimal häufiger als Mädchen vom "Zappel-Philipp-Syndrom" betroffen, für Erwachsene gibt es bezüglich der Geschlechterverteilung von ADHS noch keine genaueren Aussagen.

Aktualisiert: 26.06.2012 – Autor: bo

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