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ADHS bei Kindern: Tipps für den Alltag

Eltern mit ADHS-Kindern © istockphoto, H-Gall (Symbolfoto)

Der Alltag mit einem ADHS-Kind ist nicht immer einfach und kann die betroffenen Eltern schon einmal an ihre Grenzen treiben. Mit ein paar Tipps lässt sich das alltägliche Zusammenleben jedoch einfacher gestalten. Nicht alle Tipps werden bei jedem Kind anschlagen – hier müssen Sie individuell ausprobieren, was für Ihr Kind und Sie funktioniert.

Sorgen Sie für einen fest strukturierten Tagesablauf

Der Alltag mit einem ADHS-Kind stellt sich oft chaotisch dar. Die Kinder haben Probleme, ihre Handlungen zu strukturieren und wichtige von unwichtigen Aufgaben zu unterscheiden. Deswegen ist es wichtig, dass Sie Ihrem Kind in dieser Hinsicht unter die Arme greifen. Zeigen Sie ihm, wie man eine Handlung strukturieren und eine große Aufgabe in mehrere kleinere zerlegen kann.

Damit sich die Kinder möglichst gut selbst organisieren können, ist ein fest strukturierter Tagesablauf wichtig. Wenn das Abendessen immer zur gleichen Zeit auf dem Tisch steht und die Kinder immer zur gleichen Zeit ins Bett müssen, fällt es Ihnen leichter, sich darauf einzustellen. Überraschungen im Tagesablauf sollten Sie dagegen eher vermeiden, denn damit kommen ADHS-Kinder meist nicht gut zurecht. Feste Gewohnheiten vermitteln dagegen Sicherheit und Ruhe.

Außergewöhnliche Termine sollten Sie Ihrem Kind rechtzeitig mitteilen, damit es genügend Zeit hat, sich darauf einzustellen. Aber auch alltägliche Termine sollten immer wieder angekündigt werden: Steht das Abendessen unmittelbar bevor, weisen Sie Ihr Kind darauf hin, dass es in zehn Minuten Essen gibt.

Regeln aufstellen

Um einen chaotischen Alltag zu vermeiden, ist es wichtig, dass Sie klare Regeln für das Zusammenleben aufstellen. Die Regeln sollten einhaltbar sein – und von Eltern und Kindern auch eingehalten werden. Am besten stellen Sie die Regeln gemeinsam mit Ihrem Kind auf – so können auch seine Wünsche berücksichtigt werden. Machen Sie dem Kind auch deutlich, welche Konsequenzen beim Missachten der Regeln drohen. Dabei sollten die Konsequenzen nicht als Strafe, sondern als logische Konsequenz des Verhaltens angesehen werden.

Zu den einfachen Regeln, die Sie mit Ihren Kindern aufstellen sollten, können etwa die folgenden Beispiele gehören:

  • Während dem Essen bleiben alle ruhig am Tisch sitzen.
  • Eltern oder Geschwister werden nicht geschlagen – auch nicht im Streit.
  • Computerspielen ist jeden Tag für 30 Minuten erlaubt.
  • Hausaufgaben werden direkt nach der Schule erledigt.

Belohnen statt bestrafen

ADHS-Kinder zeigen häufiger Verhaltensweisen, die von anderen als ‚falsch‘ angesehen werden. Doch anstatt Ihr Kind für ein solches Verhalten zu bestrafen, sollten Sie besser ein System einführen, mit dem gutes Verhalten belohnt wird. Loben sorgt nämlich nicht nur bei Ihrem Kind, sondern auch bei Ihnen selbst für ein gutes Gefühl. Zudem lernt das Kind auf diesem Weg schneller, welche Verhaltensweisen von ihm erwartet werden.

Beispielsweise können Sie ein System entwickeln, bei dem Ihrem Kind für bestimmte Verhaltensweisen Punkte gutgeschrieben werden. Hat das Kind eine bestimmte Anzahl an Punkten erreicht, können diese gegen ein Eis, ein Buch oder einen Ausflug eingelöst werden. Belohnen Sie im Idealfall nicht nur das tatsächliche Verhalten, sondern auch die Bemühung, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.

Schwierige Situationen vermeiden

Wenn Sie merken, dass sich bestimmte Situationen im Alltag als besonders schwierig erweisen, sollten Sie versuchen, diese zu vermeiden oder zumindest zu entschärfen. Planen Sie mögliche Reaktionen Ihres Kindes vorausschauend ein – so bietet sich Ihnen die Möglichkeit zu agieren, anstatt zu reagieren.

Ein Beispiel: Wenn Sie Ihr Kind mit zum Einkaufen nehmen, sprechen Sie vorher mit ihm ab, dass es immer in der Nähe des Einkaufswagens bleiben und nicht auf eigene Faust den Supermarkt unsicher machen soll. Bieten Sie Ihm im Gegenzug eine attraktive Aufgabe an, beispielsweise, dass es bei der Auswahl der Lebensmittel mithelfen darf.

ADHS-Kinder gezielt fördern

Kinder mit ADHS zeichnen sich häufig durch eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft, einen starken Gerechtigkeitssinn sowie eine große Kreativität aus. Ist ihr Kind vielleicht auch besonders musikalisch oder künstlerisch begabt? Halten Sie Ausschau nach Tätigkeiten, die Ihrem Kind Freude bereiten und fördern Sie diese gezielt. Indem Sie Ihr Kind in den Bereichen unterstützen, in denen es talentiert ist, stärken Sie sein Selbstbewusstsein.

Aktualisiert: 12.09.2012 – Autor: Kathrin Mehner

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